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Die 170. Steuerschätzung hat erhebliche Mindereinnahmen für den deutschen Staat ergeben. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stellte die Ergebnisse vor und machte den durch US-Präsident Donald Trump ausgelösten Irankrieg als zentralen Treiber für die wirtschaftliche Eintrübung verantwortlich. Gesamtstaatlich – also Bund, Länder und Gemeinden zusammen – rechnen die Experten für 2026 mit Mindereinnahmen von rund 11 Milliarden Euro gegenüber der Oktober-Schätzung des Vorjahres.
Steuerschätzung 2026: Die wichtigsten Zahlen
Der Arbeitskreis Steuerschätzung erwartet für das laufende Jahr Steuereinnahmen von rund 999 Milliarden Euro, für 2027 werden rund 1.033 Milliarden Euro prognostiziert. Im Vergleich zur letzten Schätzung vom Oktober 2025 bedeutet das deutliche Abstriche.
- Gesamtstaatliche Mindereinnahmen 2026: rund 11 Milliarden Euro
- Gesamtstaatliche Mindereinnahmen 2027: rund 9 Milliarden Euro
- Mindereinnahmen für den Bund 2026: rund 5 Milliarden Euro
- Mindereinnahmen für die Länder 2026: rund 3 Milliarden Euro
- Gemeinden tragen überproportional hohe Ausfälle, vor allem bei der Gewerbesteuer
Die Rückgänge betreffen vor allem Ertragssteuern sowie Lohn- und Umsatzsteuer. Auch steuerliche Entlastungen – etwa in der Gastronomie und die zum 1. Mai in Kraft getretene Absenkung der Energiesteuern auf Diesel und Benzin – schlagen sich in den Zahlen nieder.
Irankrieg als wirtschaftlicher Schock
Klingbeil betonte mehrfach, dass der Irankrieg innerhalb weniger Wochen eine zuvor positiv eingeschätzte Konjunkturentwicklung zum Stillstand gebracht habe. Noch kurz vor Ausbruch des Konflikts hatten Prognosen einen leichten Wirtschaftsaufschwung nach Jahren der Wachstumsschwäche vorhergesagt.
Die Energiepreise sind als direkte Folge des Krieges stark gestiegen. Die Bundesregierung reagierte nach eigenen Angaben unmittelbar mit Entlastungsmaßnahmen. Klingbeil schloss weitere Schritte nicht aus, sollte sich die Krise zuspitzen. Gleichzeitig verwies er auf bestehende Belastungen: den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie anhaltende Auswirkungen des globalen Zollkonflikts.
„Wir befinden uns im siebten Jahr einer Krise und wir befinden uns im Krisenmodus“, so Klingbeil. Der Staat sei kein Krisengewinner – der Irankrieg koste Deutschland Geld.
Kommunen besonders hart getroffen
Besonders stark belastet sind die Gemeinden. Da sie im Herbst noch mit deutlich höheren Gewerbesteuereinnahmen gerechnet hatten, schlägt die wirtschaftliche Eintrübung dort besonders hart durch. Klingbeil verwies auf das im April vom Kabinett verabschiedete Länder- und Kommunalentlastungsgesetz, das Länder und Kommunen um rund eine Milliarde Euro jährlich entlastet.
Darüber hinaus sollen Kommunen über das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro Investitionsstaus der vergangenen 20 Jahre abbauen können – unter anderem in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung und Gesundheitsversorgung.
Kritik vom Bund der Steuerzahler
Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler übte scharfe Kritik an Klingbeils Darstellung. Er räumte ein, dass die Steuereinnahmen insgesamt weiterhin auf hohem Niveau wachsen – wenn auch langsamer als geplant. Strukturelle Reformen würden jedoch ausbleiben.
Holznagel bemängelte unter anderem:
- Keine spürbare Entlastung bei der Einkommensteuer
- Höhere Belastungen durch steigende Beitragsbemessungsgrenzen
- Neue Abgaben wie geplante Zucker- und Tabaksteuer
- Mehr Bürokratie durch das Tariftreuegesetz
„Der einzige Sektor, der wirklich wächst, das ist der Staat selbst“, sagte Holznagel. Er forderte nachhaltige Strukturreformen statt konjunktureller Einzelmaßnahmen.
Die Bundesregierung will den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 am 6. Juli 2026 im Kabinett beschließen. Der Konsolidierungsdruck erhöht sich durch die aktuelle Steuerschätzung nach Klingbeils Angaben um rund eine Milliarde Euro. Ob die Investitionsstrategie der Koalition die erhofften Wachstumseffekte rechtzeitig entfalten kann, bleibt angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten offen.
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