Dieses Video wurde am 04.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Siedlergewalt im Westjordanland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im von Israel besetzten Westjordanland leben nach Angaben der Vereinten Nationen rund drei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser sowie etwa 500.000 israelische Siedlerinnen und Siedler. Der Internationale Gerichtshof stuft sowohl die israelischen Siedlungen als auch die Besatzung als völkerrechtswidrig ein – dennoch beanspruchen Siedler das Gebiet zunehmend gewaltsam für sich. Die Frage, warum nicht entschiedener dagegen vorgegangen wird, hat mehrere Antworten.
Gewalt gegen Palästinenser nimmt stetig zu
Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden zuletzt mehrere Palästinenser durch Angriffe israelischer Siedler getötet. Unter den Opfern befand sich auch ein 14-jähriger Schüler. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut den Vereinten Nationen ist die Zahl der Gewaltvorfälle seit 2023 – dem Jahr des Terrorangriffs der Hamas auf Israel – bis 2025 stetig angestiegen.
Die Angriffe richten sich nicht nur gegen Personen, sondern auch gegen Eigentum, Felder und ganze Ortschaften. Palästinensische Gemeinden berichten von systematischer Einschüchterung, die darauf abzielt, die Bevölkerung zur Aufgabe ihres Landes zu bewegen.
Straflosigkeit als zentrales Problem
Ein wesentlicher Grund für die anhaltende Siedlergewalt ist die weitgehende Straflosigkeit der Täter. Beobachterinnen und Beobachter vor Ort berichten übereinstimmend, dass das israelische Militär bei Übergriffen häufig untätig bleibt – oder Angriffe mitunter sogar ermöglicht. Ein strukturelles Problem dabei: Manche Soldaten sind selbst Siedler und damit Teil des gleichen Milieus.
Die wenigsten Angreifer werden strafrechtlich verfolgt oder landen vor Gericht. Das sendet ein klares Signal an gewaltbereite Siedler: Konsequenzen sind kaum zu erwarten.
- Das Militär greift bei Siedlerangriffen häufig nicht ein
- Strafverfolgung bleibt in den meisten Fällen aus
- Einige Soldaten sind selbst Teil der Siedlerbewegung
- Rechtsextreme Siedlervertreter sitzen in der israelischen Regierung
- Internationale Sanktionsmechanismen greifen bisher kaum
Politische Duldung durch die israelische Regierung
Der Vorwurf, den auch israelische Menschenrechtsorganisationen erheben, wiegt schwer: Die Regierung dulde die Siedlergewalt bewusst, weil sie einem übergeordneten politischen Ziel diene – der Vertreibung von Palästinensern und der schrittweisen Annexion palästinensischen Landes.
Da rechtsextreme Siedlerparteien an der israelischen Regierungskoalition beteiligt sind, fühlen sich gewaltbereite Akteure politisch ermächtigt. Kritiker sprechen von einer strukturellen Verknüpfung zwischen dem Siedlungsprojekt und staatlicher Schutzlosigkeit für die palästinensische Bevölkerung.
Diese Einschätzung wird nicht nur von palästinensischer Seite geteilt, sondern findet sich auch in Berichten unabhängiger Menschenrechtsorganisationen und internationaler Institutionen.
Internationale Kritik wächst – auch aus Deutschland
Das Vorgehen Israels steht zunehmend unter internationalem Druck. Zahlreiche Staaten und Organisationen haben die Siedlergewalt verurteilt. Auch Deutschland hat sich zuletzt klar positioniert und die Übergriffe öffentlich kritisiert.
Ob diese Verurteilungen zu konkreten politischen Konsequenzen führen, bleibt abzuwarten. Solange Straflosigkeit die Norm bleibt, politische Akteure die Gewalt stillschweigend tolerieren und internationale Druckmittel wirkungslos verpuffen, ist eine Trendwende bei der Siedlergewalt im Westjordanland nicht in Sicht. Die Lage der palästinensischen Bevölkerung bleibt damit auf absehbare Zeit prekär.
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