Trump stoppt Militärübungen mit Südkorea

Dieses Video wurde am 18.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

US-Präsident Donald Trump hat kurz vor Beginn der jährlichen Militärübungen mit Südkorea deren Reduzierung angeordnet – per Post auf Truth Social, nur wenige Stunden bevor die sogenannten Ulchi Freedom Shield-Manöver starteten. Die Übungen, an denen tausende amerikanische und südkoreanische Soldaten teilnehmen, sind auf elf Tage angelegt und dienen der Vorbereitung auf einen möglichen Konflikt mit Nordkorea. Trumps Schritt überraschte Verbündete und Experten gleichermaßen und wirft grundlegende Fragen über die Verlässlichkeit der USA als Bündnispartner auf.

Trumps Begründung: Nordkorea soll kein falsches Signal erhalten

Trump erklärte, die Manöver seien kostspielig und sendeten ein „vollkommen unangemessenes und feindseliges Signal“ an Nordkorea. Er verwies auf seine nach eigener Darstellung gute Beziehung zu Kim Jong-un und bezeichnete Nordkorea als „nicht bedrohlich und respektvoll“ seit Beginn seiner Amtszeit. Verteidigungsminister Pete Hegseth wurde angewiesen, die Übungen erheblich zu reduzieren.

Zusätzlich verknüpfte Trump den Schritt mit einem außenpolitischen Seitenhieb: Er habe Südkorea gebeten, die USA bei der Denuklearisierung Irans zu unterstützen – und sei abgewiesen worden. Diese Verknüpfung nährt den Verdacht, dass es sich teilweise um eine Strafmaßnahme gegen Seoul handelt.

Experten zweifeln an strategischer Ernsthaftigkeit

Jenny Town, Nordkorea-Expertin am Stimson Center in Washington und Direktorin des 38-North-Programms, sieht in Trumps Vorgehen ein schwerwiegendes Problem für die Glaubwürdigkeit des Schrittes gegenüber Pjöngjang.

„Wenn das wirklich eine ernsthafte Geste gegenüber Nordkorea sein sollte, hätte man die Übungen viel früher absagen müssen – nicht am Morgen, an dem sie beginnen“, so Town. Sie listet zentrale Schwachstellen des Vorgehens auf:

  • Die Übungen wurden monatelang geplant – ein kurzfristiger Rückzug wirkt halbherzig
  • Nordkorea hat derzeit durch seine Partnerschaft mit Russland kaum Anreiz, mit Washington zu verhandeln
  • Die Geste fehlt den diplomatischen Rahmen, der sie für Pjöngjang bedeutsam machen würde
  • Trumps US-Verteidigungsstrategie 2025 bezeichnet Nordkorea selbst als „direkte Bedrohung“ für Südkorea, Japan und das amerikanische Festland

Diese Inkohärenz zwischen offizieller Doktrin und präsidentiellem Handeln sei ein weiteres Zeichen schwindender Verlässlichkeit der USA, so Town.

Was bedeutet das für das US-südkoreanische Bündnis?

Seoul reagierte zunächst zurückhaltend und erklärte, eine Annäherung zwischen Washington und Pjöngjang sei grundsätzlich zu begrüßen. Doch die Botschaft an Südkorea ist widersprüchlich: Routineübungen, die der Einsatzbereitschaft beider Armeen dienen, werden ohne Vorwarnung und mit einem politischen Strafmotiv verknüpft.

Professor Hanns Günther Mosler vom Institut für Koreastudien der Universität Duisburg-Essen sieht hinter Trumps Schritt vor allem innenpolitisches Kalkül: Trump wolle vor den Midterm-Wahlen im November außenpolitische Erfolge vorweisen – oder zumindest den Eindruck erwecken, Bewegung in der Nordkorea-Frage zu erzeugen. Einen echten Durchbruch erwartet Mosler nicht.

„Südkorea sollte nicht in Panik verfallen, aber es muss sich darauf vorbereiten, im Falle künftiger Verhandlungen über die Halbinsel am Tisch zu sitzen“, betont Mosler. Die Sicherheitsgarantien der USA, einschließlich des nuklearen Schutzschirms, blieben vorerst intakt.

Trumps Verhältnis zu Kim Jong-un: Unvollendete Geschichte

Bereits in seiner ersten Amtszeit versuchte Trump, mit Kim Jong-un einen historischen Deal zu schließen. Er war der erste amtierende US-Präsident, der nordkoreanischen Boden betrat – beim spontanen Treffen in der demilitarisierten Zone 2019. Zuvor gab es Gipfel in Singapur und Hanoi, die jedoch ohne greifbare Ergebnisse bei Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm blieben.

Der gescheiterte Hanoi-Gipfel hinterließ bei Nordkorea hohe Erwartungen, die enttäuscht wurden. Seitdem hat Pjöngjang seine Beziehungen zu Russland und China ausgebaut – und damit seine Verhandlungsposition gegenüber Washington erheblich gestärkt. Eine Rückkehr zu den Gesprächen setzt laut Experten voraus, dass die USA den nordkoreanischen Nuklearstatus faktisch akzeptieren – eine Bedingung, die Washington kaum erfüllen kann oder will.

Ob Trumps erneuter Annäherungsversuch Früchte trägt, bleibt damit offen. Klar ist: Das sprunghafte Vorgehen des US-Präsidenten belastet das Vertrauen in die amerikanische Bündnistreue – nicht nur in Seoul, sondern auch unter NATO-Partnern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

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