Dieses Video wurde am 18.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Trotz massiver Einschränkungen durch die Taliban haben Frauen in Afghanistan ein bemerkenswertes Wirtschaftsprojekt ins Leben gerufen: Kased, Afghanistans erstes und größtes Online-Busticket-Portal. Die Plattform verbindet mehrere Transportunternehmen und ermöglicht Fahrgästen, ihre Tickets bequem über das Internet zu buchen. Das Projekt zeigt, wie Afghaninnen trotz politischer und gesellschaftlicher Repression Wege finden, am Erwerbsleben teilzunehmen – und anderen Frauen dabei neue Perspektiven eröffnen.
Frauen in Afghanistan: Zwischen Repression und Erfindergeist
Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht vor fünf Jahren sind afghanische Frauen mit drastischen Einschränkungen konfrontiert. Sie dürfen in weiten Teilen des Landes das Haus nicht ohne einen männlichen Familienangehörigen verlassen. Bildungszugang, Bewegungsfreiheit und das Recht auf Arbeit sind stark beschnitten.
In diesem Umfeld ist die Gründung eines funktionierenden Unternehmens durch Frauen mehr als eine wirtschaftliche Leistung – sie ist ein Akt des zivilen Mutes. Kased operiert dabei nicht im Verborgenen: Das Unternehmen benötigt und besitzt die ausdrückliche Genehmigung der Taliban, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Dieses Spannungsfeld zwischen Systemkonformität und weiblicher Selbstermächtigung kennzeichnet die gesamte Initiative.
Wie Kased funktioniert und warum es zählt
Das Geschäftsmodell von Kased ist einfach, aber wirkungsvoll. Reisende buchen ihre Bus- und Fahrkarten über eine digitale Plattform, anstatt persönlich an Schaltern vorstellig werden zu müssen. Mehrere Transportunternehmen sind angebunden, was die Auswahl vergrößert und den Wettbewerb fördert.
Mitarbeiterin Tamanna Mohammadi etwa liefert in Kabul Tickets aus, die Kunden über die App oder Website gebucht haben. Solche Tätigkeiten erlauben es Frauen, in einem klar definierten, genehmigten Rahmen erwerbstätig zu sein – und dennoch wirtschaftliche Unabhängigkeit zu gewinnen.
- Kased ist Afghanistans erste Online-Busticket-Plattform
- Mehrere Transportunternehmen sind über das Portal vernetzt
- Buchungen erfolgen vollständig digital – ohne physischen Schalterbesuch
- Der Betrieb ist offiziell durch die Taliban genehmigt
- Frauen sind in Kernbereichen des Unternehmens beschäftigt
Digitalisierung als Strategie gegen Ausgrenzung
Die Gründerinnen verfolgen einen Ansatz, der über den bloßen Ticketverkauf hinausgeht: Sie wollen den gesamten Reise- und Transportsektor Afghanistans digitalisieren. Das soll Fahrgästen Zeit und Geld sparen und gleichzeitig mehr Arbeitsplätze für Frauen und Mädchen schaffen.
Digitale Infrastruktur kann in einem repressiven Umfeld besondere Schutzwirkung entfalten. Wer von zu Hause aus oder in klar abgegrenzten Bereichen arbeitet, ist weniger auf öffentliche Mobilität angewiesen – eine entscheidende Hürde für Afghanas im Erwerbsleben. Der digitale Ansatz ist daher nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern strategisch klug.
Die Expansion über Kabul hinaus ist bereits geplant. Eine landesweite Ausbreitung von Kased würde nicht nur den Transportmarkt modernisieren, sondern potenziell Tausenden weiteren Frauen Zugang zum Arbeitsmarkt verschaffen.
Ein Funken Hoffnung für die nächste Generation
Die Frauen hinter Kased gelten in Afghanistan zunehmend als Vorbilder – insbesondere für junge Frauen und Mädchen, denen der Zugang zu formaler Bildung und Berufsleben weitgehend verwehrt ist. Unternehmerischer Mut unter den Bedingungen des Taliban-Regimes ist selten; sichtbare Erfolgsbeispiele sind daher umso wertvoller.
Ob Kased seine Expansionspläne realisieren und seinen Schutzraum dauerhaft verteidigen kann, bleibt angesichts der politischen Lage ungewiss. Doch das Projekt zeigt: Selbst unter extremem Druck entstehen Initiativen, die gesellschaftliche Realitäten verschieben können – langsam, aber messbar. Für Frauen in Afghanistan ist das mehr als ein Geschäftsmodell. Es ist ein Zeichen, dass Handlungsspielräume existieren, auch wenn sie hart erkämpft werden müssen.
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