Dieses Video wurde am 20.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Reit-WM in Aachen gilt als das Wimbledon des Reitsports – und wie beim großen Tennisklassiker läuft das Spektakel nur dann reibungslos, wenn unzählige Menschen im Hintergrund präzise und ruhig ihren Dienst tun. 880 Athletinnen und Athleten, rund 800 Pferde aus mehr als 65 Nationen verwandeln die Stadt in einen einzigen Pferderausch. Doch wer sorgt dafür, dass Reiterinnen und Reiter pünktlich im Viereck stehen, und dass die Tiere rundum gut versorgt sind?
Mutter und Sohn als unverzichtbares Zeitmanagement-Duo
Michaela und Dennis Klein übernehmen beim Turnier eine undankbare, aber entscheidende Aufgabe: Sie stellen sicher, dass die Dressurreiterinnen und -reiter rechtzeitig am Einreitplatz erscheinen. Sekunden können über einen reibungslosen Ablauf entscheiden – wie sich zeigt, als eine australische Starterin den Zeitplan auf die Probe stellt und erst wenige Augenblicke vor ihrem Einsatz auftaucht.
Für die beiden Aachener ist Nervosität dabei kein Privileg. „Ob wir Stress haben, spielt überhaupt keine Rolle“, erklärt Michaela Klein. Die Botschaft an die Sportlerinnen und Sportler soll stets dieselbe sein: Ihr könnt euch auf uns verlassen. Eine ruhige Hand zu zeigen, wenn der Druck am größten ist – das ist das Kernprinzip ihres Ehrenamts.
Tradition, Familie und ein lang gehegter Traum
Michaela Klein ist seit ihrem zweiten Lebensjahr Reitfan, besitzt eigene Pferde und ist selbst Hobbydressurreiterin. WM-Erfahrung bringt sie bereits mit. Für Sohn Dennis ist es hingegen eine WM-Premiere – und ein besonders persönlicher Moment.
- Michaela Klein engagiert sich seit Jahrzehnten bei Reitturnieren – über 25 bis 30 Jahre Erfahrung.
- Dennis Klein tritt damit buchstäblich in große Fußstapfen innerhalb der eigenen Familie.
- Die enge Zusammenarbeit von Mutter und Sohn macht das Ehrenamt zu einem generationenverbindenden Erlebnis.
- Der direkte Kontakt zu Profi-Reiterinnen und -Reitern hebt die Barriere zwischen Freizeitreitern und Weltklasseathleten auf.
„Diese Barriere zwischen den Profis und uns als Freizeitreitern, die ist dann aufgehoben“, sagt Dennis Klein. Genau das mache die Faszination aus – und den Wunsch, immer wieder dabei zu sein.
Grooms: Die stillen Helden im Schatten der Stars
Neben den Zeitkoordinatoren sind es die Grooms – die Pferdepflegerinnen und -pfleger –, die im Hintergrund für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich sind. Natalie Lutz kümmert sich um Camelot, den Wallach des deutschen Dressurreitors Raphael Netz. Immer wenn Netz nicht selbst im Sattel sitzt, ist sie es, die die volle Verantwortung für das Pferd trägt.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal selbst auf so einem Event so ein riesiges Teil beisteuern kann“, sagt Lutz. Für Team Deutschland bei einer Weltmeisterschaft als Groom tätig zu sein, beschreibt sie als „einzigartig“ und „extra speziell“. Ihre Arbeit bleibt oft unsichtbar – ist aber der Grundstein für jeden erfolgreichen Start.
Aachen als Weltzentrum des Reitsports
Für Pferdesportfans in aller Welt hat Aachen einen nahezu mythischen Status. „Wenn Sie irgendjemanden mit Pferden sprechen, wird er Ihnen sagen: Aachen“, so die Stimmung vor Ort. Das internationale Flair wird in diesem Jahr noch gesteigert durch prominente Ehrengäste: Königin Mary von Dänemark und Kronprinzessin Amalia aus den Niederlanden geben dem Event royalen Glanz.
Die Weltmeisterschaft ist damit weit mehr als ein Sportereignis – sie ist ein kulturelles und gesellschaftliches Zusammentreffen, das die Stadt Aachen in ein einzigartiges Schaufenster des Reitsports verwandelt. Ob Profi, Ehrenamtlicher oder königlicher Gast: Die Faszination für Pferd und Reiter verbindet alle Beteiligten. Und solange Menschen wie die Kleins und Natalie Lutz im Hintergrund arbeiten, läuft das große Spektakel – am Ende – immer pünktlich an.
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