Dieses Video wurde am 20.08.2026 von FOCUS online auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Iran NATO Konflikt hat eine neue, brisante Dimension erreicht: Teheran soll laut einem Bericht der Financial Times, der sich auf zwei Insider beruft, damit drohen, US-amerikanische Militärbasen in Europa anzugreifen, sollte Präsident Donald Trump den Krieg im Nahen Osten weiter eskalieren lassen. Die NATO hat bereits reagiert und erklärt, auf jede Bedrohung vorbereitet zu sein. Geopolitikexperte Clemens Fischer ordnet ein, was hinter diesen Drohungen steckt — und warum ein tatsächlicher iranischer Angriff auf Europa dem Iran selbst am meisten schaden würde.
Warum die NATO als Bündnis antwortet — und nicht einzelne Staaten
Dass die NATO als Gesamtorganisation auf die iranischen Drohungen reagiert und nicht etwa Deutschland, Frankreich oder Großbritannien einzeln, ist laut Fischer kein Zufall, sondern Systemlogik. Die NATO gründet sich auf Artikel 51 der UN-Charta, der nicht nur das Recht auf individuelle Selbstverteidigung garantiert, sondern ausdrücklich auch das Recht auf kollektive Verteidigung — also Bündnisverteidigung.
Wird ein Mitgliedstaat oder eine auf seinem Territorium stationierte US-Militärbasis angegriffen, kann dies als Angriff auf das gesamte Bündnis gewertet werden. Das würde den gefürchteten Artikel 5 des NATO-Vertrags auslösen — den Bündnisfall. Fischer betont jedoch, dass die aktuelle Erklärung der NATO keine direkte Gegendrohung an den Iran sei, sondern eine bekräftigte Bereitschaftserklärung: Wer auch immer NATO-Territorium angreife, werde auf eine geschlossene Antwort aller Bündnispartner stoßen.
Ein Krieg der Rhetorik: Drohungen auf allen Seiten
Fischer beschreibt die aktuelle Lage als einen Krieg der Rhetorik. USA, Iran und nun auch die NATO agierten auf einem massiven rhetorischen Niveau: Beschuldigungen, Drohungen und Gegenerklärungen wechseln sich ab. Echte militärische Bewegung sei hingegen kaum zu beobachten.
Als einzigen dynamischen Schauplatz nennt Fischer die Straße von Hormus, wo beide Seiten beanspruchen, die Kontrolle zu haben — faktisch sei die Blockade jedoch „sehr löchrig“. Israel habe sich seinen eigenen Kriegsschauplatz im Libanon herausgeschnitten, während der Iran kaum noch militärische Fortschritte erzielen kann.
Folgende Akteure und ihre Positionen bestimmen derzeit das Geschehen:
- USA: Drohungen mit weiterer Eskalation unter Präsident Trump
- Iran: Androhung von Angriffen auf US-Basen in Europa als Abschreckung
- NATO: Bekräftigung der kollektiven Verteidigungsbereitschaft
- Israel: Eigenständige Kriegsführung mit Fokus auf den Libanon
Irans Kalkül: Abschreckung gegenüber Europa
Was steckt hinter den iranischen Drohungen gegen europäische Ziele? Fischer sieht darin in erster Linie eine Abschreckungsstrategie gegenüber den europäischen NATO-Staaten. Der Iran erinnere Europa daran, dass es bislang erklärt habe, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen — weil es kein NATO-Bündnisfall sei und die USA die angreifende, nicht die verteidigende Partei seien.
Die Botschaft Teherans lautet demnach sinngemäß: „Ihr habt euch bisher herausgehalten — haltet euch weiter heraus, sonst wäre die Konsequenz spürbar.“ Ob der Iran diesen Schritt tatsächlich vollziehen würde, hält Fischer für mehr als fragwürdig. Denn ein Angriff auf europäisches Territorium würde paradoxerweise das Gegenteil des iranischen Ziels bewirken:
Großbritannien, Frankreich und alle weiteren NATO-Staaten wären dann zum militärischen Eingreifen verpflichtet. Die USA würden nicht mehr eine „Koalition der Willigen“ zusammenstellen müssen — es wäre automatisch ein Bündnisfall. Der Iran würde sich mit einem Schlag die gesamte NATO zum Gegner machen.
NATO-Raketenabwehr: Europa ist nicht schutzlos
Fischer betont, dass die NATO technisch gut aufgestellt ist, um iranische Raketenangriffe abzuwehren. Ballistische Raketen aus dem Iran hätten eine erhebliche Flugzeit bis nach Europa — genug Zeit, um Abwehrsysteme zu aktivieren. Die Allianz sei auf diesem Gebiet in der Lage, solche Angriffe „abzuwehren oder zumindest abzufedern“.
Die öffentliche Reaktion der NATO dient daher auch einem innenpolitischen Zweck: Sie soll der europäischen Bevölkerung signalisieren, dass man nicht schutzlos ausgeliefert ist. Dennoch mahnt Fischer zur Wachsamkeit — denn niemand könne vollständig vorhersagen, wie weit ein Gegner geht, wenn er in die Enge getrieben wird.
Der Iran-Konflikt nähert sich einem kritischen Punkt, an dem die Grenzen zwischen Rhetorik und realem Militärhandeln zunehmend verschwimmen. Wie weit Teheran seine Drohungen tatsächlich eskaliert, wird auch davon abhängen, wie stark der Druck durch US-Präsident Trump wächst — und wie geschlossen Europa in seiner Antwort bleibt.
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