Karoline Leavitt tritt als Pressesprecherin zurück

Dieses Video wurde am 14.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, tritt Ende August 2025 von ihrem Amt zurück. Die 28-Jährige ist die jüngste Person, die diesen Posten je bekleidet hat. Als offizielle Begründung nennt sie den Wunsch, mehr Zeit mit ihren zwei kleinen Kindern verbringen zu wollen. Präsident Donald Trump hat bereits angekündigt, dass Leavitt ihm künftig als externe Beraterin zur Seite stehen wird. Ihr Abgang hinterlässt eine spürbare Lücke in der Kommunikationsstrategie der Trump-Administration.

Eine kämpferische Pressesprecherin verlässt das Podium

Kaum eine Amtsinhaberin hat die Pressekonferenzen im Weißen Haus so geprägt wie Karoline Leavitt. Sie trat regelmäßig in offenen Konfrontationen mit Journalisten auf, bezeichnete kritische Medien pauschal als „Fake-News-Medien“ und scheute keine persönlichen Angriffe auf einzelne Reporter. Ihre Aussagen – etwa, dass der Golf vor der Küste Louisianas offiziell „Golf von Amerika“ heiße, oder ihre Bezeichnung eines Journalisten als „left-wing hack“ – sorgten wiederholt für Schlagzeilen.

Laut Politikexperte Mark Shanahan von der Universität Surrey war Leavitt eine herausragende Fürsprecherin für Trump: „Sie war sehr gut darin, den Stil und den Ton ihres Chefs zu imitieren und seine Botschaften auf kraftvolle Weise zu vermitteln.“ Shanahan betont jedoch auch, dass sie in erster Linie die Botschaft der Administration transportierte – weniger dazu da war, kritische Fragen der Presse zu beantworten.

Wie Leavitt den Presseraum veränderte

Unter Leavitts Amtszeit veränderte sich die Dynamik zwischen Weißem Haus und Pressecorps grundlegend. DW-Korrespondent Misha Komadowsky berichtet, dass deutlich mehr Journalisten die Pressekonferenzen besuchen wollten – bei gleichbleibender Sitzplatzzahl. Auffällig war auch der Einzug von konservativen Bloggern und Influencern in den Briefing Room, die teils ihre Fragen mit Lob für Präsident Trump einleiteten.

Die Pressekonferenzen wurden offener konfrontativ. Journalisten mussten sich an ein Weißes Haus gewöhnen, das bereit war:

  • Die Prämisse von Fragen öffentlich anzugreifen
  • Die Glaubwürdigkeit einzelner Reporter in Frage zu stellen
  • Den Briefing Room als Plattform für Trumps Kernwählerschaft zu nutzen
  • Konservative Medienschaffende bevorzugt zu akkreditieren

Komadowsky fasst zusammen: „Sie hat die Beziehung zwischen dem Weißen Haus und dem Pressecorps fundamental verändert.“

Überraschender Zeitpunkt des Rücktritts

Der Abgang kommt für viele Beobachter überraschend. Leavitt kehrte erst kürzlich nach einem Mutterschaftsurlaub in ihren Posten zurück. Shanahan zeigt sich verwundert: „Wenn sie im April oder Juli entschieden hätte, nicht zurückzukehren, hätte das niemanden groß überrascht. Aber sie ist zurückgekehrt, war rund einen Monat im Amt – und tritt nun ab.“ Er schließt nicht aus, dass es weitere, bisher nicht öffentliche Gründe für die Entscheidung geben könnte.

Leavitt selbst erklärte, nach ihrer Rückkehr erkannt zu haben, dass sie ihren Kindern nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken könne, während sie gleichzeitig einem der anspruchsvollsten Jobs in Washington gerecht werden wolle.

Karriere nach dem Weißen Haus: Medien, Beratung oder Politik?

Für ehemalige Pressesprecher gibt es einen bewährten Pfad: das Fernsehen. Jen Psaki, Sprecherin unter Biden, moderiert heute beim Sender MSNBC. Kayleigh McEnany, Trumps Sprecherin in seiner ersten Amtszeit, ist Fox-News-Moderatorin. Experten halten es für wahrscheinlich, dass Leavitt einen ähnlichen Weg einschlägt – etwa als Kommentatorin bei Fox News oder in einer anderen Rolle im konservativen Medienbetrieb.

Politisch ist Leavitt keineswegs abgeschrieben. Sie kandidierte 2022 erfolglos für den US-Kongress – allerdings in einem demokratisch geprägten Wahlkreis in New Hampshire. Shanahan ist überzeugt: „Wenn sie den richtigen Wahlkreis findet und der Trumpismus in der Republikanischen Partei weiter dominiert, wird sie in den Kongress einziehen.“ Ihre enge Bindung an die MAGA-Bewegung und ihre Fähigkeit, deren Sprache authentisch zu sprechen, machen sie zu einer gefragten Figur – sowohl für Kandidaten, die im Midterm-Wahlkampf Unterstützung suchen, als auch für die konservative Medienwelt. Wer Leavitts Posten übernehmen wird, ist bislang offen – Beobachter rechnen mit einer Nachfolge aus dem rechtsbürgerlichen Broadcast-Umfeld.

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