Wadephul in Charkiw: Ukraine braucht Patriot-Munition

Dieses Video wurde am 23.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Bundesaußenminister Johann Wadephul hat die ukrainische Stadt Charkiw besucht – nur rund 30 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Der Wadephul-Ukraine-Besuch ist für einen deutschen Außenminister ungewöhnlich und gilt als politisches Signal der Solidarität. Im Anschluss schilderte Wadephul seine Eindrücke, sprach über den dringenden Bedarf an Luftabwehrmunition und die Frage, ob Deutschland und seine Partner die Unterstützung für Kyjiw ausweiten müssen.

Wadephuls Eindrücke aus Charkiw: Entschlossenheit statt Erschöpfung

Was Wadephul in Charkiw am stärksten beeindruckte, war nicht die Zerstörung, sondern die Haltung der Menschen. Studierende, Stadtbeschäftigte, Soldatinnen und Soldaten sowie Passanten zeigten sich trotz ständiger Luftalarme und der unmittelbaren Frontnähe gefasst und entschlossen.

„Ich hatte nach vier Jahren Krieg gedacht, es wären wundgescheuerte Menschen mit den Nerven am Ende – und das war ganz anders“, sagte Wadephul. Die Bevölkerung sei sich ihrer Sache sicher: Sie wolle das Land verteidigen und genau dort sein, wo sie ist. Diese Haltung bezeichnete der Minister als „bemerkenswert“ und als Vorbild, von dem auch Deutschland lernen könne.

Während des Besuchs musste sich die Delegation wiederholt in Schutzräume begeben. Wadephul beschrieb den russischen Angriff als „wahnsinnigen Raketen- und Drohnenkrieg gegen die Zivilbevölkerung“.

Patriot-Munition: Dringlichster Bedarf der Ukraine

Der wichtigste materielle Engpass ist nach Einschätzung Wadephuls eindeutig: Die Ukraine benötigt dringend Munition für Patriot-Abschussrampen, um ballistische russische Raketen abzufangen. Ohne ausreichende Bestände seien unschuldige Zivilisten schutzlos.

  • Deutschland steigt gemeinsam mit Partnern in die Patriot-Produktion ein und fertigt auch für die Ukraine.
  • Wadephul hat europäische und außereuropäische Partner gebeten zu prüfen, ob sie vorhandene Systeme an die Ukraine abgeben können.
  • Alle angefragten Partner hätten eine „ehrliche Prüfung“ zugesagt, niemand habe abgelehnt.
  • Nach dem Charkiw-Besuch will Wadephul die Gespräche mit konkreten Erlebnisberichten aus der Frontstadt untermauern.

Auf die Frage, ob ihm die schleppenden Fortschritte keine Ungeduld bereiteten, antwortete Wadephul klar: Er wisse genau, was er wolle, und handele im breiten Konsens von NATO, europäischen Verbündeten, Bundesregierung und Bundestag.

Finanzierung: Weitere Gespräche mit Klingbeil und EU-Partnern

Neben der militärischen Unterstützung steht die Finanzierungsfrage im Mittelpunkt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte deutlich gemacht, dass trotz der starken deutschen Unterstützung erhebliche Mittel fehlten, um alle benötigten Waffen zu bezahlen.

Wadephul bestätigte den Finanzbedarf und kündigte an, die Ergebnisse seines Besuchs nach Berlin und Brüssel mitzunehmen. Konkret will er mit Finanzminister Lars Klingbeil erörtern, welche für das nächste Jahr vorgesehenen Mittel vorgezogen werden könnten. Auch auf europäischer Ebene soll das Thema bei den Beratungen der EU-Außenminister adressiert werden.

Parallel kündigte Wadephul diplomatische Aktivitäten an: ein Telefonat mit dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio sowie Gespräche mit Außenministern aus der arabischen Welt, um Putin zu Verhandlungen zu bewegen.

Stabilität der Ukraine: Wadephul reist beruhigt ab

Angesichts interner Debatten in der Ukraine – darunter Personalrochaden, Korruptionsvorwürfe und Forderungen nach Neuwahlen – stellte sich auch die Frage nach der politischen Stabilität des Landes. Wadephul zeigte sich nach seinen Gesprächen vor Ort jedoch überzeugt.

Der neue Verteidigungsminister habe das Vertrauen der Militärführung und des Präsidenten und sei mit deutlich mehr Stimmen als nötig vom Parlament bestätigt worden. Korruptionsermittlungen, die auch das unmittelbare Umfeld von Präsident Selenskyj betrafen, wertete Wadephul als Zeichen eines reifenden Rechtsstaats: „Das System fängt an, effektiver und besser zu werden.“

„Ich reise sehr viel beruhigter nach Berlin zurück, als ich hierher gereist bin“, lautete sein abschließendes Fazit. Die Kernbotschaft seines Besuchs sei klar: Putin dürfe diesen Aggressionskrieg nicht gewinnen – nicht nur um der Ukraine willen, sondern im Interesse ganz Europas. Deutschland werde gemeinsam mit seinen Verbündeten alles dafür tun, dass die Ukraine standhält.

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