Super-El-Niño 2026: Extremstes Wetterereignis seit 150 Jahren

Dieses Video wurde am 22.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Klimawissenschaftler schlagen Alarm: Der aktuelle El Niño entwickelt sich zum möglicherweise stärksten Wetterphänomen seit über einem Jahrhundert. Das britische Met Office stuft das Ereignis als beispiellos ein – als einen sogenannten Super-El-Niño, der die Meesoberflächentemperaturen im Pazifik auf über 3 Grad, womöglich sogar 4 Grad über dem Durchschnitt treiben könnte. Experten warnen vor verheerenden Folgen: Rekordtemperaturen im Jahr 2027, schwere Dürren, Überschwemmungen und eine gefährdete Ernährungssicherheit für Millionen Menschen weltweit.

Was ist El Niño – und warum ist dieser so extrem?

El Niño entsteht, wenn die normalerweise von Ost nach West wehenden Passatwinde nachlassen. Dadurch kann sich warmes Wasser, das gewöhnlich in den westlichen Pazifik gedrängt wird, nach Osten ausbreiten. Wissenschaftler sprechen offiziell von einem El-Niño-Ereignis, sobald die Meeresoberflächentemperaturen in einem definierten Bereich des Pazifiks um mindestens 0,5 Grad über dem Durchschnitt liegen.

Bereits im Juli 2026 wurde ein Wert von 2 Grad gemessen. Die jüngsten Prognosen des Met Office deuten darauf hin, dass die Erwärmung später in diesem Jahr 3 Grad übersteigen könnte. Einzelne Klimazentren prognostizieren sogar 4 Grad – ein Wert, der dieses Ereignis zum El Niño des Jahrtausends machen würde.

Liz Bentley, Geschäftsführerin der Royal Meteorological Society und Präsidentin der Europäischen Meteorologischen Gesellschaft, ordnet ein: „Wir haben seit 1877 kein El-Niño-Ereignis dieser Stärke mehr gesehen.“ Damals, in einer deutlich kühleren Klimaepoche, starben durch die Folgekatastrophen – vor allem Hungersnöte in Indien und Südostasien – Dutzende Millionen Menschen.

Globale Folgen: Dürre, Überschwemmungen und Ernährungskrisen

Die erhöhten Meerestemperaturen im Pazifik verschieben Niederschlagsmuster weltweit. Bestimmte Regionen erhalten deutlich weniger Regen, andere werden von extremen Niederschlägen getroffen. Die konkreten Folgen:

  • Australien: Schwere Dürren und Buschfeuer, voraussichtlich schlimmer als während des letzten starken El-Niño-Ereignisses
  • Indien: Geschwächter Monsun mit geringeren Niederschlägen, was die Reisernte und damit die regionale wie globale Ernährungssicherheit bedroht
  • Südamerika: Starke Überschwemmungen auf der Ostseite des Kontinents
  • Panama-Kanal: Bereits jetzt kritisch niedrige Wasserstände, die den Schiffsverkehr einschränken
  • Europa: Nasserer, stürmischer Winterbeginn, gefolgt von einem kalten Februar/März – und im Sommer 2027 noch heftigere Hitzewellen als 2026

In der Vergangenheit führten Ernteausfälle durch El Niño zu massiven Nahrungsmittelpreisanstiegen und bedrohten die Versorgungssicherheit für Millionen Menschen. Dieses Mal könnten die Auswirkungen noch gravierender ausfallen.

Zusammenspiel von El Niño und Klimawandel

Entscheidend ist das Wechselspiel zwischen dem natürlichen Phänomen und dem menschengemachten Klimawandel. Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits rund 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Ein Super-El-Niño addiert darauf noch einmal etwa 0,2 bis 0,3 Grad – und bringt die Welt damit vorübergehend in eine Erwärmungszone von 1,7 bis 1,8 Grad.

„Der Klimawandel ist der eigentliche Haupttreiber“, betont Bentley. „El Niño verstärkt dessen Effekte nur zusätzlich – vorübergehend, aber signifikant.“ Das Phänomen selbst ist natürlichen Ursprungs und steht in keinem direkten Kausalzusammenhang mit dem Klimawandel, doch der wärmere Hintergrundklima macht seine Auswirkungen deutlich gefährlicher.

Laut Prognosen wird der El Niño gegen Ende 2026 seinen Höhepunkt erreichen und danach graduell abklingen. Die Nachwirkungen werden jedoch noch weit ins Jahr 2027 reichen: Es gilt als nahezu sicher, dass 2027 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden wird.

Was Regierungen und die Gesellschaft jetzt tun müssen

Angesichts dieser Prognosen fordern Klimaexpertinnen und -experten entschlossenes Handeln auf zwei Ebenen. Erstens müsse der Ausstoß fossiler Brennstoffe so schnell wie möglich reduziert werden, um die weitere Erwärmung zu begrenzen. Zweitens sei es dringend notwendig, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Resilienz gegenüber Klimafolgen zu stärken – von verbessertem Hochwasserschutz bis hin zu krisenfesten Lebensmittelversorgungsketten.

Die kommenden 6 bis 12 Monate werden als Belastungstest für Infrastrukturen, Landwirtschaft und Gesundheitssysteme weltweit gelten. Ob Regierungen und internationale Organisationen ausreichend vorbereitet sind, wird sich spätestens zeigen, wenn der Super-El-Niño seinen Höhepunkt erreicht.

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