Dieses Video wurde am 08.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Seit Januar 2025 verschickt die Bundeswehr an alle 18-Jährigen in Deutschland einen Wehrdienst-Fragebogen, der klären soll, ob sie grundsätzlich bereit wären, Militärdienst zu leisten. Das Ergebnis nach den ersten Monaten ist ernüchternd: Laut Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, das sich auf Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums beruft, schickt nur rund ein Viertel der angeschriebenen Männer den Bogen überhaupt zurück. Das stellt das Ziel der Bundeswehr, bis 2035 auf bis zu 270.000 Soldatinnen und Soldaten zu wachsen, vor erhebliche Herausforderungen.
Wie der Wehrdienst-Fragebogen funktioniert
Seit Januar wurden knapp 194.000 Männer und Frauen angeschrieben. Für Frauen ist die Beantwortung freiwillig, für Männer hingegen ist sie gesetzlich verpflichtend. Nach Erhalt des Fragebogens bleiben vier Wochen Zeit zur Rücksendung. Wer nicht reagiert, erhält zunächst eine Mahnung – bleibt auch diese unbeantwortet, droht ein Bußgeld. Das Bundesverteidigungsministerium hat angekündigt, diese Regelung konsequent durchzusetzen.
Von den wenigen, die den Fragebogen tatsächlich zurückschicken, gibt etwa die Hälfte an, sich den Wehrdienst grundsätzlich vorstellen zu können. Das führt dann zu einer Einladung zum Beratungsgespräch oder zur Musterung – bedeutet aber noch keine verbindliche Verpflichtung.
Bundeswehr weit vom Wachstumsziel entfernt
Derzeit zählt die Bundeswehr knapp 185.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Bis 2035 soll diese Zahl auf bis zu 270.000 steigen – ein ambitioniertes Ziel, das angesichts der schwachen Rücklaufquote beim Fragebogen fraglich erscheint. Das neue Wehrdienstgesetz, das im Dezember 2024 durch den Bundestag verabschiedet wurde, bildet die rechtliche Grundlage für die aktuellen Maßnahmen.
Die Musterung ist derzeit noch nur für jene Pflicht, die im Fragebogen Interesse angekreuzt haben. Ab Sommer 2026 soll sie voraussichtlich für alle verpflichtend werden, sobald bundesweit 24 neue Musterungszentren in Betrieb sind.
Schülerproteste gegen mögliche Wehrpflicht
Parallel zur Debatte um den Fragebogen demonstrierten Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Diese ist seit 2011 ausgesetzt, steht aber weiterhin im Grundgesetz und könnte vom Bundestag reaktiviert werden – etwa wenn über den freiwilligen Wehrdienst nicht genügend Soldaten rekrutiert werden.
Die Proteste stehen allerdings unter kritischer Beobachtung: Recherchen zeigen, dass die Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht maßgeblich von Funktionären der Deutschen Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend mitorganisiert wird – beides Organisationen, die vom Verfassungsschutz wegen linksextremer Ausrichtung beobachtet werden. Viele teilnehmende Schülerinnen und Schüler sollen davon keine Kenntnis haben.
Was im Verteidigungsfall gilt
Sollte Deutschland in eine Lage geraten, in der es sich verteidigen muss, kann der Bundestag die Wehrpflicht per Abstimmung aktivieren. Dann gelten weitreichende Regelungen:
- Alle Personen zwischen 18 und 60 Jahren können eingezogen werden.
- Aktive Soldaten und Wehrdienstleistende müssten an die Waffe.
- Reservisten wären zunächst in der Logistik oder beim Heimatschutz eingesetzt.
- Frauen zwischen 18 und 55 Jahren könnten laut Arbeitssicherstellungsgesetz zu Sanitätsdiensten verpflichtet werden.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Bundesverteidigungsministerium mit konsequenteren Maßnahmen – etwa der Durchsetzung des Bußgelds – die Rücklaufquote beim Wehrdienst-Fragebogen spürbar steigern kann. Die Lücke zwischen dem aktuellen Personalstand und dem angestrebten Ziel ist groß, die Zeit bis 2035 aber noch nicht abgelaufen.
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