Dieses Video wurde am 16.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Krieg in der Ukraine hinterlässt nicht nur menschliches Leid, sondern auch massive Umweltschäden. In Bodenproben aus Kriegsgebieten wurden hochgiftige Sprengstoffrückstände und weitere Schadstoffe nachgewiesen, die Tiere, Pflanzen und letztlich auch den Menschen gefährden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchen deshalb bereits jetzt nach Wegen, diese verseuchten Böden wieder nutzbar zu machen – und setzen dabei auf ein natürliches Prinzip: Phytoremediation, die gezielte Reinigung von Böden durch Pflanzen.
Schadstoffe im Boden: Eine unterschätzte Kriegsfolge
Wenn Waffen eingesetzt werden, bleiben chemische Rückstände im Boden zurück. Besonders Sprengstoffrückstände sind dabei problematisch: Sie sind hochgiftig, schwer abbaubar und verteilen sich mit der Zeit tief in den Boden und ins Grundwasser.
Die Gefahr endet nicht mit dem Kriegsende. Schadstoffe können über Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen, wenn kontaminierte Böden wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Damit wird die Umweltverschmutzung aus dem Krieg zu einem langfristigen Gesundheitsproblem für die gesamte Bevölkerung.
Die betroffenen Regionen in der Ukraine stehen exemplarisch für ein globales Problem: Auch in anderen ehemaligen Kriegsgebieten weltweit kämpfen Länder jahrzehntelang mit den ökologischen Folgen bewaffneter Konflikte.
Phytoremediation: Wie Pflanzen Böden reinigen
Das Prinzip der Phytoremediation klingt simpel, ist aber wissenschaftlich komplex. Bestimmte Pflanzenarten sind in der Lage, Schadstoffe über ihre Wurzeln aufzunehmen und in ihrem Gewebe zu speichern. Dadurch werden die Giftstoffe buchstäblich aus dem Boden herausgezogen.
Nicht jede Pflanze eignet sich dafür. Forschende suchen gezielt nach Arten, die:
- tolerant gegenüber hohen Schadstoffkonzentrationen im Boden sind
- Giftstoffe besonders effizient in Wurzeln, Stängeln oder Blättern anreichern
- schnell wachsen und damit in kurzer Zeit große Mengen Schadstoffe binden
- robust unter schwierigen Umweltbedingungen gedeihen
Ist die Pflanze vollständig gewachsen, wird sie geerntet und fachgerecht entsorgt oder weiterverarbeitet – die Schadstoffe verschwinden mit ihr aus dem Ökosystem.
Riesenchinesenschilf im Einsatz: Pilotprojekt in der Ukraine
In der Ukraine wird dieses Verfahren bereits konkret erprobt. Forschende testen dort den Einsatz von Riesenchinesenschilf (Miscanthus giganteus) auf kontaminierten Flächen. Diese großwüchsige Grasart gilt als besonders vielversprechend, da sie nicht nur widerstandsfähig ist, sondern auch eine hohe Biomasseproduktion aufweist.
Das Pilotprojekt soll zeigen, ob und wie schnell die Pflanze die Schadstoffbelastung in den Böden messbar senken kann. Die Ergebnisse könnten wegweisend sein – nicht nur für die Ukraine, sondern für den Umgang mit kriegsbedingter Bodenkontamination weltweit.
Riesenchinesenschilf hat noch einen weiteren Vorteil: Die geerntete Biomasse lässt sich als nachwachsender Rohstoff energetisch verwerten, was den Sanierungsprozess wirtschaftlich attraktiver machen könnte.
Ausblick: Naturbasierte Lösungen für Kriegsfolgen
Die Forschung zur Phytoremediation steht in Kriegsgebieten noch am Anfang, doch das Potenzial ist erheblich. Während konventionelle Bodensanierungsverfahren teuer, technisch aufwendig und oft wenig skalierbar sind, bietet der Pflanzeneinsatz eine kostengünstige und naturnahe Alternative.
Für die Ukraine, deren landwirtschaftliche Flächen zu den wichtigsten Europas zählen, ist die Frage der Bodensanierung existenziell. Gelingt es, großflächig verseuchte Areale wieder nutzbar zu machen, wäre das ein entscheidender Schritt für den Wiederaufbau des Landes – und ein Beweis dafür, dass die Natur selbst eines der wirkungsvollsten Werkzeuge zur Heilung von Kriegsschäden sein kann.
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