Dieses Video wurde am 14.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Strompreis in Deutschland gehört zu den höchsten in ganz Europa. Im zweiten Halbjahr 2025 zahlten Privathaushalte durchschnittlich 39 Cent pro Kilowattstunde – teurer war Strom in der EU nur noch in Irland. Dabei stammen mittlerweile rund 62 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien, und Wind sowie Sonne liefern ihren Rohstoff kostenlos. Wie erklärt sich also der hohe Preis, wer profitiert davon – und was müsste sich ändern, damit Strom für Verbraucherinnen und Verbraucher wieder erschwinglicher wird?
Wie der Strompreis an der Börse entsteht
Ein Großteil des Strompreises – rund 16 von 39 Cent – entfällt auf Beschaffung und Vertrieb. Der Großhandelspreis bildet sich an der Strombörse nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip. Dabei speisen Kraftwerke ihren Strom in der Reihenfolge ihrer Erzeugungskosten ein: Zuerst die günstigsten, also Wind- und Solaranlagen, dann Kohle- und Gaskraftwerke, bis die Nachfrage gedeckt ist.
Das letzte benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle – auch für die erneuerbaren Energien. Das erklärt, warum selbst günstiger Ökostrom an teuren Tagen zu hohen Börsenpreisen verkauft wird. Die Margen der Stromanbieter liegen dabei meist im einstelligen Prozentbereich; sie tragen zudem das Risiko von Preisschwankungen.
Zum Vergleich die Erzeugungskosten pro Kilowattstunde:
- Windstrom an Land: etwa 4 bis 9 Cent
- Neues Braunkohlekraftwerk: etwa 15 bis 26 Cent (inklusive CO₂-Zertifikate)
- Photovoltaik: 2025 erstmals mehr Jahreserzeugung als Braunkohle in Deutschland
Netzentgelte: Milliardenprojekt Netzausbau
Rund 11 von 39 Cent fließen in die Netzentgelte – das Geld, das Betreiber der Stromnetze für Transport und Infrastruktur erhalten. Bis 2045 sollen rund 650 Milliarden Euro in den Netzausbau investiert werden, vor allem um Strom aus windreichen Regionen im Norden in den verbrauchsstarken Süden zu leiten.
Kommt der Ausbau zu langsam voran, entstehen Netzengpässe. Dann müssen Kraftwerke ihre Leistung drosseln – ein Vorgang namens Redispatch. Die betroffenen Betreiber erhalten gesetzlich geregelte Ausgleichszahlungen, die letztlich die Stromkunden über die Netzentgelte finanzieren. Bereits 2023 lag der Netzausbau sieben Jahre hinter dem Zeitplan des Bundes.
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche plant mit der EEG-Reform Anreize, neue Wind- und Solaranlagen bevorzugt dort zu errichten, wo Netzkapazitäten vorhanden sind. Kritiker warnen jedoch, dass dies den Ausbau der Erneuerbaren insgesamt verlangsamen könnte. Zusätzlich steht die Renditehöhe der Netzbetreiber in der Diskussion: Eine aktuelle Studie nennt durchschnittliche Renditen von rund 30 Prozent – weit über den von der Bundesnetzagentur vorgesehenen einstelligen Werten. Die Netzbetreiber selbst verweisen auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen. Die Debatte zeigt: Mehr Transparenz bei Kosten und Gewinnen ist dringend nötig.
Steuern und Abgaben: Fast ein Drittel des Preises
Auch der Staat verdient am Strompreis. Von den 39 Cent entfallen allein 6 Cent auf die Mehrwertsteuer (19 %), hinzu kommen 2,05 Cent Stromsteuer pro Kilowattstunde. Insgesamt machen Steuern und Abgaben rund 32 Prozent des deutschen Strompreises aus – mehr als das EU-weite Mittel von 29 Prozent.
Eine Ermäßigung der Mehrwertsteuer auf Strom, wie sie etwa bei Lebensmitteln oder Büchern gilt, gibt es in Deutschland nicht. Großbritannien geht einen anderen Weg: Das Land hat beschlossen, die dortige Mehrwertsteuer auf Strom vollständig zu streichen. Die aktuelle Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag eine Senkung der Stromsteuer vereinbart – am Ende profitieren davon jedoch nur produzierende Unternehmen und die Landwirtschaft. Für eine Entlastung privater Haushalte reichten die Mittel nicht.
Was den Strom günstiger machen könnte
Für dauerhaft sinkende Preise braucht es mehrere Hebel gleichzeitig:
- Schnellerer Netzausbau, um Redispatch-Kosten zu senken
- Mehr Batteriespeicher, damit günstiger Solar- und Windstrom gespeichert statt abgeregelt wird
- Flächendeckende Smartmeter, mit denen Verbraucher Strom dann nutzen, wenn er am günstigsten ist
- Senkung der Steuern und Abgaben, etwa durch eine ermäßigte Mehrwertsteuer auf Strom
Den einen großen Profiteur am Strommarkt gibt es nicht. Der hohe Strompreis ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Marktregeln, Infrastrukturkosten und staatlichen Abgaben. Langfristig bieten die erneuerbaren Energien jedoch echtes Potenzial für günstigeren Strom – vorausgesetzt, Netze und Speicher halten mit dem Ausbau Schritt.
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