Jahreszeitenwechsel: Wie Herbst Körper und Psyche beeinflusst

Dieses Video wurde am 23.09.2026 von NTV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Mit dem Jahreszeitenwechsel in den Herbst verändert sich nicht nur die Natur – auch Körper und Psyche des Menschen reagieren auf die kürzeren Tage, sinkenden Temperaturen und das wechselhafte Wetter. Studien belegen, dass der Übergang von der warmen zur kalten Jahreszeit den Hormonhaushalt, die Energie und die Stimmung spürbar beeinflusst. Wer die Hintergründe kennt, kann gezielt gegensteuern und die schönen Seiten des Herbstes genießen.

Weniger Licht: Was der Herbst mit dem Hormonhaushalt macht

Der entscheidende Faktor beim Jahreszeitenwechsel ist das Tageslicht. Ab der Herbst-Tagundnachtgleiche werden die Tage kürzer – und damit sinkt die Lichtmenge, die unser Körper täglich aufnimmt. Das hat direkte Folgen für zwei wichtige Hormone:

  • Serotonin (das sogenannte Glückshormon) wird bei weniger Licht in geringeren Mengen produziert.
  • Melatonin (das Schlafhormon) steigt hingegen an, was zu mehr Müdigkeit und Trägheit führt.
  • Gleichzeitig benötigt der Körper bei kalten Temperaturen mehr Energie, was die allgemeine Erschöpfung verstärken kann.

Das Ergebnis: Viele Menschen ziehen sich zurück, suchen Ruhe und Komfort und erleben häufigere Stimmungsschwankungen. Das ist keine Einbildung, sondern eine physiologisch erklärbare Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen.

Drei Tipps, um gut durch den Herbst zu kommen

Gegen die typischen Herbstbeschwerden lässt sich aktiv vorgehen. Experten empfehlen vor allem drei Maßnahmen:

1. Bewusst Licht und Sonne tanken: Schon ein Spaziergang von 20 bis 30 Minuten zur Mittagszeit kann den Serotonin- und Melatoninspiegel positiv beeinflussen. Bewegung im Freien wirkt zusätzlich der Müdigkeit entgegen.

2. Ernährung anpassen: Im Herbst steigt der Nährstoffbedarf. Vitamin C ist besonders wichtig – eine Paprika pro Tag deckt bei Erwachsenen bereits den empfohlenen Tagesbedarf. Ebenso hilfreich ist eine tryptophanreiche Ernährung: Die Aminosäure Tryptophan, die in Fisch, Fleisch, Käse und Hülsenfrüchten vorkommt, ist eine wichtige Vorstufe für die Serotonin-Produktion.

3. Schlafhygiene verbessern: Der Körper braucht im Herbst schlicht mehr Erholung. Regelmäßige Schlafzeiten und ausreichend Nachtruhe helfen, den veränderten Hormonrhythmus zu stabilisieren.

Herbst-Mythen auf dem Prüfstand

Rund um den Herbst kursieren einige hartnäckige Irrtümer, die sich mit einem Blick auf die Studienlage schnell entkräften lassen:

  • „Wer friert, wird krank“ – Falsch. Kälte allein löst keine Erkältung aus. Sie kann allenfalls das Immunsystem leicht schwächen, aber Viren sind die eigentliche Ursache.
  • „Im Herbst nimmt man automatisch zu“ – Nur bedingt richtig. Zwar greifen viele Menschen häufiger zu Soulfood und kalorienreicheren Gerichten. Studien zeigen jedoch, dass die tatsächliche Gewichtszunahme so gering ist, dass sie kaum ins Gewicht fällt.
  • „Im Herbst wird die Stimmung grundsätzlich schlechter“ – Nicht zwingend. Stimmungsschwankungen sind möglich, müssen aber nicht auftreten. Erst wenn sich Antriebslosigkeit und Melancholie über Wochen festsetzen, spricht man von einem sogenannten Herbstblues – die schwerste Form ist die klinisch anerkannte Winterdepression.

Die schönen Seiten des Herbstes

Der Herbst hat trotz aller körperlicher Umstellung auch viel zu bieten. Die Natur präsentiert sich mit leuchtendem Blattwerk von ihrer farbenfrohsten Seite – ideal für Spaziergänge und Wanderungen. Sport im Freien fällt bei moderaten Temperaturen vielen Menschen deutlich leichter als in der sommerlichen Hitze, und auch die langen, schweißtreibenden Tropennächte gehören der Vergangenheit an.

Dazu kommt das kulturelle Phänomen Coziness: Abende mit Freunden verlagern sich nach drinnen, der Kleiderschrank wird abwechslungsreicher, und das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Wärme wächst. Wer den Jahreszeitenwechsel bewusst annimmt – mit ausreichend Licht, einer angepassten Ernährung und genug Ruhe – kann den Herbst als Einladung zur Entschleunigung begreifen, statt ihn zu fürchten.

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