Dieses Video wurde am 16.04.2026 von WDR aktuell auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Verfassungsschutzbericht NRW 2025 zeichnet ein alarmierendes Bild: Nordrhein-Westfalen verzeichnet so viele Extremistinnen und Extremisten wie noch nie zuvor. Innenminister Herbert Reul und Verfassungsschutzchef Stephan Kaiser stellten den Bericht in Düsseldorf vor und warnen vor einer wachsenden Bedrohung der Demokratie. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten stieg von rund 10.700 im Jahr 2024 auf 13.600 im Jahr 2025 – ein Anstieg von 27 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres.
Rechtsextremismus bleibt größte Bedrohung
Mit knapp 6.300 Straftaten ist der Rechtsextremismus weiterhin die bedeutendste extremistische Bedrohung in NRW. Besonders besorgniserregend ist dabei die Entwicklung der Szene: Das klassische Bild von Springerstiefeln und Glatzen gehört laut Verfassungsschutz weitgehend der Vergangenheit an.
Stattdessen versuchen rechtsextreme Gruppen, durch Sport- und Freizeitveranstaltungen gesellschaftlich anschlussfähig zu werden. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, die über Angebote angesprochen werden, bei denen politische Inhalte zunächst nicht erkennbar sind. Dieses Vorgehen macht die Szene schwerer erkennbar und gefährlicher zugleich.
Der Rechtsextremismus dringt laut Bericht immer weiter in die Mitte der Gesellschaft vor und findet dort zunehmend Zustimmung – was ihn als Frontalangriff auf das demokratische Zusammenleben eingestuft werden lässt.
Linksextremismus: Straftaten haben sich verdoppelt
Zwar liegt die absolute Zahl linksextremistischer Straftaten deutlich unter jener des Rechtsextremismus, doch der prozentuale Zuwachs ist der stärkste aller Bereiche: Die Fallzahl hat sich auf rund 2.400 Straftaten verdoppelt.
Als konkretes Beispiel nennt der Bericht einen Brandanschlag auf die Bahnstrecke Duisburg–Düsseldorf im Juli 2025. Verfassungsschutzchef Kaiser erklärt den Zulauf zur linksextremen Szene auch als Reaktion auf das Erstarken des Rechtsextremismus: Das Thema Antifaschismus spreche viele Menschen an, die sich gegen Faschismus einsetzen wollen – führe aber in extremistischen Strukturen zu undemokratischen Mitteln.
Islamismus, Antisemitismus und hybride Bedrohungen
Neben den innenpolitischen Extremismen wächst auch die Bedrohung durch Islamismus und Antisemitismus. Der Verfassungsschutz betont, dass Antisemitismus keine historische Erscheinung ist, sondern bittere Realität im Alltag vieler Menschen in NRW.
Gleichzeitig nehmen Bedrohungen aus dem Ausland zu. Dazu zählen:
- Spionage durch ausländische Nachrichtendienste
- Hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur
- Cyberattacken auf Behörden und Unternehmen
- Gezielte Desinformationskampagnen in sozialen Medien
Extremisten und fremde Geheimdienste setzen dabei zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um gefälschte Bilder und Falschmeldungen zu produzieren und damit die öffentliche Meinung zu manipulieren.
Verfassungsschutz setzt künftig auf KI-Einsatz
Bislang war der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz beim Einsatz von KI-Werkzeugen gegenüber den Extremisten im Rückstand. Erst seit dem 1. April 2025 verfügt die Behörde über die notwendige gesetzliche Grundlage durch das neue Verfassungsschutzgesetz, um KI-Technologien offiziell einzusetzen.
Verfassungsschutzchef Kaiser kündigte an, die neuen Möglichkeiten nun zügig zu nutzen und den technologischen Rückstand aufzuholen. Innenminister Reul machte deutlich, dass gesellschaftliche Krisen und soziale Verunsicherung Extremismus begünstigen – und damit die Herausforderungen für den Staat weiter wachsen.
Der Verfassungsschutzbericht NRW 2025 macht unmissverständlich klar: Die Bedrohungen für die freiheitlich-demokratische Grundordnung sind vielfältiger, technisch raffinierter und gesellschaftlich tiefer verwurzelt als je zuvor. Ob Behörden und Politik schnell genug reagieren können, wird die entscheidende Frage der kommenden Jahre sein.
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