Dieses Video wurde am 06.05.2026 von NTV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Iran-Konflikt zeichnet sich nach einer Reihe gescheiterter militärischer Aktionen eine diplomatische Wende ab. Politikwissenschaftler Clemens Fischer analysiert die Lage nüchtern: Weder Flächenbombardierungen noch gezielte Angriffe auf die iranische Marine noch die jüngste Aktion in der Straße von Hormus hätten die Ziele der USA erreicht. Damit bleibe als einziger realisierbarer Weg der Verhandlungstisch – auch wenn die Hoffnungen auf einen echten Durchbruch mit Vorsicht zu genießen sind.
Militärische Mittel am Ende ihrer Wirkung
Die USA sind dem Iran militärisch klar überlegen – und dennoch hat diese Überlegenheit keine entscheidenden Ergebnisse gebracht. Fischer verweist auf ein historisches Muster: Technisch hochgerüstete Armeen scheitern regelmäßig daran, ihre Waffenwirkung tatsächlich auf dem Boden durchzusetzen.
Als Vergleich nennt er den Sowjetunion-Einsatz in Afghanistan sowie den späteren US-Rückzug nach 20 Jahren Krieg. „Wir erleben eigentlich dasselbe“, so Fischer. Ein hochgerüsteter Staat könne die militärische Überlegenheit nicht in einen politischen Sieg ummünzen, wenn der Gegner bereit ist, einen langen Konflikt durchzuhalten.
Diplomatie komme laut Fischer stets dann zum Zug, wenn beide Seiten erkennen, dass sie auf dem Gefechtsfeld keinen Erfolg mehr herbeiführen können. Entscheidend sei dabei, dass keine Seite als klarer Verlierer dastehen darf – jede Partei müsse das Ergebnis innenpolitisch als Erfolg verkaufen können.
Das Atomprogramm als Schlüsselfrage
Im Zentrum jedes möglichen Kompromisses steht das iranische Atomprogramm. Fischer sieht hier durchaus Spielraum für eine Einigung, auch wenn die Ausgangslage komplex ist. Als realistisches Szenario nennt er ein Moratorium: Der Iran könnte sich verpflichten, für zehn bis zwanzig Jahre keine weitere Forschung in diesem Bereich zu betreiben.
Mögliche Eckpunkte eines Kompromisses:
- Zeitlich begrenztes Moratorium der iranischen Atomforschung (10–20 Jahre)
- Internationale Überwachung bereits angereicherter Uranbestände per Satellit
- Keine physische Bergung der Uranstäbe, da diese ohnehin zugeschnitten sind
- Verbleib des Iran als Verhandlungspartner mit gesichtswahrendem Ergebnis
Aus Sicht der USA könnte ein solches Abkommen funktionieren. Die entscheidende offene Frage bleibt jedoch, ob Israel einem solchen Deal zustimmen würde.
Irans Regime: Geschwächt oder gestärkt?
Paradoxerweise könnte das Mullah-Regime aus diesem Konflikt gestärkt hervorgehen – allein durch sein Überleben. Zwar sei es gelungen, die erste und teils zweite Führungsriege des Regimes auszuschalten. Doch an deren Stelle trat eine jüngere dritte Riege, die laut Fischer ideologisch genauso ausgerichtet sei wie ihre Vorgänger.
„Dass es überlebt hat, ist schon ein Sieg für das Mullah-Regime“, stellt Fischer fest. Hinzu komme, dass der Konflikt das Regime gewissermaßen verjüngt habe – mit möglicherweise langfristigen Folgen für die Stabilität der Region.
Libanon im Schatten des Iran-Krieges
Weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit hat Israel im Windschatten der US-Angriffe auf den Iran auch den Libanon angegriffen. Israel bezeichne dies bewusst nicht als Krieg gegen den Libanon, sondern als Kampf gegen die Hisbollah – ein propagandistisch wirksames Framing.
Fischer kritisiert, dass Israels Vorgehen im Südlibanon teils völkerrechtswidrig sei, international aber kaum Konsequenzen nach sich ziehe. Langfristig gewinne Israel damit jedoch nur Zeit: Die Hisbollah ziehe sich zurück, werde aber irgendwann in die Pufferzone zurückkehren.
Der Iran-Konflikt verdeutlicht damit ein grundlegendes Dilemma moderner Kriegsführung: Militärische Überlegenheit allein erzwingt keinen politischen Frieden. Ob die nun angedeutete diplomatische Öffnung tatsächlich zu einer dauerhaften Lösung führt, hängt von der Kompromissbereitschaft aller beteiligten Akteure ab – allen voran der USA, des Iran und Israels.
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