Jamal Musiala: Absencen und die Folgen für seine Karriere

Dieses Video wurde am 19.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Beim FC-Bayern-Star Jamal Musiala sorgen wiederholte Absencen für Aufsehen – und Besorgnis. Innerhalb weniger Tage erlebte der 23-Jährige zwei Episoden, bei denen er kurzzeitig das Bewusstsein verlor: zunächst am Samstag beim Training, dann erneut beim Testspiel gegen den FC Heidenheim, in das er nach ärztlicher Freigabe eingewechselt worden war. Der FC Bayern setzt vorerst auf medikamentöse Behandlung und enge neurologische Betreuung. Musiala selbst gab sich auf Instagram kämpferisch und optimistisch – ein Haltung, die angesichts seiner bewegten Karriere bemerkenswert ist.

Absencen: Was steckt hinter der Erkrankung?

Absencen sind eine Form von epileptischen Anfällen, bei denen Betroffene für kurze Zeit das Bewusstsein verlieren, ohne zu stürzen oder zu krampfen. Medizinisch handelt es sich um ein neurologisches Phänomen, das häufiger bei Kindern und Jugendlichen auftritt – Musiala mit 23 Jahren fällt noch in eine vergleichsweise junge Altersgruppe.

Das Besondere an diesem Fall: Anders als eine Muskelverletzung oder ein Knochenbruch lässt sich bei neurologischen Erkrankungen kaum eine genaue Genesungsprognose stellen. Wie schnell der Körper auf Medikamente anspricht und welche Belastungen langfristig möglich sind, bleibt zunächst offen.

Musiala wird sowohl von der medizinischen Abteilung des FC Bayern als auch von externen Neurologen betreut. Diese zweite Meinung hatte dem Verein zunächst grünes Licht für eine Spielteilnahme gegeben – bevor die zweite Absence eintrat.

Vergleiche mit Christian Eriksen – und die Unterschiede

Viele Fans zogen spontan Parallelen zum Fall des dänischen Fußballprofis Christian Eriksen, der beim EM-Spiel gegen Finnland im Jahr 2021 auf dem Spielfeld zusammenbrach. Eriksen hatte einen Herzstillstand erlitten, musste reanimiert werden und trägt seitdem einen Defibrillator.

Der entscheidende Unterschied: Bei Musiala handelt es sich um ein neurologisches, nicht um ein kardiales Problem. Die Situation ist medizinisch damit deutlich weniger akut lebensbedrohlich – wenngleich auch Absencen im Leistungssport nicht zu unterschätzen sind.

  • Eriksen: Herzstillstand, Reanimation, Defibrillator-Implantation
  • Musiala: Wiederholte Absencen, aktuell medikamentöse Behandlung
  • Gemeinsamkeit: Beide Fälle betrafen junge Profis auf dem Zenit ihrer Karriere
  • Musiala ist bislang der einzige Profi, der so offen mit einer Absencen-Diagnose an die Öffentlichkeit gegangen ist

Eine bewegte Karriere – und ein weiterer Rückschlag

Die aktuelle Erkrankung trifft Musiala zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor rund einem Jahr hatte er sich beim Klub-Weltpokal das Wadenbein gebrochen – ohne eigenes Verschulden, infolge eines groben Foulspiels. Der Weg zurück war lang und beschwerlich.

Hinzu kommen weitere enttäuschende Momente: das frühe Ausscheiden Deutschlands bei der WM 2022 in Katar, eine Rückrunde beim FC Bayern, die nicht vollständig überzeugte, sowie eine WM, bei der er hinter den eigenen Erwartungen blieb. Dabei hat Musiala individuell stets starke Leistungen gezeigt und sich eine große Fangemeinde erspielt.

Nun kommt mit den Absencen ein Problem hinzu, das schwerer einzuordnen ist als jede physische Verletzung – auch psychologisch. Denn wer kurzzeitig die Kontrolle über den eigenen Körper verliert, muss das Vertrauen in sich selbst erst wieder aufbauen.

FC Bayern plant weiter mit Musiala

Trotz der Unsicherheiten plant der FC Bayern fest mit seinem Schlüsselspieler. Laut Vereinsangaben – unter anderem bekräftigt durch Oliver Hörness in einem RTL-Interview – sei dem Verein die Erkrankung bereits seit Längerem bekannt. Man habe Musiala volle Unterstützung zugesagt und werde keine personellen Konsequenzen ziehen.

Das Training wurde bereits dosiert, um Stress und körperliche Belastung zu reduzieren. Der Fokus liegt nun darauf, die Ursachen der Anfälle genau zu identifizieren und die medikamentöse Einstellung zu optimieren.

Musiala selbst hat öffentlich signalisiert, dass er fest an seine vollständige Rückkehr glaubt – sowohl zum FC Bayern als auch in die deutsche Nationalmannschaft. Mit erst 23 Jahren hat er Zeit. Wie schnell und in welcher Form diese Rückkehr gelingt, wird von seinem Körper und dem Verlauf der Behandlung abhängen. Sein Fall könnte zudem dazu beitragen, das Thema neurologischer Erkrankungen im Profifußball stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.

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