Dieses Video wurde am 04.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sorgt für Aufmerksamkeit: Bei einem Passagier wurde das Virus nachgewiesen, drei Menschen sind verstorben – ob das Hantavirus die direkte Todesursache war, ist bislang unklar. Weitere Erkrankungen stehen unter Verdacht. Doch wie gefährlich ist das Virus tatsächlich, und müssen sich Menschen in Deutschland nun Sorgen machen? Experten ordnen die Lage ein – und ziehen dabei auch den Vergleich mit Corona.
Was ist das Hantavirus und wie wird es übertragen?
Das Hantavirus ist kein neues Virus – es ist seit Jahrzehnten bekannt und tritt auch in Deutschland regelmäßig auf. Der Erreger wird nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern von infizierten Nagetieren wie Mäusen und Ratten.
Die Tiere scheiden das Virus über Kot, Speichel und Urin aus. Selbst wenn diese Ausscheidungen bereits getrocknet sind, können sie noch mehrere Tage lang infektiös bleiben. Eine Ansteckung beim Menschen erfolgt typischerweise dann, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und anschließend eingeatmet wird – etwa beim Aufräumen von Kellern, Scheunen oder Gartengerätehäusern.
Der Übertragungsweg ist damit deutlich komplexer als bei Atemwegsinfektionen wie COVID-19. Es braucht einen direkten Kontakt mit Nagetierausscheidungen, um sich zu infizieren.
Typische Symptome: Von Grippe bis Nierenversagen
Wer sich mit den in Mitteleuropa vorkommenden Hantaviren infiziert, bemerkt zunächst grippeähnliche Beschwerden. Dazu gehören:
- Hohes Fieber über mehrere Tage
- Starke Rücken-, Bauch- und Kopfschmerzen
- Allgemeines Krankheitsgefühl und Erschöpfung
In einer späteren Krankheitsphase kann sich das Bild verschlimmern: Der Blutdruck kann abfallen, und es können ernsthafte Probleme mit der Nierenfunktion auftreten – im schlimmsten Fall bis hin zum akuten Nierenversagen. Eine ärztliche Überwachung ist bei Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion daher dringend empfohlen.
Hantavirus vs. Corona: Kein Vergleich bei der Ansteckungsgefahr
Angesichts des Ausbruchs stellt sich die Frage, ob das Hantavirus das Potenzial hat, sich ähnlich wie das Coronavirus zu einer globalen Epidemie zu entwickeln. Die klare Antwort lautet: Nein.
Der entscheidende Unterschied liegt im Übertragungsweg. Während sich Coronaviren effizient von Mensch zu Mensch verbreiten – etwa über Atemluft und Aerosole –, ist eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung beim Hantavirus nicht nachgewiesen oder tritt allenfalls extrem selten auf. Das macht eine unkontrollierte Ausbreitung in der Bevölkerung nahezu unmöglich.
Fachleute schließen daher aus, dass sich das Hantavirus zu einer menschlichen Epidemie weiterentwickeln könnte. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Deutschland wird als gering eingestuft – wer jedoch in der Natur, in alten Gebäuden oder in der Landwirtschaft tätig ist, sollte grundlegende Schutzmaßnahmen beachten.
Kein Impfstoff, keine spezifischen Medikamente
Für das Hantavirus existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff in Deutschland und Europa. Auch spezifische antivirale Medikamente stehen nicht zur Verfügung. Die medizinische Behandlung beschränkt sich auf symptomatische Therapie – also Maßnahmen, die Fieber senken, den Kreislauf stabilisieren und die Nierenfunktion unterstützen.
Der beste Schutz bleibt daher die Prävention: Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen meiden, beim Reinigen von Kellern oder Dachböden Atemschutz tragen und Lebensmittel sicher lagern, sodass Mäuse und Ratten keinen Zugang haben.
Der aktuelle Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff ist ein Anlass zur Wachsamkeit, aber kein Grund zur Panik. Die Behörden beobachten die Lage, und Experten betonen, dass das Hantavirus aufgrund seiner begrenzten Übertragungswege keine vergleichbare Bedrohung wie ein neuartiges Atemwegsvirus darstellt.
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