Dieses Video wurde am 07.05.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips ins Unermessliche – und davon profitieren nicht nur die großen Halbleitergiganten. LPKF Laser & Electronics, ein kleines Unternehmen aus dem niedersächsischen Garbsen, hat eine Schlüsseltechnologie für die Chipherstellung entwickelt, die es ins Rampenlicht der Anleger gebracht hat. Moritz Seifert, Chefredakteur von Business Insider, stellt das Unternehmen als interessante Investmentidee vor – und erklärt, warum der Markt erst jetzt reif dafür sein könnte.
LIDE-Verfahren: Präzise Glasbearbeitung auf Nanoebene
Das Herzstück von LPKF ist das sogenannte LIDE-Verfahren – kurz für Laser Induced Deep Etching. Dahinter verbirgt sich ein Prozess, bei dem Laserlicht statt mechanischer Gewalt eingesetzt wird, um Glas auf der Nanoebene hochpräzise zu bearbeiten.
Glas ist als Material äußerst attraktiv: Es ist hitzestabil, chemisch robust und ein guter Isolator. Sein größter Nachteil ist die Bruchanfälligkeit. Das LIDE-Verfahren adressiert genau dieses Problem und ermöglicht es, Glas in der Chipfertigung als Trägermaterial nutzbar zu machen.
Für die Halbleiterindustrie ist das ein bedeutender Fortschritt. Je mehr Chips benötigt werden und je dichter sie gepackt sein müssen, desto wichtiger werden präzise Fertigungsverfahren. Hier positioniert sich LPKF als unverzichtbarer Zulieferer.
Zu früh, zu klein – und jetzt genau richtig?
LPKF ist kein Neuling: Das Unternehmen hatte die Technologie bereits vor rund fünf Jahren weit entwickelt und zahlreiche Patente angemeldet. Das Problem damals war schlicht das Fehlen eines ausreichend großen Marktes.
Das könnte sich nun grundlegend ändern. Die wichtigsten Faktoren im Überblick:
- Der weltweite Bedarf an KI-Chips steigt rasant und kontinuierlich.
- Chips müssen immer dichter gepackt werden, was neue Fertigungstechnologien erfordert.
- LPKF hält wichtige Patente auf das LIDE-Verfahren und ist für viele Hersteller als Lieferant interessant.
- Als kleines Unternehmen kann bereits eine überschaubare Nachfrage großer Abnehmer einen enormen Hebel auf Umsatz und Aktienkurs entfalten.
- Der Aktienkurs legte zuletzt innerhalb eines Monats um mehr als 250 Prozent zu.
Die Investment-These folgt dem klassischen „Schaufelhersteller“-Prinzip: Wer in einem Goldrausch reich werden will, sollte Schaufeln verkaufen – also den Produzenten die notwendigen Werkzeuge liefern, statt selbst zu schürfen.
Analysten zurückhaltend – langfristiger Trend entscheidend
Die Analystengemeinde zeigt sich bislang verhalten. Da LPKF ein sehr kleines Unternehmen ist, decken nur wenige Experten den Wert ab. Die aktuellen Kursziele liegen sogar unter dem derzeitigen Kursstand – ein Zeichen dafür, dass die jüngste Rally die Prognosen überholt hat.
Seifert sieht das jedoch weniger als Warnsignal denn als typisches Muster bei schnell steigenden Nebenwerten. Analysten hinken in solchen Situationen oft hinterher.
Für Privatanleger empfiehlt er eine disziplinierte Herangehensweise: Wer nicht versucht, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu treffen, kann mit einem Sparplan kontinuierlich in den Wert investieren und so das Timing-Risiko minimieren. Alternativ könnte ein Rücksetzer nach der starken Rally einen günstigeren Einstiegspunkt bieten.
Einordnung: Chancen und Risiken im Blick behalten
LPKF Laser & Electronics ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie ein Megatrend wie künstliche Intelligenz auch abseits der bekannten Tech-Giganten Chancen schafft. Die Kombination aus patentierter Technologie, wachsendem Markt und geringer Unternehmensgröße birgt erhebliches Kurspotenzial.
Gleichzeitig gilt: Eine Kursrallye von über 250 Prozent innerhalb weniger Wochen ist immer auch ein Zeichen erhöhter Volatilität und damit eines gesteigerten Risikos. Anleger sollten den Wert sorgfältig beobachten, die eigene Risikobereitschaft kennen und LPKF allenfalls als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio betrachten. Ob der KI-getriebene Nachfrageschub dauerhaft anhält und LPKF als Zulieferer langfristig profitiert, wird die entscheidende Frage der kommenden Monate sein.
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