Dieses Video wurde am 05.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Seit dem 1. Mai 2022 gilt der sogenannte Tankrabatt – eine staatliche Steuersenkung auf Kraftstoffe, die Autofahrerinnen und Autofahrer spürbar entlasten soll. Die Realität an den Zapfsäulen sieht jedoch für viele ernüchternd aus: Die Preise für Super und Diesel sind zwar leicht gesunken, liegen aber deutlich über den erhofften Werten. Verbraucher, Automobilclubs und Tankstellenbetreiber streiten darüber, wer die Verantwortung für die schleppende Weitergabe der Entlastung trägt – und bis Ende Juni bleibt Zeit, die Lage zu beobachten.
Tankrabatt: Was die Steuersenkung verspricht
Der Tankrabatt sieht eine Absenkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter bei Benzin vor, Diesel wird ebenfalls entlastet. Die Maßnahme ist auf drei Monate befristet und läuft Ende Juni aus. Ziel der Bundesregierung war es, angesichts hoher Energiepreise die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten.
Doch bereits kurz nach dem Start zeigt sich: Die volle Ersparnis kommt nicht überall an der Zapfsäule an. Viele Autofahrer berichten, dass die Preise zwar etwas gesunken seien, die erhofften Einsparungen von knapp 17 Cent pro Liter jedoch nicht spürbar werden. „Das sind noch nicht so die Zahlen, die man sich erhofft hat“, sagt etwa ein Student, der regelmäßig auf günstige Spritpreise angewiesen ist.
ADAC: Mehr Spielraum als genutzt wird
Der ADAC beobachtet die Preisentwicklung an deutschen Tankstellen genau und kommt zu einem klaren Befund: Die Mineralölkonzerne nutzen ihren Spielraum nicht vollständig aus. Am 1. Mai seien die Literpreise zunächst gesunken, dann aber wieder gestiegen – ein Muster, das der Club kritisch bewertet.
Laut ADAC gibt es gleich zwei Faktoren, die eigentlich für deutlich niedrigere Preise sprechen würden:
- Die Steuersenkung im Rahmen des Tankrabatts von rund 17 Cent pro Liter
- Ein gleichzeitiger Rückgang des Rohölpreises auf den internationalen Märkten
- Dadurch insgesamt mehr preislicher Spielraum für die Tankstellen
„Die Spritpreise müssten deutlich unter dem jetzigen Niveau liegen“, so die Einschätzung des ADAC. Die Preissenkungen, die tatsächlich stattgefunden haben, reichen aus Sicht des Automobilclubs bei Weitem nicht aus.
Tankstellenbetreiber sehen sich im Recht
Auf der anderen Seite stehen die Tankstellenbetreiber, die den Vorwurf der unzureichenden Weitergabe zurückweisen. Ihr Argument: Wer teuren Kraftstoff eingekauft hat, kann diesen nicht sofort zu günstigeren Konditionen verkaufen. Erst wenn die zu niedrigeren Einkaufspreisen beschaffte Ware im Tank sei, könne auch der Verkaufspreis sinken.
Dieses sogenannte „First-in-first-out“-Prinzip führt dazu, dass die Weitergabe von Preisnachlässen mit einer zeitlichen Verzögerung erfolgt. Tatsächlich berichten manche Betreiber, sie hätten die Steuersenkung umgehend weitergegeben, sobald es logistisch möglich war. Die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen sind dabei teils erheblich – je nach Region und Anbieter können diese mehrere Cent pro Liter betragen.
Tipps für Verbraucher: Wann und wie günstig tanken?
Wer beim Tanken sparen möchte, sollte den Preisvergleich per App nutzen. Verschiedene Anwendungen zeigen in Echtzeit die günstigsten Tankstellen in der Umgebung an und helfen, unnötige Ausgaben zu vermeiden.
Darüber hinaus lohnt ein Blick auf die Tageszeit: Experten empfehlen, möglichst kurz vor 12 Uhr mittags zu tanken. Erfahrungsgemäß kommt es Punkt 12 Uhr häufig zu einer Preiserhöhung – wer kurz davor tankt, kann diese umgehen. Als günstigste Uhrzeit gilt demnach etwa 11:40 Uhr.
Der Tankrabatt gilt noch bis Ende Juni. Ob die erhoffte Entlastung bis dahin tatsächlich vollständig bei den Verbrauchern ankommt, bleibt abzuwarten. Verbraucherschützer und der ADAC kündigen an, die Preisentwicklung weiterhin genau zu beobachten – und bei ausbleibender Weitergabe politischen Druck zu machen.
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