Dieses Video wurde am 06.05.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die US-amerikanische Sicherungsmission „Project Freedom“ in der Straße von Hormus ist nach weniger als zwei Tagen wieder eingestellt worden. Was als groß angekündigtes Vorhaben zum Schutz der Handelsschifffahrt startete, endete mit einem diplomatischen Rückzug und offenen Fragen über die strategische Konzeption hinter dem Projekt. Maritim-Sicherheitsexperte Moritz Brake ordnet das Scheitern ein – und zeichnet ein düsteres Bild der Lage in einer der wichtigsten Meerengen der Welt.
„Project Freedom“ – eine Totgeburt von Anfang an
Laut Moritz Brake war das Scheitern der US-Mission absehbar: „Von Anfang an war klar, dass das, was die USA da in den Raum gestellt haben, nicht funktionieren würde.“ Der entscheidende Grund liegt darin, dass die Mission nichts am Grundproblem der Handelsschifffahrt ändert.
Solange der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behält und das Regime intern zwischen den Revolutionsgarden und der zivilen Regierung zerrissen ist, sei ein Rückkehren zu friedlichen Verhältnissen auf absehbare Zeit nicht realistisch. Brake hält es für „völlig illusorisch“, dass täglich wieder rund 130 Schiffe unter Friedensbedingungen die Meerenge passieren könnten.
Die Konsequenzen seien weitreichend: Alles, was an Krise daraus folge, werde sich in der Weltwirtschaft weiter multiplizieren und noch lange spürbar bleiben.
Zwei fundamentale Fehler der USA
Brake macht zwei grundlegende strategische Fehler der Vereinigten Staaten verantwortlich für die aktuelle Lage: „Der erste Fehler war, diesen Krieg so anzufangen, und der zweite war, ihn dann nicht zu gewinnen.“ Das Ergebnis sei ein „Scherbenhaufen“, mit dem nun alle sitzen – die Staaten in der Region, Europa, Kanada und die Weltwirtschaft.
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran bewertet der Experte als einen Akt des Krieges, der sich auch gegen Europa richtet. Bisher hätten sich die betroffenen Staaten entschieden, militärisch nicht zu reagieren – obwohl die wirtschaftlichen Folgen unmittelbar spürbar seien.
Besonders betroffen ist nach Brake nicht Europa, sondern die ärmsten Teile der Weltbevölkerung:
- Rund 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs wird über den Seeweg abgewickelt.
- Etwa 80 Prozent der europäischen Energieversorgung ist vom Seetransport abhängig.
- Die Golfstaaten sind existenziell auf die freie Durchfahrt durch die Meerenge angewiesen.
- Die ärmste Milliarde Menschen weltweit trifft die Blockade deutlich härter als westliche Industriestaaten.
Europas Rolle und die deutsche Fregatte
Auch eine mögliche europäische Beteiligung an einer Sicherungsmission beurteilt Brake skeptisch. Das von Deutschland entsandte Minenjagdboot „Fulda“ sei auf eine sogenannte Postkonfliktmission ausgerichtet – also auf die Räumung von Minen in der Straße von Hormus, sobald ein Frieden eingetreten ist.
Doch genau dieser Frieden sei das eigentliche Problem. Brake hält eine tragfähige Friedenslösung für kaum erreichbar, solange dem Iran auch nur eine Restkontrolle über die Meerenge verbleibt: „Das werden die Staaten in der Region nicht akzeptieren. Sie werden ihr Leben nicht in die Hände des Iran legen.“
Ohne eine vollständige Herauslösung des Irans aus dieser Kontrolle – so Brake – sei kein dauerhafter Friede möglich, und ohne Frieden kein sinnvoller Einsatz eines Minenjagdbootes.
Deal mit Teheran – und das verbleibende Drohpotenzial
US-Außenminister Marco Rubio hatte erklärt, die Operation sei beendet. Gleichzeitig signalisierte Präsident Donald Trump, man sei auf einem guten Weg zu einem Deal mit Teheran. Brake bleibt auch hier zurückhaltend.
Verhandlungen hält er zwar für sinnvoll, doch seien die Möglichkeiten begrenzt. Jede Einigung, die dem Iran Kontrolle über die Straße von Hormus oder gar eine Art Schutzgeldrolle lässt, werde keinen stabilen Frieden bringen. Die bisherigen Druckmittel – darunter Bombardierungen – seien weitgehend ausgeschöpft.
Als entscheidendes verbleibendes Drohpotenzial sieht Brake den Regime Change: eine Intervention, die wirklich eine politische Veränderung im Iran bewirkt. Dies sei das, wovor Teheran nach wie vor Angst habe – und worüber die Golfstaaten sowie andere betroffene Akteure zunehmend nachdenken würden. Ob und wie dieser Hebel eingesetzt werden kann, dürfte die geopolitische Debatte der kommenden Monate bestimmen.
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