Dieses Video wurde am 19.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Seit der COVID-19-Pandemie hat sich das Wertegefüge junger Menschen in Deutschland spürbar verschoben: Die junge Generation legt deutlich mehr Wert auf finanzielle Sicherheit und stabile Arbeitsverhältnisse als noch vor 2020. Das zeigen aktuelle Forschungsdaten, die einen anhaltenden Trend seit Pandemiebeginn belegen. Steigende Mieten, wachsende Lebenshaltungskosten und internationale Krisen verstärken das Sicherheitsbedürfnis zusätzlich.
Geld und Jobsicherheit gewinnen seit 2020 an Bedeutung
Seit dem Jahr 2020 lässt sich in Studien eindeutig beobachten: Finanzielle Anreize und ein sicherer Arbeitsplatz sind für junge Menschen wichtiger geworden als in früheren Generationen. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag gilt heute als besonders erstrebenswertes Ziel.
Besonders gefragte Arbeitgeber sind dabei der öffentliche Dienst und der Gesundheitsbereich — beide stehen für verlässliche Beschäftigung und tariflich geregelte Bezahlung. Diese Präferenzen spiegeln das gestiegene Sicherheitsbedürfnis wider, das durch mehrere gleichzeitige gesellschaftliche Belastungen entstand.
Zu den Haupttreibern dieses Wandels zählen laut Forschenden:
- Die Nachwirkungen der Pandemie und das damit verbundene Unsicherheitsgefühl
- Stark steigende Miet- und Lebenshaltungskosten
- Internationale Krisen und Kriege, die als bedrohlich wahrgenommen werden
- Die Erfahrung wirtschaftlicher Instabilität in jungen Berufsjahren
Zuversicht im Kleinen, Skepsis gegenüber der Gesellschaft
Ein auffälliges Muster zeigt sich beim Blick auf die Zuversicht junger Menschen: Sie sind grundsätzlich optimistisch, was ihr eigenes Leben und ihre persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten angeht. In Bezug auf die Gesellschaft jedoch wächst die Skepsis.
Das Vertrauen in die Politik nimmt ab. Auch die Überzeugung, dass die Demokratie in ihrer jetzigen Form dauerhaft Bestand haben wird, schwindet unter jungen Menschen zunehmend. Viele fühlen sich außerdem zu wenig an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt — ein Befund, der auf ein strukturelles Defizit in der politischen Partizipation hindeutet.
Gleichzeitig driften die Einstellungen innerhalb der jungen Generation auseinander. Sowohl berufliche Wertvorstellungen als auch gesellschaftliche Haltungen zeigen seit 2020 eine wachsende Polarisierung innerhalb der Altersgruppe.
Wertewandel: Eine deutliche Verschiebung gegenüber früheren Generationen
Forschende, die diesen Bereich seit Jahren beobachten, ordnen die aktuellen Daten als klare Zäsur ein. Der beschriebene Wertewandel ist keine kurzfristige Reaktion, sondern ein sich verfestigender Trend. Die Kombination aus Pandemie-Trauma, wirtschaftlichem Druck und geopolitischer Unsicherheit hat dazu geführt, dass Sicherheitsdenken in der Lebensplanung junger Menschen strukturell verankert ist.
Diese Entwicklung markiert eine deutliche Abkehr vom Bild der freiheitsorientierten Jugend früherer Jahrzehnte, die Selbstverwirklichung und Abenteuerlust in den Vordergrund stellte. Heute dominiert pragmatisches Denken.
Potenzial und Engagement: Kein Grund zum Pessimismus
Trotz der beschriebenen Sorgen und des wachsenden Misstrauens gegenüber politischen Institutionen wäre ein pauschales Pessimismus-Urteil verfehlt. Die Forschung zeigt auch: Die junge Generation ist kritikfähig, ideenreich und engagiert.
Viele junge Menschen wollen aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen — auch gegenüber älteren Generationen — und sich für übergeordnete Ziele einsetzen. Der entscheidende Befund dabei: Die große Mehrheit möchte in einer Demokratie leben und ist bereit, sich für deren Erhalt einzusetzen.
Das verweist auf eine Generation, die trotz Verunsicherung über erhebliches gesellschaftliches Potenzial verfügt — sofern Politik und Gesellschaft ihr auch tatsächliche Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, dürfte die gesellschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre entscheidend prägen.
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