Nischenfrüchte: Landwirte trotzen der Trockenheit

Dieses Video wurde am 18.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Klimawandel setzt der deutschen Landwirtschaft zu: Hitze und Wassermangel bedrohen klassische Kulturen wie Kartoffeln. Immer mehr Landwirte und Forschungseinrichtungen setzen deshalb auf Nischenfrüchte – auf Wassermelonen, Kiwis, Oliven und Mandeln. Doch ob diese exotischen Alternativen langfristig heimische Sorten ersetzen können, ist noch längst nicht ausgemacht. Die Experimente stecken in vielen Fällen noch in den Kinderschuhen, und selbst vielversprechende Kulturen stoßen beim deutschen Wetter schnell an ihre Grenzen.

Wassermelonen in Deutschland: Ein riskantes Experiment

Günther Schmied bewirtschaftet einen Hof in der Nähe von Halbron und baut dort hauptsächlich Kartoffeln an. Doch die litten in diesem Jahr besonders unter der anhaltenden Trockenheit. Umso erfreulicher für ihn: Seine Wassermelonen gedeihen prächtig. Seit einigen Jahren experimentiert Schmied mit der exotischen Frucht – nicht ohne Rückschläge.

Wassermelonen benötigen vergleichsweise wenig Wasser, dafür aber viel Sonne. Und davon gab es in diesem Sommer reichlich. Gleichzeitig gelten sie als anspruchsvoll: Sie mögen es im Frühjahr warm, was eine späte Pflanzung bedingt und damit auch einen späten Erntezeitpunkt. Zudem reagieren sie empfindlich auf Schwankungen bei der Bewässerung – weder zu viel noch zu wenig darf es sein.

Für Schmied bleibt das Anbaurisiko dennoch hoch: Ob das Wetter mitspielt und die Kundschaft die regionalen Melonen kauft, statt im Urlaub zu sein, ist von Jahr zu Jahr ungewiss. „Es wird eine Nische bleiben – aber eine schöne Nische“, resümiert der Landwirt. Dass Wassermelonen seine Kartoffeln ersetzen könnten, hält er für unrealistisch.

Forschung an Nischenfrüchten: Noch am Anfang

Im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Baden-Württemberg untersuchen Forschende systematisch, welche bislang eher aus südlichen Ländern bekannten Früchte unter deutschen Bedingungen gedeihen können. Auf dem Versuchsgelände wachsen unter anderem Kiwis, Oliven und Mandelbäume.

Doch auch die Wissenschaft gibt keine einfachen Antworten. Dieser Sommer erwies sich selbst für mediterrane Kulturen als zu heiß und zu trocken. Die Kiwi-Pflanzen etwa zeigten deutliche Schäden:

  • Kiwis bekamen sichtbaren Sonnenbrand und litten unter dem Wassermangel.
  • Oliven und Mandelbäume vertrugen die trockene Hitze besser als andere Kulturen.
  • Mandeln stehen jedoch vor einem anderen Problem: Fröste von minus 15 bis minus 18 Grad könnten viele Sorten im Winter vernichten.
  • Auch mit künstlicher Bewässerung geriet die Landwirtschaft an ihre Grenzen – dort, wo Wasser nicht hingebracht werden konnte, drohten Totalschäden.

Die Forschenden mahnen zur Geduld: Gesicherte Erkenntnisse darüber, welche Nischenfrüchte langfristig unter deutschen Klimabedingungen bestehen können, werden noch Jahrzehnte auf sich warten lassen. Pauschale Aussagen, bestimmte Kulturen kämen mit der Hitze grundsätzlich besser klar, seien verfrüht.

Winterhärte als entscheidender Faktor

Ein zentrales Problem bei der Einführung südländischer Früchte in Deutschland ist die Winterhärte. Während heiße und trockene Sommer vielen exotischen Kulturen entgegenkommen, können harte Winter die Pflanzen vollständig zerstören. Die Forschenden suchen daher gezielt nach winterharten Sorten, die sowohl die zunehmende sommerliche Hitze als auch die Fröste der Wintermonate überstehen.

Dieser Spagat macht die Züchtungs- und Anbauforschung besonders komplex. Es reicht nicht, eine Frucht zu finden, die im Sommer gut gedeiht – sie muss auch das gesamte Jahr überleben. Kulturen wie Mandeln zeigen, wie schnell eine vielversprechende Option an klimatischen Extremen scheitern kann.

Ausblick: Nische mit Potenzial, aber kein Allheilmittel

Die Experimente mit Nischenfrüchten zeigen: Der deutsche Ackerbau ist im Wandel, und Landwirte wie Günther Schmied sind bereit, neue Wege zu gehen. Doch die Hoffnung, exotische Kulturen könnten klassische Feldfrüchte wie Kartoffeln großflächig ersetzen, ist überzogen. Zu groß sind die Risiken durch Wetterunsicherheiten, mangelnde Winterhärte und die noch fehlende Marktreife.

Langfristig könnte ein diversifizierter Anbau – eine Mischung aus bewährten und neuen Kulturen – die Resilienz der deutschen Landwirtschaft stärken. Bis dahin bleibt es vor allem mutige Pioniere, die das Terrain sondieren. Die Forschung begleitet diesen Prozess – mit dem nötigen wissenschaftlichen Realismus.

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