Dieses Video wurde am 06.05.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
US-Präsident Donald Trump hat sein sogenanntes Project Freedom in der Straße von Hormus überraschend vorübergehend ausgesetzt. Das Projekt sollte festsitzenden Schiffen helfen, die strategisch wichtige Meerenge zu passieren. Der Iran reagierte nach US-Angaben mit mehreren Angriffen auf die amerikanische Mission. Nun soll geprüft werden, ob ein Abkommen zwischen Washington und Teheran möglich ist – so erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Politikwissenschaftlerin Gerlinde Groitl bewertet den Schritt als Zeichen amerikanischer Schwäche und warnt vor einem schlechten Verhandlungsergebnis für die USA.
Projektstopp als Zeichen der Schwäche?
Das abrupte Aussetzen von Project Freedom hat Beobachter überrascht. Groitl zufolge sendet das Vorgehen ein klares Signal: „Es signalisiert tatsächlich Schwäche auf amerikanischer Seite.“ Trump kündige an einem Tag etwas an und nehme es am nächsten Tag wieder zurück – ein Muster, das sich bereits mehrfach gezeigt habe.
Der US-Präsident scheine einen Ausweg aus dem Konflikt mit dem Iran zu suchen, der jedoch nicht leicht zu finden sei. Eine Verhandlungslösung erscheine der Trump-Administration besonders wichtig. Die Frage, welche Kompromisse Washington dafür bereit ist einzugehen, bleibt offen.
Groitl warnt ausdrücklich, dass die USA unter Trump womöglich zu weitreichenden Zugeständnissen bereit sein könnten – schlicht, um den Konflikt gesichtswahrend zu beenden.
Operation Epic Fury für beendet erklärt
Außenminister Marco Rubio erklärte die militärische Operation gegen den Iran, bekannt als Operation Epic Fury, für abgeschlossen. Damit fällt das zuletzt noch verbliebene militärische Drohpotenzial vorerst weg.
Groitl interpretiert Rubios Erklärung vor allem als innenpolitische Kommunikation: Man wolle der eigenen Bevölkerung vermitteln, dass der Krieg vorbei sei, und das Dilemma rund um die Straße von Hormus als separaten, humanitären Konflikt darstellen.
Die Expertin schließt jedoch eine erneute militärische Eskalation nicht grundsätzlich aus, sollte die US-Administration ihre Haltung ändern. Derzeit aber sendet Washington eher mahnende Signale – Trump scheint eine weitere Eskalation vermeiden zu wollen.
Welche Optionen bleiben den USA noch?
Trotz des Rückzugs vom militärischen Kurs verfügen die USA über mehrere Instrumente. Dazu zählen:
- Diplomatische Verhandlungen und ein mögliches Abkommen mit Teheran
- Wirtschaftliche Sanktionen als Druckmittel
- Multilaterale Kooperation mit Verbündeten in der Region
- Die Option einer erneuten militärischen Eskalation, die derzeit aber nicht verfolgt wird
Militärische Gewalt ist dabei zwar ein Instrument im Werkzeugkasten, aber nicht das einzige. Die zentrale Herausforderung bleibt, wie die USA die Kontrolle über die Meerenge sicherstellen können, ohne weitere Angriffe des Iran zu provozieren.
Iran als strategischer Gewinner?
Der aktuelle Stand des Konflikts lässt nach Einschätzung von Groitl den Iran als Gewinner dastehen. Der Eindruck entstehe, dass Teheran sich nicht nur behauptet habe, sondern durch das Nachgeben der USA sogar gestärkt aus der Auseinandersetzung hervorgehe.
Die Kontrolle über die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, durch die ein erheblicher Teil der globalen Ölexporte fließt – muss Washington nun offenbar in Verhandlungen zurückgewinnen. Das sei ein erheblicher strategischer Rückschlag.
Wie die Gespräche zwischen den USA und dem Iran verlaufen und welche Zugeständnisse am Ende auf beiden Seiten gemacht werden, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die geopolitische Glaubwürdigkeit der Trump-Administration steht in dieser Region auf dem Prüfstand.
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