Weltordnung in der Krise: Das Ende der US-Vorherrschaft

Dieses Video wurde am 20.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die regelbasierte Weltordnung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem durch die Vereinigten Staaten getragen wurde, steht vor ihrem tiefgreifendsten Wandel seit Jahrzehnten. EZB-Chefin Christine Lagarde warnte auf einem Podium in Genf eindringlich: Das europäische Wachstumsmodell der Nachkriegszeit erodiert, und der Rückzug Washingtons aus dem multilateralen System ist einer der Hauptgründe. Geopolitische Spannungen, wachsende Sicherheitsbedrohungen und eine zunehmend transaktionale US-Außenpolitik unter Donald Trump beschleunigen diesen Prozess in alarmierendem Tempo.

Weltordnung ohne Ordnungsmacht: Was Trump verändert hat

Der politikwissenschaftliche Begriff der Weltordnung ruht nach dem Politologen Henry Kissinger auf zwei Säulen: einem Regelwerk, das die Staaten akzeptieren, und einer Machtbalance, die diese Regeln durchsetzen kann. Über acht Jahrzehnte hinweg funktionierten beide Säulen – zunächst gestützt durch das bipolare Gleichgewicht des Kalten Krieges, danach durch die unipolare Dominanz der USA.

Mit Trumps zweiter Amtszeit hat sich das grundlegend verändert. Washington betreibt nach Einschätzung von Mark Leonard, Mitgründer des European Council on Foreign Relations und Autor des Artikels „The Abandoned Order“ im Magazin Foreign Affairs, nicht mehr nur eine Abkehr vom Multilateralismus – sondern eine aktive Revolution gegen die bestehende Ordnung selbst.

Konkrete Beispiele aus jüngster Zeit verdeutlichen das:

  • Trump drohte dem Iran mit Bombenangriffen und beanspruchte die Straße von Hormus als US-Territorium.
  • Washington betreibt aktiv die Demontage des Internationalen Strafgerichtshofs.
  • Die Jahrzehnte alte Sicherheitsallianz mit Südkorea wurde von Trump öffentlich als „schlechtes Geschäft“ für Amerika bezeichnet.
  • Die NATO-Partner werden regelmäßig für ihre vermeintlich zu geringen Verteidigungsausgaben kritisiert.

„Unorder“ statt Disorder: Eine Welt ohne gemeinsame Spielregeln

Leonard unterscheidet bewusst zwischen „Disorder“ – also dem Brechen von Regeln, die noch anerkannt werden – und dem Begriff „Unorder“: einem Zustand, in dem sich Staaten nicht einmal mehr auf ein gemeinsames Regelwerk einigen können. Genau dort befinde sich die Welt heute.

Drei Trends treiben diesen Prozess voran. Erstens die Fragmentierung: Statt eines universellen Regelbuches konkurrieren heute verschiedene geopolitische „Betriebssysteme“ miteinander. Zweitens die Ansteckung: Konflikte, die früher eingehegt wurden, greifen heute schnell auf andere Bereiche über – ein Streit um das iranische Atomprogramm wird binnen kurzer Zeit zum globalen Energiepreisschock. Drittens die Strangulierung: Die hochgradig vernetzten globalen Lieferketten werden zunehmend als geopolitische Waffe eingesetzt. Ob Iran die Straße von Hormus sperrt, die USA den Zugang zu KI-Chips blockieren oder Russland Gaslieferungen kappt – Globalisierung ist zur Verwundbarkeit geworden.

Vereinte Nationen und Nuklearproliferation: Institutionen im Verfall

Die Vereinten Nationen werden in diesem Szenario nicht verschwinden, aber zunehmend bedeutungslos werden. Der Sicherheitsrat und die Generalversammlung werden weiter tagen, doch die Beschlüsse verlieren an Relevanz gegenüber einer Weltpolitik, die immer stärker von nackter Machtlogik geprägt ist.

Besonders besorgniserregend ist die Perspektive für nukleare Sicherheitsgarantien. Länder wie Japan, Südkorea, Polen und Teile Europas haben auf eigene Atomwaffen verzichtet, weil sie auf den US-amerikanischen Nuklearschirm vertrauten. Dieses Vertrauen schwindet. Debatten über eigene Nuklearfähigkeiten, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren, werden in mehreren dieser Länder offen geführt. Europa diskutiert intern, ob die französischen und britischen Arsenale als Ersatz dienen könnten.

Technologie als geopolitische Waffe

Ein weiterer Schauplatz der neuen Unordnung ist die Technologiepolitik. Die Dominanz der USA und Chinas im Bereich künstlicher Intelligenz und Halbleiter ist kein Zufall, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Globalisierung, die auf Effizienz statt auf strategische Resilienz setzte. Europäische Staaten haben sich abhängig von amerikanischer Technologie gemacht – von Chips bis zu KI-Modellen.

Die Erkenntnis wächst, dass diese Abhängigkeit ein Sicherheitsrisiko darstellt: Der US-Präsident könnte den Zugang zu digitalen Infrastrukturen jederzeit und ohne Vorwarnung kappen – nicht nur für Feinde, sondern auch für Verbündete. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass chinesische Technologiekomponenten mit Kill-Switches versehen sein könnten. Das Ergebnis: Staaten suchen verstärkt nach Diversifizierung und digitaler Souveränität.

Die Schlussfolgerung aus all diesen Entwicklungen ist nüchtern: Die regelbasierte Weltordnung kehrt nicht zurück – nicht nach Trump, nicht durch einen Politikwechsel in Washington. Die Welt muss lernen, in einer Ära ohne klare Ordnungsmacht zu navigieren. Für Europa bedeutet das, strategische Eigenverantwortung in Sicherheit, Technologie und Wirtschaft nicht länger aufzuschieben.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (DW News). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

Latest news
Related news