Internetpreise in Deutschland: Wer verdient mit?

Dieses Video wurde am 18.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Schnelles Internet ist in Deutschland teurer als in fast jedem anderen europäischen Land. Wer von einem einfachen DSL-Anschluss auf Glasfaser umsteigen möchte, zahlt im Schnitt bis zu 15 Euro mehr im Monat. Gleichzeitig nutzen gerade einmal rund 15 Prozent der Haushalte das modernste Netz – obwohl bereits 27 Prozent angeschlossen wären. Warum sind die Internetpreise in Deutschland so hoch, und wer verdient daran? Die Antwort hat historische Wurzeln, wirtschaftliche Verflechtungen und einen zentralen Akteur: die Deutsche Telekom.

Das Kupfernetz der Telekom: Ein milliardenschweres Erbe

Rund 60 Prozent aller Festnetzkundinnen und -kunden in Deutschland nutzen noch immer DSL – also das alte Kupferkabelnetz. Dieses Netz gehört der Telekom. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer politischen Entscheidung: 1996 wurde die Telekom privatisiert und übernahm dabei das Kupfernetz, das über Jahrzehnte mit Steuergeldern in jeden Haushalt verlegt worden war.

Heute ist dieses Netz zum Großteil längst abgeschrieben – die Investitionskosten sind also gedeckt. Trotzdem verdient die Telekom gleich doppelt daran: mit eigenen DSL-Kunden und durch die Vermietung der Leitungen an Konkurrenten wie Docom 21, einen Internetanbieter der Stadtwerke Dortmund. Solche Mietgebühren heißen im Fachjargon Vorleistungsentgelte.

Die Folgen für Verbraucher sind konkret: Laut Branchenangaben fließt rund die Hälfte des monatlichen Tarifpreises direkt als Vorleistungsgebühr an die Telekom – egal, bei welchem Anbieter der Vertrag abgeschlossen wurde. Mit einem Marktanteil von rund 41 Prozent (Stand 2024) ist die Telekom unangefochten Marktführer; der größte Konkurrent Vodafone kommt auf 27 Prozent.

Glasfaserausbau: Teuer, langsam und doppelt gegraben

Länder wie Spanien, Finnland oder Schweden versorgen bereits mehr als 70 Prozent ihrer Haushalte mit Glasfaser. Deutschland liegt bei rund 15 Prozent. Ein wesentlicher Grund: In Deutschland schreibt die Regulierung den kostenintensiven Tiefbau vor. Glasfaserleitungen müssen unterirdisch verlegt werden – rund 65 Zentimeter tief.

Das ist sicherer und weniger störanfällig als die in Skandinavien verbreitete Verlegung entlang von Strommasten. Doch der Preis ist hoch:

  • Der Tiefbau macht rund drei Viertel der Gesamtkosten eines Glasfaserprojekts aus.
  • Bislang wurden deutschlandweit bereits rund 200 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investiert.
  • Manche Anbieter graben dieselbe Straße ein zweites Mal auf, weil keine Koordination stattfindet – Investitionen werden so ineffizient verdoppelt.

Diese Kosten müssen die Unternehmen über die Endkundenpreise wieder hereinholen. Schnelles Internet bleibt deshalb teuer – auch wenn das Netz neu ist.

Historisch betrachtet hat Deutschland eine entscheidende Weichenstellung verpasst: Obwohl bereits 1981 unter Helmut Schmidt Pläne für einen bundesweiten Glasfaserausbau existierten, stoppte Bundeskanzler Helmut Kohl das Vorhaben 1982 und setzte stattdessen auf Kupfer. Dieses Versäumnis wirkt bis heute nach.

Bundesnetzagentur: Regulierung zwischen Verbraucherschutz und Investitionsanreiz

Die Bundesnetzagentur überwacht und genehmigt die Vorleistungsentgelte, die die Telekom für ihr Kupfernetz verlangen darf. Sie soll einerseits Wettbewerb fördern und Preise senken, andererseits aber Anreize für den Netzausbau erhalten. Ein klassisches Dilemma: Wer günstige Mietpreise für das Kupfernetz vorschreibt, nimmt Konkurrenten den Anreiz, eigene Glasfasernetze zu bauen.

Endkundenpreise setzt die Behörde ausdrücklich nicht fest. Auf Anfrage erklärt die Bundesnetzagentur, sie sei verpflichtet, Verbraucherinteressen zu berücksichtigen – könne aber nicht gleichzeitig niedrige Preise garantieren und hohe Investitionsanreize setzen.

Die Lösung, auf die viele Experten hoffen, ist die schrittweise Abschaltung des Kupfernetzes. Solange beide Netze parallel betrieben werden, bleibt der Zielkonflikt bestehen. Die Telekom selbst betont jedoch, eine Abschaltung dürfe erst erfolgen, wenn flächendeckend gleichwertige Glasfaseranschlüsse verfügbar seien. Das Telekommunikationsgesetz schützt diesen Standpunkt zusätzlich: Eine erzwungene Abschaltung ist derzeit rechtlich nicht möglich.

Ausblick: Günstiges Glasfaser frühestens 2035

Jan Kremer, Professor für Internet- und Telekommunikationswirtschaft an der Universität Passau, ist überzeugt: Erst wenn das Kupfernetz vollständig abgeschaltet ist, werden die Betriebskosten sinken – und damit langfristig auch die Endkundenpreise. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Experten rechnen nicht damit, dass eine flächendeckende Glasfaserversorgung und die damit mögliche Kupferabschaltung vor 2035 oder 2040 realistisch ist. Solange die Telekom als Eigentümerin des Kupfernetzes maßgeblichen Einfluss auf das Tempo des Übergangs hat, dürften günstige Glasfasertarife für alle Haushalte noch Jahre auf sich warten lassen. Der Staat, der noch mit 28,6 Prozent direkt und indirekt an der Telekom beteiligt ist, profitiert von dieser Situation ebenfalls – und hat damit wenig Anreiz, den Wandel zu beschleunigen.

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