Dieses Video wurde am 04.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Hunderte Schiffe mit rund 20.000 Seeleuten sitzen seit Beginn des Iran-Krieges im Persischen Golf fest. Die USA haben nun eine Marinemission gestartet, um Frachter bei der Durchquerung der blockierten Straße von Hormus zu unterstützen. Laut US-Militär sind dabei 15.000 Soldaten, mehr als 100 Flugzeuge sowie Kriegsschiffe und Drohnen im Einsatz. Doch Experten warnen: Absolute Sicherheit ist damit nicht zu erreichen.
Extreme Risiken für Schiffe und Besatzungen
Selbst mit dem massiven Kräfteansatz der USA bleiben die Gefahren in der Meerenge enorm. Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit an der Universität Bonn, macht deutlich, dass Handelsschiffe nach wie vor mit einem erheblichen Bedrohungsspektrum konfrontiert sind.
- Drohnen in der Luft und auf dem Wasser
- Marschflugkörper und ballistische Raketen
- Minen unter der Wasseroberfläche
- Möglicher Totalverlust von Schiffen und Ladung
- Unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Besatzung
Die Entscheidung, ob ein Schiff die Durchfahrt wagt, liegt letztlich beim Kapitän. Reeder können diese Verantwortung nicht abnehmen. Wer die Meerenge passiert, tut dies unter größtem Risiko – womöglich in der Abwägung, dass das Verbleiben im Golf noch gefährlicher erscheint als die Fahrt.
Revolutionsgarden konterkarieren jede Einigung
Ein zentrales Problem ist die gespaltene Machtstruktur im Iran. Selbst wenn die zivile iranische Regierung einer Öffnung der Straße von Hormus zustimmen würde, können die Revolutionsgarden solche Vereinbarungen jederzeit durch Angriffe unterlaufen. Genau das geschah bereits, als ein mutmaßlicher Raketenangriff auf ein US-Kriegsschiff eine mögliche Einigung zunichte machte – ein deutliches Signal: Verhandlungen laufen entweder mit den Revolutionsgarden oder gar nicht.
Diese Dynamik macht jede diplomatische Lösung fragil. Hinzu kommt, dass der Iran nach Einschätzung des Experten nicht allein agiert: Russland, China und Nordkorea stützen das Regime. Die Blockade der Meerenge ist damit Teil einer größeren geopolitischen Strategie, die sich gegen westliche Interessen richtet.
Bundeswehr-Minenjagdboot im Mittelmeer vorpositioniert
Deutschland hat das Minenjagdboot Fulda im Mittelmeer vorpositioniert, um im Ernstfall schneller in der Region einsatzbereit zu sein. Durch die Vorstationierung lässt sich die Verlegungszeit von drei bis vier Wochen etwa halbieren.
Brake bewertet den Schritt als sinnvoll, betont jedoch, dass die politischen Voraussetzungen für einen tatsächlichen Einsatz noch längst nicht geschaffen sind. Ohne eine fundamentale Veränderung der Lage im Iran seien solche Maßnahmen militärisch kaum aussichtsreich.
Nur Regimewechsel als Ausweg – oder staatliche Versorgungslogistik
In seiner Einschätzung zeichnet Brake ein ernüchterndes Bild. Zivile Handelsschifffahrt durch die Straße von Hormus ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht dauerhaft sicher zu gewährleisten. Zwei grundlegende Optionen stehen im Raum:
Erstens ein Regimewechsel im Iran, der die militärische Bedrohungskapazität der Revolutionsgarden beseitigt. Solange diese in der Lage sind, mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen die Meerenge zu beschießen, bleibt absolute Sicherheit eine Illusion.
Zweitens ein Paradigmenwechsel in der Frachtlogistik: weg von zivilen Maßgaben hin zu staatlich gesteuerter Versorgungssicherheit, die Verluste und Treffer bei Schiffen bewusst einkalkuliert. Das aber ist keine Aufgabe für private Reedereien, sondern für Staaten in existenzieller Not.
Eine schnelle Stabilisierung oder Rückkehr zur Vorkriegssituation hält der Experte für unrealistisch. Deutschland und Europa müssen sich langfristig auf diese Krise einstellen und ihre Resilienz in Versorgungsfragen grundlegend stärken.
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