Dieses Video wurde am 05.05.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Freilassung von Buckelwal Timmy in der Ostsee ist von einem Regelbruch überschattet worden. Erste Videoaufnahmen zeigen, dass Helferinnen und Helfer an Bord des Rettungsschiffs das Tier am 2. Mai mit einem Seil aus der Bucht zogen – ein Vorgehen, das laut Initiatoren der Rettungsaktion und dem zuständigen Ministerium ausdrücklich nicht abgesprochen war. Seitdem gibt es weder Sichtungen noch Signale über einen Tracker. Die gezeigten Aufnahmen sind damit möglicherweise die ersten und letzten Bilder des Wals in Freiheit.
Wal Timmy: Was in den sechs entscheidenden Minuten geschah
Satellitenbilder vom Samstagmorgen, dem 2. Mai, zeigen um 8:43 Uhr, dass das Schiff „Robin Hood“ noch direkt hinter der Barge angedockt war. Nur sechs Minuten später, um 8:49 Uhr, war das Schiff bereits auf rund 120 Meter Entfernung zurückgefallen – und im Wasser war bereits ein sogenannter Blas, ein Atemausstoß eines Wals, zu erkennen. Es ist demnach davon auszugehen, dass Timmy innerhalb dieses kurzen Zeitfensters freigelassen wurde.
Auf den Videoaufnahmen ist deutlich erkennbar, dass mit Seilen gearbeitet wurde. Genau dieses Vorgehen hätte laut dem zuständigen Ressortminister nicht stattfinden dürfen.
Absprachen wurden offenbar nicht eingehalten
Vor der Freilassung galten klare Vereinbarungen zwischen den Initiatoren der Rettungsaktion und dem Ministerium. Diese umfassten mehrere Punkte:
- Der Wal sollte per Videoüberwachung auf der BGE (Barge) beobachtet werden.
- Die Aufnahmen sollten mindestens Minister Backhaus zur Verfügung gestellt werden.
- Ein externes Kamerateam sollte die Freilassung dokumentieren, anschließend aber wieder von Bord gehen.
- Vor der Freilassung sollte eine Tierärztin an Bord kommen, um den Wal abschließend zu untersuchen.
Keiner dieser Punkte soll vollständig eingehalten worden sein. Die Initiatoren der Rettungsaktion distanzieren sich inzwischen ausdrücklich von dem Ablauf, wie er sich an Bord ereignet haben soll.
Behörden schalten sich ein – Crew wird befragt
Das Rettungsschiff Fortuna B liegt seit dem Abend des 4. Mai im Hafen von Cuxhaven. Die Besatzung soll dort zu den genauen Umständen der Freilassung befragt werden. Minister Backhaus behält sich vor, die zuständigen Bundesbehörden einzuschalten, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.
Seit dem Samstag, dem Tag der Freilassung, gibt es keinerlei öffentliche Informationen über den Verbleib des Buckelwals – weder Sichtmeldungen aus der Region noch Signale über den eingesetzten Tracker. Ob Timmy die Aktion unbeschadet überstanden hat, ist derzeit völlig unklar.
Einordnung: Ein umstrittenes Ende einer aufwendigen Rettung
Die wochenlange Rettungsaktion für Buckelwal Timmy, der sich in der Ostsee verirrt hatte, hatte in Deutschland für große öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Umso größer ist nun die Enttäuschung über das chaotische Ende. Tierschutzexperten und beteiligte Behörden werden die Ereignisse nun genau aufarbeiten müssen – auch, um für künftige Einsätze verbindliche Protokolle durchzusetzen. Ob und wie der Verbleib von Timmy noch geklärt werden kann, hängt maßgeblich davon ab, ob der Tracker noch aktiv Daten liefert.
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