Dieses Video wurde am 18.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Straße von Hormus ist zum Brennpunkt eines gefährlichen diplomatischen Dreieckskonflikts geworden. US-Präsident Donald Trump drohte dem Golfstaat Oman offen mit Bombardierung, weil Maskat gemeinsam mit Iran an einem separaten Abkommen zur Wiedereröffnung der Meerenge arbeitet – ohne Beteiligung Washingtons. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt durch diese Wasserstraße, was ihr eine enorme geopolitische Sprengkraft verleiht. Ein abgelaufenes 60-Tage-Ultimatum für einen US-Iran-Friedensdeal und anhaltende iranische Kontrollansprüche verschärfen die Lage weiter.
Trumps Drohungen gegen Oman und die Hintergründe
Trump erklärte öffentlich, er werde Oman „in die Luft jagen“, sollte das Land die US-Verhandlungsposition untergraben. Bereits im Mai hatte er gewarnt, Oman müsse sich „genauso verhalten wie alle anderen, oder wir werden es in die Luft sprengen.“ Diese Aussagen richten sich gegen einen langjährigen amerikanischen Verbündeten, der seit den 1950er-Jahren bilaterale Beziehungen mit den USA pflegt.
Der Grund für Trumps Verärgerung liegt auf der Hand: Washington will einen eigenen Deal mit Teheran aushandeln, um die Meerenge zu seinen Bedingungen wieder zu öffnen. Stattdessen verhandeln Iran und Oman bilateral – und schließen die USA aus dem Prozess aus. Iran meldete, beide Seiten tauschten aktiv Standpunkte aus, um eine gemeinsame Erklärung zu erarbeiten, die internationalen Schifffahrtsinteressen gerecht wird.
Omans Neutralitätspolitik als strategischer Vorteil
Oman hat sich über Jahrzehnte als neutraler Vermittler in der Region etabliert. Diese Rolle war zuletzt entscheidend bei der Aushandlung des Atomabkommens von 2015 sowie bei der Vermittlung eines Waffenstillstands zwischen den Huthis und Saudi-Arabien. Eine spontane Kehrtwende infolge von Trumps verbalen Attacken gilt als unwahrscheinlich.
Analytikerin Megan Sutcliffe vom Beratungsunternehmen Sabaline betont, dass Omans Außenpolitik auf dem Prinzip der Neutralität beruhe und das Land nie dauerhaft auf eine Seite schlage. Dennoch sei die Verwendung derart aufgeheizter Sprache aus Washington zu einem sensiblen Zeitpunkt alles andere als förderlich für Bemühungen um eine regionale Deeskalation.
Das mögliche Iran-Oman-Abkommen und seine Folgen
Das wahrscheinlichste Modell eines bilateralen Abkommens sieht vor, dass Schiffe durch iranische Gewässer einfahren und Omans Territorium verlassen – gegen Zahlung einer Transitgebühr an eine gemeinsame Behörde beider Länder. Akzeptiert Washington dieses Modell, könnte ein größerer diplomatischer Bruch vermieden werden. Lehnt es Washington ab, droht eine erneute Eskalation des US-Iran-Konflikts sowie ein Zerwürfnis zwischen den USA und Maskat.
Iran hat die Meerenge de facto mit einer „weichen Blockade“ belegt: Physisch ist die Durchfahrt möglich, doch Seeminen, Drohnen- und Raketenangriffe sowie Gebührenforderungen der neu geschaffenen Persian Gulf Strait Authority schrecken Schiffsbetreiber ab. Teheran hat damit ein mächtiges wirtschaftliches Druckmittel geschaffen, das es nicht aufzugeben gedenkt.
Irans Nuklearprogramm als eigentlicher Kernkonflikt
Hinter dem Streit um die Wasserstraße steht der tiefere Konflikt über Irans Atomprogramm. Trump besteht darauf, dass Iran niemals eine Nuklearwaffe entwickeln darf und kein Uran auf eigenem Boden anreichern soll. Teheran hingegen betrachtet die heimische Anreicherungskapazität als unverzichtbaren Pfeiler seiner nationalen Sicherheit.
Zwei Verhandlungsrunden haben diese Kluft bislang nicht überbrückt. Für Trump ergeben sich im Wesentlichen zwei Optionen:
- Militärische Reeskalation, um Iran zu Zugeständnissen zu zwingen
- Eigene Zugeständnisse bei der Forderung nach einem Anreicherungsstopp, verbunden mit verstärkten IAEO-Inspektionen
- Fortführung des diplomatischen Drucks über mehrere Kanäle, darunter mutmaßliche Indirekt-Kontakte zum Obersten Nationalen Sicherheitsrat Irans
Iran kalkuliert offenbar damit, dass die USA ihre Position früher aufweichen werden als Teheran – gestützt auf die Überzeugung, den USA gegenüber in einer stärkeren Verhandlungsposition zu sein.
Ausblick: Regionale Eskalation und globale Wirtschaftsrisiken
Sollte Trump eine erneute Militäroperation gegen Iran anordnen, rechnen Experten mit heftigen Gegenschlägen, die US-Verbündete am Golf wie Bahrain, Kuwait, die VAE, Qatar und Saudi-Arabien treffen könnten. Die Golfmonarchien haben bislang bemerkenswerte Zurückhaltung gezeigt, doch diese Geduld hat Grenzen.
Eine weitere Eskalation würde globale Energiemärkte mit noch nie dagewesenen Versorgungsengpässen konfrontieren und Preisschocks auslösen, die Verbraucher weltweit spüren würden. Hinzu kommt innenpolitischer Druck: Die US-Midterm-Wahlen im November erhöhen Trumps Anreiz, außenpolitische Erfolge zu erzielen. Ob Omans bewährte Neutralitätspolitik und Irans Beharrungsvermögen eine weitere Eskalation verhindern können, bleibt die entscheidende Frage der kommenden Monate.
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