Waldbrandbekämpfung: Feuer mit Feuer löschen

Dieses Video wurde am 17.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Waldbrandbekämpfung stellt Deutschlands Feuerwehren vor wachsende Herausforderungen. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und immer größere Brandflächen zwingen die Einsatzkräfte zum Umdenken. Jean Micke, Feuerwehrmann und Mitglied des Vereins Fire, erläutert, warum klassische Methoden an ihre Grenzen stoßen – und welche Techniken aus dem Ausland dabei helfen können, Waldbrände in Deutschland wirksamer zu kontrollieren.

Deutsche Feuerwehren: Stark aufgestellt, aber vor neuen Grenzen

Deutschland verfügt über eine der leistungsstärksten Feuerwehren der Welt. Mehr als 90 Prozent der Einsatzstärke wird durch freiwillige Feuerwehren erbracht – ein beachtliches ehrenamtliches Engagement. Dennoch zeigen sich Lücken: Jahrzehntelang lag der Fokus auf Gebäudebränden und Verkehrsunfällen. Das Aufgabenspektrum einer kommunalen Feuerwehr reicht von atomaren bis zoologischen Unfällen – alles größtenteils ehrenamtlich bewältigt.

Die Vegetationsbrandbekämpfung blieb dabei lange ein Randthema. Durch den Klimawandel hat sich das grundlegend geändert. Brände werden häufiger, größer und schwerer kontrollierbar. Selbst modernste Fahrzeuge mit leistungsstarken Pumpen und großen Wasservorräten stoßen zunehmend an ihre Grenzen – besonders in unwegsamem Gelände ohne Infrastruktur.

Verein Fire: Europäisches Netzwerk für Waldbrand-Expertise

Der Verein Fire wurde im Jahr 2002 gegründet, mit dem Ziel, europäische Feuerwehren im Bereich der Vegetationsbrandbekämpfung besser zu vernetzen. Länder wie Spanien, Portugal, Frankreich und Italien verfügen über jahrzehntelange Erfahrung mit Großbränden – Erfahrungen, die Deutschland bislang kaum gesammelt hat.

Fire überträgt dieses Wissen in den deutschen Kontext: Mitglieder testen verschiedene Techniken und Ausrüstungen, bilden Feuerwehrkräfte aus und kommen auf Anforderung der zuständigen Einsatzleitung in den Einsatz. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich – viele investieren zudem erhebliche eigene Mittel in Ausrüstung und Ausbildung.

  • Schulungen in Spanien und den USA für Spezialwissen im Freiland-Einsatz
  • Koordination mehrerer Hubschrauber bei der luftgestützten Brandbekämpfung
  • Wetteranalyse und Feueranalyse zur Lagebewertung für Einsatzleitungen
  • Hohe Eindringtiefe in schwer zugängliches Gelände ohne Fahrzeugunterstützung
  • Einsatz von Handwerkzeugen zur Vegetationsentfernung als wasserfreie Methode

Gegenfeuer: Feuer als Werkzeug der Brandbekämpfung

Eine der wirkungsvollsten – und lange belächelten – Methoden ist der sogenannte taktische Feuereinsatz, auch Gegenfeuer genannt. Dabei wird kontrolliert Feuer gelegt, um dem eigentlichen Brand die Nahrung zu entziehen. Die Methode ist in den USA, Kanada und Australien seit Langem etabliert.

In Deutschland findet ein langsames Umdenken statt. Voraussetzung für den Einsatz von Gegenfeuer ist eine hochqualifizierte Ausbildung, da das Verfahren erhebliches Gefahrenpotenzial birgt. Fire-Mitglieder absolvieren entsprechende Kurse im Ausland. Eingesetzt unter kontrollierten Bedingungen, erweist sich das Gegenfeuer als effektives Mittel, um Brände zu stoppen, zu lenken und die Ausbreitung auf Sicherheitsbereiche zu verhindern.

Ergänzt wird der Ansatz durch wasserarme oder wasserfreie Methoden: Löschrucksäcke ermöglichen das Eindringen in den Wald ohne schwere Fahrzeuge. Teams operieren als mobile Fußmannschaften mit eigenem Proviant und Notfallausrüstung – stundenlang, tief im Wald, ohne jede Infrastruktur.

Klimawandel und notwendige Reformen in der Ausbildung

Die Zunahme von Waldbränden lässt sich klar an Zahlen belegen: größere Brandflächen, mehr Einsätze, intensivere Feuer mit höherer Energiefreisetzung. Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen grundlegend. In den 1970er-Jahren verfügte Deutschland noch über ein gut funktionierendes Waldbrandbekämpfungssystem – dieses Wissen sei seitdem weitgehend verloren gegangen, so Micke.

Um für die Zukunft gewappnet zu sein, fordert Fire konkrete Reformen:

  • Einen bundesweit einheitlichen Ausbildungsstandard für Vegetationsbrandbekämpfung
  • Eine gemeinsame Kommunikation und Einsatzdoktrin auch über Ländergrenzen hinweg
  • Angepasste Schutzkleidung für den Außeneinsatz – die heutige Ausrüstung ist primär für Gebäudebrände konzipiert und bei Waldbränden oft ungeeignet

Der Brand im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen – der bislang größte seiner Art in der Region – hat gezeigt, dass überregionale Zusammenarbeit und spezialisiertes Fachwissen unverzichtbar sind. Auch der Blick auf den Großbrand im belgischen Hohen Venn verdeutlicht: Waldbrände machen an Staatsgrenzen nicht halt. Für Fire bedeutet das, jederzeit bereit zu sein – auch für den internationalen Einsatz.

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