Dieses Video wurde am 23.08.2026 von NTV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der USA-Kanada-Zollkonflikt spitzt sich weiter zu: Nachdem beide Länder kein gemeinsames Handelsabkommen erzielen konnten, sind neue US-Zölle in Kraft getreten. Kanada kündigte daraufhin umgehend Gegenzölle an. USA-Expertin und CEO von Beyond Global, Sandra Navidi, erklärt im Interview, was dieser Handelskrieg für Verbraucher bedeutet, wie er Trumps politische Zukunft gefährdet und warum Drohungen gegen den Iran bisher ins Leere liefen.
Zollkonflikt mit Kanada: Preisdruck für US-Verbraucher steigt
Von allen aktuellen Handelskonflikten der USA mache dieser mit Kanada am wenigsten Sinn, urteilt Sandra Navidi. Die unmittelbare Folge: Importeure werden höhere Kosten direkt an die Verbraucher weitergeben. Damit steigt der Preisdruck für amerikanische Haushalte spürbar an.
Besonders betroffen sind nach Navidis Einschätzung mehrere Schlüsselbranchen:
- Baumaterialien: Kanada ist einer der wichtigsten Lieferanten von Holz und Baustoffen für den US-Markt.
- Automobilindustrie: Eng verzahnte Lieferketten zwischen beiden Ländern verteuern Fahrzeuge und Teile.
- Bekleidung und Konsumgüter: Auch im Alltag werden höhere Preise und geringere Produktauswahl spürbar.
Die Eskalation kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Lebenshaltungskosten sind in den USA ohnehin erhöht, und die Stimmung in der Bevölkerung ist laut Umfragen am Boden.
Trumps politisches Risiko vor den Zwischenwahlen
Mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen im November gerät Präsident Trump innenpolitisch unter erheblichen Druck. Seine Umfragewerte befinden sich nach Navidis Analyse auf einem kritischen Tiefstand. Als sogenannter „Narrativpräsident“ verbreite Trump zwar optimistische Erzählungen über die Wirtschaftslage – doch die Realität an der Zapfsäule und im Supermarkt spreche eine andere Sprache.
Besonders der hohe Dieselpreis belastet zentrale Wirtschaftsbereiche direkt: Landwirtschaft, Transport und Bauwirtschaft sind auf günstigen Kraftstoff angewiesen. Steigen die Energiekosten weiter, schlägt das unmittelbar auf Preise und Konjunktur durch.
Hinzu kommt der anhaltende Irankrieg, der in der US-Bevölkerung unpopulär ist und ebenfalls keine Lösung in Sicht hat. Für Trumps Republikanische Partei bedeutet diese Kombination aus wirtschaftlichem Druck und militärischem Schlamassel ein erhebliches Wahlrisiko.
Wirtschaftskrieg gegen Iran: Wenig Spielraum, wenig Wirkung
Um den Druck auf Teheran zu erhöhen, drohte Trump mit einem massiven Wirtschaftskrieg – intern als „wirtschaftlicher D-Day“ bezeichnet. Details blieb er zunächst schuldig; Finanzminister Scott Bessent soll sich in der darauffolgenden Woche konkret dazu äußern.
Navidi zeigt sich skeptisch. Der Iran werde seit Jahrzehnten sanktioniert, sodass kaum noch neuer Spielraum für Sekundärsanktionen bestehe. Zudem habe sich das globale Umfeld verändert: Länder wie China, Indien und Russland bieten dem Iran wirtschaftliche Alternativen, die westliche Sanktionen zunehmend aushebeln.
Erschwerend kommt hinzu, dass Trump dem Iran mit der Straße von Hormus ein mächtiges Druckmittel in die Hand gegeben hat. Teheran wird diese Kontrolle über einen der wichtigsten Öltransportwege der Welt kaum freiwillig aufgeben.
Drohungen stärken das iranische Regime
Ein weiteres Paradoxon: Alles, was die Trump-Administration bisher gegen den Iran unternommen hat, habe das Regime innenpolitisch eher gestärkt. Trumps Drohungen – darunter Andeutungen, die zivile Infrastruktur des Landes zu zerstören – werden von Navidi als kontraproduktiv eingestuft. Solche Aussagen festigten den Rückhalt der Regierung in der eigenen Bevölkerung, anstatt sie zu schwächen.
Die Gesamtlage zeigt: Ob im Handelskrieg mit Kanada oder im Konflikt mit dem Iran – die Strategie des maximalen Drucks stößt an klare Grenzen. Für Trump werden die kommenden Monate bis zu den Zwischenwahlen zur entscheidenden Bewährungsprobe, bei der wirtschaftliche Alltagserfahrungen mehr zählen als politische Narrative.
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