Pasterze schmilzt: Österreichs größter Gletscher in Gefahr

Dieses Video wurde am 14.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Pasterze Gletscher am Fuße des Großglockners in Kärnten ist Österreichs größter Gletscher – doch dieser Titel ist in Gefahr. Seit Jahren geht die Eisdicke kontinuierlich zurück, und Forscher warnen nun, dass das verbindende Eisband zwischen dem oberen Gletscher und der Gletscherzunge noch in diesem Jahr abreißen könnte. Schneller als erwartet entwickelt sich damit einer der markantesten Gletscher der Alpen zu einem dramatischen Symbol des Klimawandels.

Massiver Eisverlust an der Pasterze

Die Zahlen, die Gletscherforscher Anton Neureiter vorlegt, sind alarmierend. Über die gesamte Gletscherfläche betrachtet, verliert die Pasterze im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre rund 1,5 Meter Eis pro Jahr. Das aktuelle Jahr entwickelt sich noch deutlich negativer: Neureiter geht davon aus, dass 2026 mindestens zwei Meter Eismasse über die komplette Gletscherfläche verloren gehen werden.

Webcam-Aufnahmen und systematische Messungen, die Neureiter seit 2015 durchführt, dokumentieren den rasanten Rückgang eindrücklich. Die Daten zeigen, dass sich der Prozess beschleunigt – eine Entwicklung, die Klimawissenschaftler seit Jahren befürchtet haben.

Besonders kritisch ist die Situation an dem dünnen Eisband, das den oberen Teil des Gletschers mit der Gletscherzunge verbindet. Reißt dieses Band ab, wird die Gletscherzunge als sogenanntes Toteis zurückbleiben und innerhalb weniger Jahre vollständig verschwinden.

Jahrzehnte alter Müll kommt ans Licht

Der Rückgang des Eises bringt ein weiteres, lange verborgenes Problem ans Tageslicht: Müll aus vergangenen Jahrzehnten. Was einst achtlos ins vermeintlich „ewige Eis“ geworfen wurde, taucht nun durch das Abschmelzen an der Oberfläche auf.

Ein gemeinsames Team des Nationalparks Hohe Tauern und des Alpenvereins hat sich auf knapp 3.000 Metern Höhe zur Aufräumaktion aufgemacht. Allein an einem einzigen Einsatztag sammelten Markus Schiefer und seine Kollegen insgesamt neun große Säcke Müll ein – und das ist erst der Anfang: Experten schätzen, dass noch mehrere Tonnen im Eis verborgen sind und in den kommenden Jahren weiter freigelegt werden.

Die Aktion verdeutlicht, wie sehr frühere Generationen auf die vermeintliche Unvergänglichkeit des Gletschereises vertraut haben – ein Irrglaube, dessen Folgen nun sichtbar werden.

Bergsteiger spüren die Veränderungen unmittelbar

Für Bergsteigerinnen und Bergsteiger hat der Rückzug der Pasterze handfeste Konsequenzen. Routen, die früher über sanfte Gletscherflächen führten, sind heute gefährliches, zerklüftetes Gelände aus Fels und Eisgemisch.

  • Ehemalige Gletscherpfade sind durch Felsbruch und Schuttfelder ersetzt worden.
  • Die Orientierung im Hochgebirge wird schwieriger, da bekannte Wegmarken verschwinden.
  • Steinschlaggefahr nimmt zu, weil der Permafrost auftaut und Felsmassen destabilisiert.
  • Hüttenrouten müssen zunehmend neu bewertet und umgeleitet werden.

„Das lässt natürlich das Bergsteigerherz bluten“, bringt es einer der beteiligten Alpinisten auf den Punkt. Die emotionale Dimension des Gletscherschwundes ist für viele Menschen, die ihr Leben in und mit den Alpen verbracht haben, kaum zu überschätzen.

Pasterze als Symbol alpinen Klimawandels

Die Pasterze liegt rund 200 Kilometer östlich von Innsbruck im Bundesland Kärnten und ist eng mit dem Großglockner, Österreichs höchstem Berg, verbunden. Als größter Gletscher des Landes hat sie über Jahrhunderte das Bild der österreichischen Alpen geprägt. Doch selbst dieser Status steht auf dem Spiel: Forscher prognostizieren, dass die Pasterze schon bald nicht mehr als Österreichs größter Gletscher gelten wird.

Die Entwicklung an der Pasterze steht stellvertretend für einen alpenweiten Trend: Gletscher in den Alpen verlieren in einem noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbaren Tempo an Masse. Aufräumaktionen wie jene am Großglockner sind wichtig – sie machen die Verletzlichkeit alpiner Ökosysteme sichtbar und erinnern daran, wie dringend konsequenter Klimaschutz ist. Ob das abreißende Eisband der Pasterze noch in diesem Jahr zu einem endgültigen Einschnitt wird, beobachten Forscher mit wachsender Sorge.

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