Dieses Video wurde am 18.08.2026 von NTV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Friedrich Merz hat laut dem aktuellen RTL/NTV-Trendbarometer die schlechtesten Kanzler-Umfragewerte in der Geschichte des Forsa-Instituts erreicht. Nur 13 Prozent der Befragten zeigen sich mit seiner Arbeit zufrieden, während eine große Mehrheit von 85 Prozent unzufrieden ist. Gleichzeitig liegt die AfD in der politischen Stimmung mit 28 Prozent klar an der Spitze – weit vor der Union, die lediglich auf 21 Prozent kommt. Diese Zahlen fallen in eine politisch besonders heikle Phase: Weniger als drei Wochen vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt steht die Bundesregierung erheblich unter Druck.
Merz Umfragewerte auf historischem Tiefpunkt
Seit seinem Amtsantritt im Mai des Vorjahres haben sich die Zustimmungswerte für Bundeskanzler Merz kontinuierlich verschlechtert. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit startete er schwach, seither ist jedoch ein ungebrochener Abwärtstrend zu beobachten. Angekündigte Maßnahmen wie ein „Herbst der Reformen“, die Ausrufung der Wirtschaft zur Chefsache und die Durchsetzung einer Gesundheitsreform kurz vor der Sommerpause haben das Vertrauen der Bevölkerung nicht stärken können.
Politisch-Analyst Nikolaus Blume sieht die Ursachen weniger in einer konkreten Regierungsbilanz als im wachsenden Unmut an der CDU-Basis: Zweimal habe es bereits kurzlebige, aber intensive Aufstände innerhalb der Fraktion gegeben. Der erste kostete Fraktionschef Jens Spahn sein Amt. Welche Stimmung die Abgeordneten aus ihren Wahlkreisen nach der Sommerpause in den Bundestag mitbringen, könnte laut Blume entscheidend dafür sein, ob eine Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt eine unkontrollierbare Kettenreaktion auslöst.
AfD vorn, Union schwach – das Parteiengefüge im Überblick
Die aktuelle Parteienlandschaft im Trendbarometer zeigt ein klares Bild:
- AfD: 28 Prozent – Bestwert, klare Führung
- Union (CDU/CSU): 21 Prozent – sieben Punkte hinter der AfD
- Grüne: Platz 3, Wert stagniert
- SPD und Linke: gleichauf, ebenfalls festgezimmerte Werte
- FDP: weiterhin unter der Fünf-Prozent-Hürde
Auch das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Parteien hat sich verschoben. Vor fünf Jahren trauten rund 40 Prozent der Bevölkerung der Union zu, die Probleme Deutschlands am besten zu lösen – heute sind es nur noch 12 Prozent. Damit liegt die Union beim Thema Problemlösungskompetenz sogar hinter der AfD. Einzig beim Thema Wirtschaft genießt die Union noch das meiste Vertrauen, knapp vor der AfD. Bei der sozialen Sicherung führt die SPD, beim Thema Zuwanderung liegt die AfD klar vorne.
Sorgen der Bevölkerung: Wirtschaft schlägt Migration
Eine offene Befragung von Forsa – ohne Antwortvorgaben – zeigt deutlich, was die Menschen in Deutschland am stärksten bewegt. Nicht Migration, sondern die wirtschaftliche Lage steht mit fast 80 Prozent auf Platz eins der größten wahrgenommenen Herausforderungen. Dahinter folgt ein bemerkenswerter zweiter Platz: Politiker und Parteien selbst werden von jedem zweiten Deutschen als Problem empfunden – mit deutlich steigender Tendenz seit Mai. Soziale Sicherungssysteme nennen 42 Prozent, und erst auf Platz vier folgt mit deutlichem Abstand das Thema Migration.
Unter AfD-Anhängern sind die Gewichtungen ähnlich, jedoch mit höheren Werten: Nahezu alle sehen die Wirtschaftslage als größte Herausforderung. Migration spielt in dieser Gruppe eine deutlich gewichtigere Rolle als die soziale Sicherung – ein Indiz für ausgeprägte Abstiegsängste in diesem Wählersegment.
Hitze, Klimaanpassung und der Streit um das Grundgesetz
Neben der wirtschaftlichen Lage dominiert ein weiteres Thema die politische Debatte: die Folgen der Hitzewelle. Mehr als 12.000 Menschen sind in den vergangenen Monaten infolge der extremen Temperaturen gestorben. Rund 80 Prozent der Deutschen befürworten kurzfristige Wassersparpflichten in Trockenperioden. Beim Thema Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden priorisieren die Befragten klar: 95 Prozent fordern Nachrüstungen in Krankenhäusern, fast ebenso viele in Pflege- und Altenheimen, rund 80 Prozent in Schulen.
Die SPD fordert einen Hitzeschutz im Grundgesetz, die Union lehnt das ab. Experte Blume hält diese Maßnahme eher für eine symbolische Ersatzhandlung und rechnet nicht damit, dass sie tatsächlich umgesetzt wird. Die Debatte um Klimaanpassung werde jedoch in den kommenden Monaten erheblich an Fahrt gewinnen – stärker als bisher der Klimaschutz selbst.
Für die Bundesregierung bleibt die Lage angespannt: Wenige Wochen vor den Ostdeutschland-Wahlen zeigen die Umfragen keinen Aufwärtstrend. Ob wirtschaftliche Reformmaßnahmen noch rechtzeitig bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen – im sprichwörtlichen „Portemonnaie“ – wird die entscheidende Frage für den politischen Herbst sein.
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