Dieses Video wurde am 08.05.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Vor der traditionellen Siegesparade Moskau am 9. Mai 2026, dem Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland 1945, hat Russland scharfe Drohungen gegen die Ukraine und den Westen ausgesprochen. Außenminister Sergej Lawrow warnte, wer versuche, den „Heiligen Feiertag“ zu stören, werde „keine Gnade“ erfahren. Gleichzeitig findet die Parade in diesem Jahr in einer deutlich abgespeckten Version statt: Panzer und schwere Rüstung fehlen auf dem Roten Platz – offenbar aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen.
Waffenruhe gebrochen: Kämpfe gehen weiter
Russland hatte für den 8. und 9. Mai eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, um die Feierlichkeiten zu sichern. Doch Korrespondenten und Militärbeobachter berichten übereinstimmend, dass die Kämpfe an der Front unvermindert weiterlaufen. In Kiew heulten am Morgen die Luftschutzsirenen wegen Drohnenalarms; gleichzeitig meldete Moskau ukrainische Drohnen in Richtung der russischen Hauptstadt.
Kiew lehnte die russische Bitte um eine 48-stündige Feuerpause ab. Präsident Selenskyj begründete dies damit, Russland wolle lediglich eine störungsfreie Parade sicherstellen, um danach die Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen. Er warnte Vertreter kremltreuer Staaten ausdrücklich davor, an den Feierlichkeiten in Moskau teilzunehmen.
Abgespeckte Parade – massiv erhöhte Sicherheit
Die Siegesparade in diesem Jahr unterscheidet sich deutlich von früheren Ausgaben. Schwere Militärfahrzeuge wie Panzer und Raketenwerfer sind nicht zu sehen – ein ungewöhnlicher Schritt, der als direkte Reaktion auf die gestiegene ukrainische Drohnenkapazität gewertet wird. Seit Wochen ist Moskau weiträumig abgeriegelt, das mobile Internet eingeschränkt und die Luftabwehr massiv verstärkt worden.
- Keine Panzer und Raketenwerfer auf dem Roten Platz
- Mobiles Internet in Moskau eingeschränkt
- Luftabwehrsysteme rund um die Hauptstadt verstärkt
- Nur Staatschefs aus Belarus, Malaysia und Laos als Gäste
- Proben fanden in reduzierter „Sparversion“ statt
Militärexperte Gustav Gressel erklärte, die russische Flugabwehr sei durch ukrainische Angriffe in den vergangenen Monaten deutlich geschwächt worden. Damit seien die Chancen der Ukraine, Drohnenangriffe durchzuführen, gestiegen. Frühere Paraden wurden durch hochrangige ausländische Gäste – etwa den chinesischen Staatschef Xi Jinping im Vorjahr – politisch abgesichert. Diesmal fehlt dieser Schutzschild weitgehend.
Vergeltungsdrohungen gegen Kiew und den Westen
Das russische Verteidigungsministerium und Außenamtssprecherin Maria Sacharowa drohten explizit: Sollte die Ukraine die Feierlichkeiten angreifen, werde Russland das Zentrum Kiews attackieren – darunter das Büro von Präsident Selenskyj. Auch Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew verschärfte die Rhetorik: In einem Gastbeitrag für den Propagandasender RT drohte er Deutschland mit der „vollständigen Zerstörung“ seiner Industrie und stellte die Existenzberechtigung der Bundesrepublik in Frage. Deutsche Verteidigungsexperten werteten dies als russische Propaganda für das heimische Publikum.
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter warnte, Russland sehe Deutschland als „Schwachpunkt“ und nutze Appeasement-Signale gezielt aus. Bundeswehr-Analysten gehen davon aus, dass Russland spätestens bis 2029 so weit aufgerüstet haben könnte, dass weitere europäische Länder in seinen Fokus geraten.
Friedensgespräche? Moskaus Bedingungen bleiben hart
Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow signalisierte, Friedensgespräche seien derzeit „Zeitverschwendung“. Voraussetzung für Verhandlungen sei zunächst der Rückzug der Ukraine aus dem Donbass – den Provinzen Donezk und Luhansk. Beobachter erwarten, dass Putin diese Forderung auch in seiner Ansprache bei der Parade bekräftigen wird.
Militärexperte Gressel ordnete ein: Die Rhetorik sei nicht neu, die Räumung des Donbass würde Russland rund ein Jahr Krieg ersparen – eine Bedingung, von der Moskau wisse, dass Kiew sie ablehnen werde. Der Kreml setze den Krieg fort, ohne Anzeichen einer Kursänderung. Auch der frühere NATO-Generalsekretär Rasmussen plädierte in diesem Kontext für eine neue „Koalition der Willigen“ in Europa, da die USA unter Präsident Trump ihre Verlässlichkeit als Bündnispartner zunehmend in Zweifel zögen.
Die Lage rund um den 9. Mai bleibt hochgradig angespannt. Ob die Ukraine die Parade angreift, die Waffenruhe doch noch hält oder Russland zu Vergeltungsschlägen auf Kiew übergeht – all das war am Vorabend der Feierlichkeiten offen. Die Ereignisse dieses Jahrestages könnten den weiteren Verlauf des Krieges maßgeblich beeinflussen.
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