Dieses Video wurde am 19.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Inselgruppe Penghu liegt knapp 50 Kilometer vor der Westküste Taiwans und rund 150 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt – und genau diese geografische Lage macht sie zu einem der meistbeobachteten Konfliktherde der Welt. Taiwan rüstet auf Penghu massiv auf, während die Volksrepublik China den Druck auf die demokratisch regierte Insel kontinuierlich erhöht. Militärexperten, Fischer und Elitesoldaten vor Ort beschreiben eine Lage, die sich in den vergangenen Monaten spürbar zugespitzt hat.
Strategische Bedeutung: Wer Penghu hält, hält Taiwan
Eine alte Redewendung aus den 1950er-Jahren bringt es auf den Punkt: „Wer Penghu hält, hält Taiwan.“ Die Inselgruppe kontrolliert den zentralen Teil der Taiwanstraße – jene Meerenge, durch die jährlich nahezu die Hälfte aller weltweiten Containerschiffe fährt.
Am Institut für nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung in Taipeh bestätigen Militäranalysten: Sollte China Penghu einnehmen, könnten dort Artillerie und Langstreckenraketen stationiert werden, um die Hauptinsel Taiwan direkt unter Beschuss zu nehmen. Die strategische Relevanz der Inseln wächst damit stetig.
Taiwans Regierung reagiert: Elitesoldaten wurden nach Penghu verlegt, eine Drohneneinheit soll zu einem großen Bataillon ausgebaut werden. Taiwan benötigt nach eigenen Angaben rund 250.000 Drohneneinheiten – ein Blick auf die Ukraine, deren jährlicher Kriegsbedarf inzwischen bei vier Millionen Drohnen liegt, zeigt, wie groß die Lücke im Ernstfall wäre.
2.000 Bunker und eine Festung seit Jahrhunderten
Auf Penghu existieren rund 2.000 Bunker und Verteidigungsanlagen, viele davon aus den 1960er-Jahren. Der 23-jährige Geschichtsstudent Ian Way erforscht diese Anlagen an seiner Universität. In unterirdischen Gängen, die von Spinnen, Schlangen und Frösche bevölkert werden, findet er detaillierte Wandinschriften über gelagerte Nahrungsmittel, Medizin und Waffen.
An einer Bunkerwand steht geschrieben: „Sei immer bereit, dich selbst zu opfern, um die Nation zu retten.“ Die Anlage war darauf ausgelegt, dass Verteidiger bis zum letzten Soldaten kämpfen können. Heute erobert die Natur viele dieser Festungen langsam zurück.
Auch historische Kanonen aus der Qing-Dynastie – über 100 Jahre alt – sind auf den Inseln erhalten. Und die Volksrepublik China erhebt ebenfalls Anspruch auf Penghu, wie auf ganz Taiwan. Ein kürzlich in China fertiggestellter Propagandafilm namens „Die Schlacht um Penghu“ zeigt, wie ein Admiral die Inseln und anschließend Taiwan mit Gewalt „wiedervereinigt“. In die Kinos kam er bislang nicht – eine offizielle Begründung fehlt.
Fischer zwischen Fischgründen und Kriegsschiffen
Wer die Eskalation täglich hautnah erlebt, sind Penghus Fischer. Kapitän Wang Chunong fährt seit 40 Jahren auf die Taiwanstraße. Er berichtet, dass chinesische Fischerboote die Mittellinie in der Meerenge immer häufiger überqueren, um die Fischgründe rund um Penghu zu erreichen.
- Chinesische Boote nutzen andere Fangmethoden und beschädigen dabei taiwanische Netze.
- Chinesische Küstenwachenschiffe versuchen regelmäßig, taiwanische Fischer zu verdrängen.
- Kriegsschiffe der chinesischen Marine erschienen bereits in unmittelbarer Nähe.
- Taiwanische Fischer wurden teils aufgebracht und zum Festland verschleppt.
- Die Fischbestände schwinden – „immer mehr Schiffe, immer weniger Fische“, klagt Kapitän Wang.
Trotz allem fährt er weiter hinaus. Die Taiwanstraße ist seine Lebensgrundlage. Ein Krieg in diesem Seegebiet, warnen Experten, hätte massive Folgen für die Weltwirtschaft – von Deutschland über Australien bis Großbritannien.
Unsicherheit über US-Beistand wächst
Die größte Sorge in Taipeh gilt derzeit dem Verhalten der USA. Ein 14 Milliarden US-Dollar schweres Waffenpaket für Taiwan wurde vom US-Kongress Anfang 2026 zwar gebilligt, im Mai jedoch wegen des Irankriegs pausiert. Ein formelles Verteidigungsbündnis existiert ohnehin nicht – lediglich der Taiwan Relations Act von 1979 sichert Taiwan das Recht auf Selbstverteidigung zu und regelt Waffenlieferungen.
Regierungsnahe chinesische Kommentatoren zeigen sich unbeeindruckt. Victor Gao, der in Peking mit ausländischen Medien spricht, erklärt: „Keine Macht der Welt kann die Wiedervereinigung des chinesischen Volkes verhindern.“ Gleichzeitig zeigen Satellitenbilder einen Nachbau von Taiwans Hauptstadt Taipeh im Norden Chinas – offenbar ein Trainingsgelände für Militäroperationen.
In Taiwan selbst lehnen laut einer Umfrage vom Mai 2026 knapp 90 Prozent der Befragten eine Wiedervereinigung mit dem chinesischen Festland ab. Und der Elitesoldat Leo, ehemaliger Frogman-Kampfschwimmer, der heute auf Penghu als Tauchlehrer arbeitet, fasst die Lage nüchtern zusammen: „Im Kriegsfall kann Penghu nicht unendlich lange die Stellung halten. Es ist eine Frage von Tagen.“
Mit Regionalwahlen in Taiwan im November 2026 und anhaltenden Grauzonentaktiken Pekings – darunter tägliche Cyberangriffe und gezielte Desinformation in sozialen Medien – bleibt die Lage in der Taiwanstraße angespannt. Ob die USA im Ernstfall verlässlich an Taiwans Seite stehen würden, ist die Frage, die viele auf Penghu um den Schlaf bringt.
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