Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD greift nach Macht

Dieses Video wurde am 23.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt demonstriert die AfD-Führung maximale Siegeszuversicht. Parteichef Tino Chrupalla bekräftigte im ARD-Sommerinterview, die Partei stelle die „Machtfrage“. Co-Chefin Alice Weidel legte im ZDF noch nach: „Wir werden dort die Regierung stellen.“ Die AfD führt in aktuellen Umfragen mit über 40 Prozent – ein historischer Wert für eine Partei, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft.

AfD mit Absolute-Mehrheit als Ziel

Spitzenkandidat Ulrich Siegmund setzt auf eine Regierungsbildung ausschließlich mit absoluter Mehrheit – koalitionsfrei. Chrupalla formulierte es offener: Er wolle „allen die Hand ausstrecken, die mit uns reden wollen“. Den Eindruck einer klaren Brandmauer nach rechts wolle man dabei jedoch vermeiden. Weidel ergänzte mit einer bundesweiten Kampfansage: Die CDU werde „nie wieder eine Bundestagswahl gewinnen“.

Inhaltlich fiel auf, dass Weidel offen fordert, Deutschland aus dem Schengen-Raum herauszulösen. Chrupalla verteidigte das umstrittene Vorhaben einer freiwilligen Bürgerwacht in Sachsen-Anhalt – ein Konzept, das alle drei Polizeigewerkschaften im Land ablehnen.

Neonazi-Verbindungen im Umfeld des Spitzenkandidaten

Kritische Fragen begleiteten das Sommerinterview: Vertraute von Spitzenkandidat Siegmund haben Verbindungen zur 2009 verbotenen Heimatreuen Deutschen Jugend (HDJ). Pressesprecher Patrick Harr und der Jurist Laurens Nothdurft – Unterlagen zeigen, dass Letzterer zweiter Bundesführer des neonazistischen Verbands war – gehören zu Siegmunds engstem Umfeld.

Chrupalla wiegelte ab: Jugendsünden seien „aus dem Kontext gerissen“. Ob diese Personen im Fall einer Regierungsübernahme wichtige Ämter erhielten, ließ er offen. ARD-Korrespondent Markus Preiß fasste zusammen: Die AfD wirkt in dieser Wahlkampfphase „unglaublich siegesgewiss“ – und legt wenig Wert darauf, als Partei mit klarer Abgrenzung nach rechtsaußen wahrgenommen zu werden.

Klimaschutz: Chrupalla zweifelt trotz Extremsommer

Trotz eines Sommers mit Waldbränden, Niedrigwasser und Hitzetoten zweifelt Chrupalla weiterhin am menschengemachten Klimawandel – entgegen dem wissenschaftlichen Konsens. Er sehe „viel Panikmache“ und bewertete den Sommer als normal. Die AfD lehnt Klimaschutzmaßnahmen grundsätzlich ab.

Weitere Meldungen: EVG, Ukraine, NRW-Jubiläum und Sport

Neben der Sachsen-Anhalt-Wahl bestimmten weitere Themen die Nachrichtenlage:

  • Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG droht ab Januar mit der Blockade des Regionalverkehrs, sollten keine schärferen Strafen für Angriffe auf Zugpersonal kommen – ausgelöst durch den Tod des Zugbegleiters Serkan Calar.
  • Außenminister Wadephul besuchte Charkiw kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine – unter wiederholtem Luftalarm. Konkrete Hilfe etwa mit Patriot-Raketen konnte er nicht mitbringen.
  • Die Zollverhandlungen zwischen den USA und Kanada scheiterten: Washington erhebt nun 50-Prozent-Zölle auf kanadische Waren; Premier Carney sprach von einem wirtschaftlichen „Krieg“.
  • Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein feiern ihr 80-jähriges Bestehen – beide Länder wurden 1946 von der britischen Besatzungsmacht gegründet.
  • Bayern München gewann den DFB-Supercup 2026 gegen Borussia Dortmund mit 2:1. Den Gesamtsieg der Deutschland-Tour sicherte sich der Mexikaner Isaac del Toro.

Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dürfte weit über das Bundesland hinaus Signalwirkung haben. Gelingt der AfD eine Regierungsbeteiligung oder gar eine Alleinregierung, wäre das ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik – und eine Zäsur im politischen System Deutschlands.

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