Moorbrand Belgien: Teile im Griff, Nordosten kritisch

Dieses Video wurde am 18.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Moorbrand im Hohen Venn in Belgien ist teilweise unter Kontrolle, doch die Lage bleibt angespannt. Während die belgische Feuerwehr für rund drei Viertel der betroffenen Fläche Entwarnung geben kann, bereitet der nordöstliche Bereich – unmittelbar an der Grenze zur deutschen Eifelstadt Monschau – weiterhin ernste Sorgen. Wind, schwieriges Gelände und Torffeuer unter der Erde machen die Löscharbeiten zu einer der komplexesten Einsätze seit Jahren. Prognosen lassen sich nach Angaben von Einsatzkräften kaum für mehr als zwei Stunden im Voraus treffen, so schnell ändert sich die Lage.

Löschstrategie: Ringe um Brandherde schließen

Die belgische und deutsche Feuerwehr verfolgen eine gemeinsame Taktik: Kleinere Wasserringe werden um einzelne Brandherde gelegt und schrittweise zu größeren Absperrkorridoren ausgeweitet. Dieses Vorgehen hat auf rund drei Viertel der betroffenen Fläche bereits Wirkung gezeigt – die Nacht verlief dort vergleichsweise stabil.

Im Nordosten hingegen kommen die schweren Löschfahrzeuge auf den schmalen Moorwegen kaum voran. Erschwerend hinzu kommt, dass der einsetzende Regen zwar willkommen ist, gleichzeitig aber den Boden aufweicht und die Fahrzeuge vollends ausbremst. Dichter Bodennebel verhinderte am Morgen zudem den Einsatz von Löschhubschraubern.

Die deutsche Feuerwehr hat ihre Schwerpunkte mittlerweile auf belgisches Territorium verlagert, weil sie dort effektiver helfen kann als auf der eigenen Seite der Grenze.

Evakuierungen: Belgien entspannt sich, Deutschland wartet

In mehreren belgischen Ortschaften wurden die Evakuierungsanordnungen in der Nacht aufgehoben. So kehrten die Bewohner von Sourbrodt – einem Ort, der zeitweise nur noch als Einsatzzentrale von Polizei und Feuerwehr diente – in ihre Häuser zurück. König Philippe hatte das Dorf zuvor besucht.

Auf deutscher Seite hingegen dauern die Evakuierungen in Teilen von Monschau weiterhin an. Viele Betroffene mussten ihre Häuser innerhalb von zehn Minuten verlassen und konnten wichtige Dokumente nicht mehr mitnehmen. Einige versuchten, zurückzukehren – und wurden von den Behörden gestoppt.

  • Belgische Dörfer: Evakuierungen teils bereits aufgehoben
  • Monschau (Deutschland): Evakuierung in einem Ortsteil weiterhin aktiv
  • Nordostbereich des Hohen Venn: seit Tagen nicht vollständig kontrollierbar
  • Hubschraubereinsatz: durch Nebel zeitweise unmöglich

Torffeuer: Warum Löschen allein nicht reicht

Selbst wenn die sichtbaren Flammen vollständig gelöscht wären, wäre das Problem nicht behoben. Torf brennt unterirdisch – bis zu 15 Meter tief. Um ein erneutes Aufflammen dauerhaft zu verhindern, müsste die gesamte Fläche großflächig unter Wasser gesetzt werden. Einsatzkräfte rechnen damit, dass die Löscharbeiten Wochen bis Monate andauern könnten.

Das Hohe Venn ist das größte Naturschutzgebiet Belgiens und ein bedeutender CO₂-Speicher. Die durch die Brände freigesetzten Mengen an Kohlendioxid sind nach Expertenangaben erheblich. Zerstört wurden nicht nur Bäume und Sträucher, sondern auch einzigartige Tier- und Pflanzenlebensräume.

Renaturierung und politische Debatte

Die Frage, warum das Moor nicht längst wieder vernässt wurde, ist in Belgien keine neue – sie bekommt durch den Brand jedoch neue Dringlichkeit. Kritiker monieren, dass das Gebiet trotz absehbarer Austrocknung weiter für den Tourismus offengehalten wurde, anstatt es zumindest vorübergehend zu sperren.

Eine Vernässung des Moores gilt als teuer und komplex: Landnutzer – in Deutschland oft Landwirte, im Hohen Venn vor allem der Tourismus – müssten entschädigt werden. Konkrete Pläne für eine Renaturierung nach dem Brand existieren bislang nur in Ansätzen. Nach Angaben aus belgischen Behördenkreisen soll ein Masterplan erarbeitet werden – wann dieser vorliegt, ist jedoch offen.

Vorerst gilt die gesamte Aufmerksamkeit der Brandbekämpfung. Erst wenn das Feuer vollständig unter Kontrolle ist, kann mit einer systematischen Wiederherstellung des ökologisch wertvollen Gebiets begonnen werden – ein Prozess, der nach Einschätzung von Experten viele Jahre dauern wird.

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