Dieses Video wurde am 15.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Waldbrand im Hürtgenwald hat sich in der Nacht zum Samstag nicht weiter ausgebreitet. Dank windstiller Bedingungen gelang es rund 1800 Einsatzkräften, die Flammen einzudämmen. Das Brandgebiet liegt etwa 30 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernt auf dem Gemeindegebiet von Hürtgenwald und gilt als der bislang größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Rund 2000 Bewohner des Ortsteils Gey wurden evakuiert und hoffen auf eine baldige Rückkehr in ihre Häuser.
Einsatzkräfte kämpfen am Boden gegen Glutnester
Auch wenn der unmittelbare Feuersturm gestoppt scheint, ist die Lage nach wie vor gefährlich. Feuerwehrkräfte suchen intensiv nach Glutnestern, die sich tief in den humusreichen Waldboden fressen können. Mit Spezialwerkzeug wie Hacken wird der Boden aufgegraben, um verborgene Brandherde freizulegen und abzulöschen.
Reportagen aus dem Einsatzgebiet zeigen das Ausmaß der Herausforderung: Ein Harvester-Fahrer, der in der Nacht weiter Schneisen in den Wald schlug, warnte, seine Maschine drohe abzufackeln. Kleine Bodenfeuer, die auf den ersten Blick harmlos wirken, entpuppen sich beim näheren Hinsehen als ausgedehnte unterirdische Brandquellen – vergleichbar mit einem Eisberg, dessen Masse sich unter der Oberfläche verbirgt.
Am frühen Abend stellten die Löschhubschrauber ihren Einsatz ein – ein Zeichen des vorsichtigen Optimismus. Die Arbeit am Boden läuft jedoch die gesamte Nacht und voraussichtlich auch in den kommenden Tagen weiter.
Bundeswehr, Landwirte und Freiwillige im Einsatz
Der Kampf gegen die Flammen ist ein Gemeinschaftswerk: Panzer der Bundeswehr schlugen Schneisen in das Waldgebiet, um die Ausbreitung des Feuers zu stoppen. Landwirte aus der Region fuhren mit Traktoren und Wassertanks vor und befeuchteten den Boden. Teils riskierten Privatleute mit eigenem Gerät ihr Leben, um Häuser und Wald zu schützen – ein Engagement, das Anwohner und Politiker gleichermaßen beeindruckte.
NRW-Innenminister Herbert Reul dankte den Helfern, äußerte aber auch scharfe Kritik: Das Feuer sei eindeutig durch menschliche Fahrlässigkeit entstanden. Wer bei extremer Trockenheit leichtfertig im Wald handle oder Gegenstände wegwerfe, gefährde Menschenleben und ganze Landstriche.
Auch belgisches Hohes Venn von Waldbrand betroffen
Rund 50 Kilometer vom Hürtgenwald entfernt, im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn, wütet ebenfalls ein schwerer Waldbrand. Seit dem Vortag breiteten sich die Flammen rasant aus und verwüsteten nach offiziellen Angaben mindestens 1600 Hektar Wald. Zwei Ortschaften wurden evakuiert.
Die Löscharbeiten in Belgien erfordern internationalen Beistand:
- Feuerwehrkräfte aus Deutschland wurden zur Unterstützung mobilisiert
- Weitere EU-Länder entsandten Verstärkung
- Landwirte aus der Region halfen spontan mit eigenem Gerät
Die grenzüberschreitende Dimension des Feuers unterstreicht, wie ernst die Lage in der gesamten Region ist. Anhaltende Trockenheit und Hitze begünstigen die Ausbreitung von Waldbränden in Mitteleuropa in einem bislang kaum gekannten Ausmaß.
Ausblick: Nächtelanger Einsatz und Rückkehr der Bewohner noch offen
Die Einsatzleitung rechnet damit, dass die Löscharbeiten im Hürtgenwald noch mehrere Tage andauern werden. Solange die Glutnester nicht vollständig beseitigt sind, bleibt eine erneute Ausbreitung möglich – insbesondere wenn der Wind wieder aufleben sollte. Die evakuierten Bewohner des Ortsteils Gey müssen weiter auf die Rückkehr in ihre Häuser warten. Ob und wann eine Freigabe erfolgt, hängt vom Fortschritt der Löscharbeiten ab. Die Behörden appellierten erneut eindringlich, Wälder in der Region wegen extremer Brandgefahr zu meiden.
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