Dieses Video wurde am 05.05.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Commerzbank steht vor einer der größten Bewährungsproben ihrer Geschichte. Die italienische Großbank Unicredit hat den Aktionären der Commerzbank offiziell ihr Übernahmeangebot vorgelegt. Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Mailänder im Tausch 0,485 Unicredit-Aktien. Commerzbank-Chefin Bettina Orlop lehnt das Angebot entschieden ab – und sie hat dabei nicht nur die Belegschaft, sondern auch die deutsche Politik hinter sich. Doch wie dieser Kampf ausgeht, ist völlig offen.
Das Übernahmeangebot: Strategie auf Raten
Unicredit-Chef Andrea Orcel verfolgt eine schrittweise Strategie. Zunächst soll die Schwelle von 30 Prozent der Commerzbank-Anteile überschritten werden – ein Etappenziel, dem weitere Schritte folgen könnten. Bankexperten bewerten das aktuelle Angebot als bewusst niedrig angesetzt: Es liegt unter dem aktuellen Börsenkurs, lässt Unicredit aber die Möglichkeit, es jederzeit während der Angebotslaufzeit zu erhöhen.
Orlop kontert mit einer eigenständigen Strategie, die das Unternehmen am Freitag mit aktualisierten Zielen vorstellen will. Ihre Botschaft ist klar: Die Commerzbank sei stark und solle es bleiben.
Orcel hingegen bezeichnet seine Zielbank als „vernachlässigt“ und argumentiert, Unternehmen gehörten ihren Aktionären – nicht dem Management. Für ihn ist die Übernahme ein Schachzug in einem größeren Machtspiel um die europäische Bankenlandschaft.
Commerzbank-Übernahme: Tausende Jobs in Gefahr
Am meisten fürchten die Beschäftigten die Konsequenzen einer möglichen Übernahme. In Frankfurt ist von einem „Kahlschlag“ die Rede: Schätzungen zufolge könnten mindestens 7.000 Stellen wegfallen, wenn Unicredit die Commerzbank übernimmt – eher mehr.
Bankwirtschafts-Professor Hanspeter Burghof von der Universität Hohenheim warnt zudem vor einem Vertrauensverlust:
- Vergangene Fusionspläne – etwa zwischen Deutsche Bank und Commerzbank – hatten Kunden dazu gebracht, massenhaft neue Hausbanken zu suchen.
- Die klassische Vertrauensbeziehung zwischen deutschen Unternehmen und ihrer Hausbank lasse sich unter einem neuen Eigentümer kaum aufrechterhalten.
- Unicredit plane zudem, das internationale Auslandsgeschäft der Commerzbank – ein zentrales Standbein für den deutschen Mittelstand – zurückzufahren.
Burghof betont: Orcel erzeuge mit seinem Verweis auf eine „unausweichliche Konsolidierung“ einen Eindruck von Zwangsläufigkeit, den es so nicht gebe. Wenn die Commerzbank die bessere Strategie liefere, könne sie unabhängig bleiben.
Deutscher Bankenmarkt: Klein, aber wettbewerbsintensiv
Warum bringt eine der größten Volkswirtschaften der Welt so wenige global schlagkräftige Banken hervor? Burghof erklärt das mit der hohen Wettbewerbsintensität im deutschen Markt. Viele Institute, günstige Produkte – das ist gut für Kunden, macht es aber für ausländische Anbieter schwer, profitabel Fuß zu fassen.
Ausländische Banken, die in Deutschland erfolgreich seien, gingen in der Regel behutsam vor: Sie lernten das deutsche Banking mit erfahrenen lokalen Kräften, statt mit lauten, aggressiven Übernahmestrategien aufzutreten. Unicredits Vorgehen sei das genaue Gegenteil davon.
Auch das Argument, eine Fusion schaffe eine schlagkräftige europäische Großbank, lässt der Experte nur bedingt gelten. Unicredit habe nach der Übernahme der HypoVereinsbank vor 20 Jahren jenes Institut deutlich geschrumpft, anstatt es zu stärken.
Politik und Staatsanteil: Bundesregierung unter Druck
Der Bund hält noch immer rund 12 Prozent der Commerzbank-Aktien und unterstützt offiziell den Abwehrkampf. Doch Burghof sieht die politische Rückendeckung mit Skepsis: Die Bundesregierung sei mit sich selbst beschäftigt, und die Sorge, den Kampf zu verlieren, ändere nichts an der Tatsache, dass eine erfolgreiche Unicredit-Übernahme eine empfindliche Niederlage für den Finanzplatz Deutschland wäre.
Wie das Tauziehen endet, ist offen. Klar ist: Die Commerzbank kämpft nicht nur um ihre Unabhängigkeit, sondern um ihr Geschäftsmodell, tausende Arbeitsplätze und die Frage, welche Rolle deutsche Banken künftig im europäischen Finanzsystem spielen.
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