Dieses Video wurde am 14.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Gemälde sorgt im Berliner Bode Museum für einen ungewöhnlichen Besucheransturm: Das offizielle Porträt von Angela Merkel zieht seit seiner Ausstellung am 1. Juli Tausende Menschen in das renommierte Haus auf der Museumsinsel. Die Besucherzahlen sind seither um rund 85 bis 90 Prozent gestiegen – ein Phänomen, das Museumsverantwortliche und Besucher gleichermaßen überrascht und fasziniert.
Das Merkel-Porträt: Mehr als ein Bild
Das Gemälde zeigt die Exkanzlerin mit ernstem Blick, in einem ihrer markanten blauen Blazer – eine bewusste Farbwahl, die staatstragende Würde ausstrahlen soll. Eine Bernsteinkette verleiht dem Bild eine persönliche Note: Sie gilt als Hommage an die Ostsee, mit der Merkel viele bedeutsame Erinnerungen verbindet.
Gesicht und Haltung wirken klar, konzentriert und ohne Schönfärberei. Besucher beschreiben den Ausdruck als „prägnant“ und „sehr realistisch“ – man erkenne die Ecken und Kanten einer Frau, die 16 Jahre lang an der Spitze Deutschlands stand.
Besucherzahlen im Bode Museum verdoppeln sich fast
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Museumsverantwortliche berichten von einem nachhaltigen Trend:
- Im Vorjahreszeitraum kamen durchschnittlich 550 Besucher pro Tag ins Haus.
- Seit dem 1. Juli verzeichnet das Museum rund 900 Besucher täglich.
- Der Anstieg beläuft sich auf 85 bis 90 Prozent.
- Der Trend hält laut Museumsleiterin bis heute ungebrochen an.
Damit hat sich das Merkel-Porträt zwischen bedeutenden Skulpturen und der renommierten Münzsammlung des Hauses zum Publikumsmagneten entwickelt – ein Effekt, den das Museum in dieser Form zuletzt selten erlebt hat.
Nostalgie und Sehnsucht nach Stabilität
Was treibt die Menschen ins Museum? Die Reaktionen der Besucher zeigen, dass das Porträt eine tiefe emotionale Saite trifft. Viele verbinden den Anblick des Gemäldes mit einem Gefühl von Vermissen und Rückbesinnung.
Besucher berichten, dass sie Merkel zu Zeiten ihrer Kanzlerschaft teils sehr kritisch gesehen hätten – politisch nicht immer auf einer Linie. Rückblickend jedoch überwiege die Erinnerung an eine stabile und verlässliche Regierungszeit. „Bei ihr wusste man, man kann sich drauf verlassen, dass sie es regelt“, beschreibt ein Besucher sein Empfinden.
Andere Besucher zeigen sich schlicht gerührt: „Ich habe gleich das Gefühl gehabt, dass ich sie vermisse“, sagt eine Besucherin. Das Bild sei „nicht unbedingt schmeichelhaft, aber sehr, sehr realistisch“ – man sehe eine Frau mit Profil und Haltung.
Nächste Station: Gemäldegalerie im Bundeskanzleramt
Das Merkel-Porträt ist noch bis zum 4. Oktober im Bode Museum zu sehen. Danach wechselt es in das Bundeskanzleramt, wo es in der Gemäldegalerie aller deutschen Kanzlerinnen und Kanzler seinen dauerhaften Platz finden wird.
Der außergewöhnliche Publikumserfolg des Gemäldes verdeutlicht, wie stark das Bild Merkels in der kollektiven Erinnerung verankert ist. In einer politisch unruhigen Zeit scheint das Porträt mehr zu sein als Kunst – es ist ein Spiegel gesellschaftlicher Sehnsüchte nach Kontinuität und ruhiger Führungsstärke. Ob dieser Hype anhält, wird sich spätestens nach dem Umzug ins Kanzleramt zeigen.
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