Indonesiens Wirtschaft unter Druck

Dieses Video wurde am 14.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die indonesische Wirtschaft war lange das Aushängeschild unter den Schwellenländern – doch 2026 trübt sich das Bild deutlich ein. Die Landeswährung Rupiah ist auf Rekordtiefs abgestürzt, der Aktienmarkt zählt zu den schwächsten weltweit, und ein Zusammenspiel aus politischen Fehltritten, kostspieligen Sozialprogrammen und einem externen Ölpreisschock bedroht die Stabilität der viertgrößten Volkswirtschaft Asiens. Investoren fragen sich, ob Präsident Prabowo Subianto das Land zurück auf Kurs bringen kann – ohne die institutionelle Glaubwürdigkeit zu opfern, die den Erfolg erst möglich gemacht hat.

Vom Musterland zum Sorgenkind

Mit über 280 Millionen Einwohnern, einem Medianalter von rund 30 Jahren und einer technikaffinen Mittelschicht verfügt Indonesien über enorme Wachstumspotenziale. Das G20-Mitglied ist der weltgrößte Produzent von Nickel – einem Schlüsselrohstoff für Elektrofahrzeugbatterien – und ein bedeutender Exporteur von Palmöl sowie Robusta-Kaffee. Seit 2020 wuchs die Wirtschaft stetig und zog internationales Kapital an.

Doch im Laufe des Jahres 2026 verlor die Rupiah rund 8 Prozent ihres Wertes und fiel auf ein Rekordtief von nahezu 18.000 Rupiah je US-Dollar. Der indonesische Aktienmarkt gehört in diesem Jahr zu den schwächsten weltweit. Das Vertrauen der Märkte ist erschüttert.

Populistische Politik und der Verlust institutioneller Anker

Präsident Prabowo, der sein Amt im Februar 2024 antrat, wurde von den Finanzmärkten zunächst positiv aufgenommen – man erhoffte sich wirtschaftspolitische Kontinuität. Stattdessen leitete er eine Reihe kostenintensiver Sozialprogramme ein, die erhebliche Haushaltsmittel binden.

Das bekannteste Beispiel ist das nationale Gratismahlzeiten-Programm für Schulkinder:

  • Rund 63 Millionen Kinder werden durch das Programm versorgt.
  • Es verschlingt etwa 10 Prozent der gesamten Staatsausgaben.
  • Kritiker bezweifeln die langfristige Finanzierbarkeit des Vorhabens.
  • Das Programm steht sinnbildlich für einen Kurswechsel hin zu populistischer Haushaltspolitik.

Hinzu kommt ein politisch brisanter Schritt: Prabowo entließ die angesehene Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati, die international als Garant für Haushaltsdisziplin und institutionelle Verlässlichkeit galt. Ihr Rauswurf sendete ein negatives Signal an Märkte und Ratingagenturen gleichermaßen und schürte Bedenken über die Unabhängigkeit wirtschaftlicher Institutionen im Land.

Ölpreisschock durch den US-Iran-Konflikt

Als wäre der innenpolitische Gegenwind nicht genug, traf Indonesien ein externer Schock: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran trieb die globalen Ölpreise in die Höhe. Indonesien ist in hohem Maße abhängig von Ölimporten über die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schiffsrouten für Energieträger weltweit.

Der Anstieg der Energiekosten belastet Haushalte, Unternehmen und den Staatshaushalt gleichermaßen. Er verdeutlicht eine strukturelle Schwäche: Trotz des Reichtums an Bodenschätzen ist die indonesische Wirtschaft noch immer stark von Rohstoffexporten und externen Energielieferungen abhängig, ohne dass eine ausreichende industrielle Wertschöpfung im Inland entstanden wäre.

Rohstoffreichtum allein reicht nicht

Indonesiens Dominanz im Nickelmarkt ist unbestritten – das Metall ist unverzichtbar für die Batterien von Elektrofahrzeugen und damit ein strategischer Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Dennoch bleiben Investoren zurückhaltend. Die übermäßige Abhängigkeit vom Rohstoffexport ohne begleitende Industrialisierung gilt als Wachstumshindernis.

Wirtschaftsexperten sind sich einig: Indonesien hat alle Zutaten, um eine wirtschaftliche Großmacht zu werden. Doch dafür braucht es fiskalische Disziplin, stabile Institutionen und eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur. Ob Präsident Prabowo diesen Spagat schafft – robustes Wachstum ohne Aushöhlung der institutionellen Grundlagen – wird die entscheidende Frage der kommenden Jahre sein. Die Antwort darauf dürfte nicht nur über Indonesiens Zukunft entscheiden, sondern auch über das Vertrauen globaler Investoren in Schwellenländer insgesamt.

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