Dieses Video wurde am 14.08.2026 von FOCUS online auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die Kulturpolitik der AfD scharf kritisiert. Auslöser ist ein Vorstoß aus Sachsen-Anhalt: Ein AfD-Kreisverband hatte vorgeschlagen, christliche Feiertage wie Weihnachten zu ersetzen und stattdessen germanische Bräuche wie das Julfest und die Wintersonnenwende zu feiern. Weimer reagierte auf diese Forderungen mit deutlicher Ablehnung und bezog in mehreren kulturpolitischen Streitfragen klar Stellung.
Julfest statt Weihnachten – der Vorstoß aus Sachsen-Anhalt
Die Idee, Weihnachten durch germanische Feste zu ersetzen, stammt aus einem AfD-Kreisverband in Sachsen-Anhalt. Konkret schlug dieser vor, die Wintersonnenwende und das Julfest als kulturelle Alternative zu etablieren. Damit steht die Partei in einer Tradition, die christliche Feiertage zugunsten vorchristlicher Rituale verdrängen möchte.
Kulturstaatsminister Weimer sieht in diesem Vorhaben einen gezielten Angriff auf das kulturelle Erbe Deutschlands. Weihnachten sei tief im gesellschaftlichen Leben verankert und gehöre zur christlich-abendländischen Identität des Landes. Ein Ersatz durch neo-germanische Bräuche sei kulturpolitisch abwegig und gesellschaftlich spaltend.
- AfD-Kreisverband Sachsen-Anhalt forderte Abschaffung christlicher Feiertage
- Julfest und Wintersonnenwende als vorgeschlagene Alternativen
- Weimer bezeichnete den Vorstoß als klaren Angriff auf das kulturelle Erbe
- Christliche Feiertage gelten als integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft
Weimers Haltung im Flaggenstreit
Neben dem Streit um Weihnachten bezog der Kulturstaatsminister auch im Flaggenstreit eine klare Position. Die schwarz-rot-goldene Fahne sei die Fahne der Demokratie – ihr Ursprung liege in der Freiheitsbewegung von 1848. Sie gehöre damit nicht der rechten Bewegung, sondern stehe für die demokratischen Werte und die liberale Tradition Deutschlands.
Weimer widersprach damit Versuchen, die Nationalflagge als Symbol einer nationalistischen oder rechten Identität zu vereinnahmen. Die Fahne sei ein gesamtgesellschaftliches Symbol, das für Freiheit, Einheit und Demokratie stehe – und das müsse auch so verteidigt werden.
Kein Platz für die AfD in der Tradition von 1989
Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Erinnerungskultur rund um die friedliche Revolution von 1989. Die AfD versuche, sich in die Tradition dieser historischen Errungenschaft zu stellen – ein Anspruch, den Weimer klar zurückweist.
Die CDU sei die Partei der deutschen Einheit, betonte der Kulturstaatsminister. Es sei historisch nicht haltbar, dass eine Partei, die grundlegende demokratische Werte infrage stelle, das Erbe der Wendezeit für sich beanspruche. Die friedliche Revolution sei ein Aufbruch für Freiheit und Demokratie gewesen – Werte, die mit dem Programm der AfD unvereinbar seien.
Einordnung: Kulturkampf als politisches Mittel
Die Debatte um Weihnachten, Flagge und Revolutionserbe zeigt: Kulturpolitik ist in Deutschland zu einem zentralen Schlachtfeld im politischen Wettbewerb geworden. Die AfD nutzt kulturelle Symbole und Traditionen gezielt, um eine eigene Identitätserzählung zu etablieren.
Weimers Reaktion macht deutlich, dass die etablierten Parteien dieses Terrain nicht kampflos überlassen wollen. Ob es gelingt, die kulturpolitische Deutungshoheit zu behalten, wird auch davon abhängen, wie überzeugend demokratische Kräfte ihre eigene Verwurzelung in Geschichte und Tradition kommunizieren. Die Auseinandersetzung dürfte in den kommenden Monaten weiter an Schärfe gewinnen.
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