Dieses Video wurde am 08.05.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius hat drei Menschenleben gefordert, darunter eine Deutsche. Eine weitere deutsche Passagierin wurde in die Uniklinik Düsseldorf gebracht. Der Fall schlägt international Wellen – und weckt Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Virologe und CDU-Bundestagsabgeordneter Professor Henrik Strick ordnet die Lage ein: Keine Panik, aber erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten.
Was ist das Hantavirus und wie gefährlich ist es?
Das Hantavirus ist kein neues oder unbekanntes Virus. Es existiert in vielen verschiedenen Unterarten, von denen einige auch in Deutschland heimisch sind. Typischerweise überträgt sich das Virus nicht von Mensch zu Mensch, sondern über den Kot und Urin infizierter Nagetiere – etwa der Rötelmaus.
In Deutschland kommt es regelmäßig zu Ausbrüchen, besonders im Frühjahr, wenn Menschen beginnen, Garagen oder Keller auszumisten und dabei Ausscheidungen von Nagern einatmen. Die meisten Verläufe sind mild, vergleichbar mit einem grippalen Infekt – können aber auch Nieren und Lunge befallen und dann schwer werden.
Der nun auf der Hondius aufgetretene Virustyp – ein sogenanntes Andes-Virus – gilt als untypisch, da bei ihm auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist. Zwei niederländische Passagiere, die zuvor in Argentinien waren, verstarben. Eine Flugbegleiterin soll sich ebenfalls infiziert haben.
Besteht eine Gefahr für Deutschland?
Trotz der beunruhigenden Einzelfälle sieht Virologe Strick keine akute Bedrohung für die Bevölkerung in Deutschland. Entscheidend sei, dass es sich um einen bekannten Erreger handelt, auf den die Labore und Kliniken vorbereitet sind.
- Die Inkubationszeit des Hantavirus beträgt je nach Typ zwischen 5 und 60 Tagen.
- Deutschland verfügt über ausreichend S3-Isolierstationen für besonders gefährliche Infektionen.
- Die Uniklinik Düsseldorf ist laut Strick speziell für solche Fälle ausgestattet.
- Eine Kontaktpersonennachverfolgung ist bei einem Kreuzfahrtschiff besonders gut möglich, da alle Passagiere namentlich bekannt sind.
- Einreisende aus Argentinien müssen nach aktuellem Stand nicht systematisch getestet werden.
Strick betont, dass die hohe Vigilanz in deutschen Kliniken und Laboren dafür sorge, dass ein Hantavirus-Verdacht rasch erkannt und getestet werde – insbesondere im Frühjahr, wenn das Virus ohnehin im Fokus steht.
Argentinien im Fokus: Verdoppelung der Fallzahlen
Die verstorbenen Niederländer hatten sich zuvor in Argentinien aufgehalten. Dort hat sich die Zahl der Hantavirus-Fälle im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die WHO und argentinische Behörden untersuchen derzeit, wo der Ursprung des Ausbruchs liegt und auf welchem Weg sich das Virus dort verbreitet.
Noch ist unklar, ob die Übertragungen in Argentinien ebenfalls von Mensch zu Mensch stattfanden oder klassisch über Nager. Diese Frage ist entscheidend für die Einschätzung des globalen Risikos. Strick mahnt zur Nüchternheit: Solange der Übertragungsweg nicht eindeutig geklärt ist, sei eine Bewertung des tatsächlichen Risikos schwierig.
Lehren aus Corona: Was hat Deutschland gelernt?
Der aktuelle Fall befeuert die Diskussion, ob Deutschland aus der Corona-Pandemie die richtigen Schlüsse gezogen hat. Laut Strick gibt es durchaus Fortschritte – etwa das neu eingeführte Abwassermonitoring, das Infektionskrankheiten frühzeitig aufspüren soll.
Als wichtige Baustelle benennt er die gesellschaftliche Resilienz: Wie hält eine Gesellschaft in einer Pandemie zusammen, ohne bestimmte Gruppen auszugrenzen? Eine Enquetekommission des Bundestages beschäftigt sich seit Herbst 2024 mit genau diesen Fragen. In Nordrhein-Westfalen liegt bereits ein Abschlussbericht mit über 150 Empfehlungen vor.
Für die Bevölkerung gilt unterdessen ein praktischer Hinweis: Wer im Frühjahr Garten, Garage oder Keller aufräumt und dabei auf Nagerspuren stößt, sollte Schutzmaßnahmen ergreifen und den direkten Kontakt mit Kot und Urin von Mäusen vermeiden. Das Hantavirus bleibt ein reales, aber beherrschbares Risiko – vorausgesetzt, man kennt es und geht achtsam damit um.
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