Gebärdensprachdolmetscher bei der Tagesschau

Dieses Video wurde am 24.09.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Jeden Abend um 20 Uhr flimmert die Tagesschau über die Bildschirme – für gehörlose Zuschauerinnen und Zuschauer in einer besonderen Version: Marcel Zamoiski gehört zum Team der Gebärdensprachdolmetscher, die die Sendung täglich live bei Phönix in Gebärdensprache übertragen. Sein Beruf ist kein gewöhnlicher – er erfordert blitzschnelle Reaktion, ein breites Allgemeinwissen und die Fähigkeit, selbst unbekannte Begriffe in Echtzeit zu übersetzen.

Gebärdensprache als Muttersprache

Marcel Zamoiski ist mit der Gebärdensprache aufgewachsen. Seine Eltern sind gehörlos, weshalb Gebärdensprache für ihn von Kindesbeinen an die erste und natürlichste Sprache war. Diese besondere Biografie – als hörendes Kind gehörloser Eltern, im Fachjargon auch CODA (Child of Deaf Adults) genannt – legte den Grundstein für seinen heutigen Beruf.

Irgendwann entschied er sich, aus dieser Fähigkeit einen Beruf zu machen. Seit mehr als zwei Jahren dolmetscht er nun die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau – eine der meistgesehenen Nachrichtensendungen Deutschlands. Für die gehörlose Gemeinschaft ist diese Übertragung ein wichtiger Beitrag zur barrierefreien Information.

Live-Dolmetschen ohne fertiges Skript

Was viele überrascht: Marcel Zamoiski kennt die genauen Texte der Sprecher und Beiträge nicht im Voraus. Die Vorbereitung auf die Sendung ist bewusst knapp gehalten – er erfährt lediglich die groben Themen des Abends. Den Rest übersetzt er direkt nach Gehör, in Echtzeit.

Das stellt höchste Anforderungen an Konzentration und sprachliche Flexibilität. Besonders anspruchsvoll sind dabei:

  • Fachbegriffe aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
  • Neu auftauchende Ortsnamen und Personennamen
  • Spontane Ereignisse, die kurzfristig in die Sendung aufgenommen werden
  • Eigennamen internationaler Institutionen und Organisationen

Ein einheitlicher „Duden der Gebärdensprache“ existiert nicht. Zamoiski greift stattdessen auf verschiedene Nachschlagewerke zurück, etwa spezielle Wörterbücher für Ländernamen. Doch auch diese decken längst nicht alle Situationen ab.

Herausforderung Fachsprache und neue Namen

Die Nachrichtenwelt ist schnelllebig: Täglich tauchen neue Begriffe, Krisen und Persönlichkeiten auf. Für einen Live-Dolmetscher bedeutet das, permanent auf dem neuesten Stand zu sein. Wenn ein Ortsname oder ein politischer Begriff zum ersten Mal auftaucht, muss Zamoiski in Sekundenbruchteilen eine verständliche Lösung finden – sei es durch Buchstabieren, durch ein beschreibendes Gebärdenzeichen oder durch eine etablierte Konvention der Deutschen Gebärdensprache (DGS).

Die fehlende Standardisierung ist dabei eine strukturelle Herausforderung des gesamten Berufsfelds. Gebärdensprachen sind lebendige, sich ständig weiterentwickelnde Sprachen, die regional variieren können. Was in einer Region als gängige Gebärde für einen Begriff gilt, kann anderswo unbekannt sein.

Barrierefreiheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Die tägliche Übertragung der Tagesschau in Gebärdensprache ist ein bedeutender Schritt in Richtung Inklusion im deutschen Fernsehen. Rund 80.000 Menschen in Deutschland gelten als gehörlos, Hunderttausende weitere sind schwerhörig. Für sie ist die Tagesschau in Gebärdensprache bei Phönix oft der direkteste Zugang zu tagesaktuellen Nachrichten in ihrer eigenen Sprache – ohne auf Untertitel angewiesen zu sein.

Das Engagement von Dolmetschern wie Marcel Zamoiski macht deutlich, dass Barrierefreiheit im Journalismus mehr ist als eine technische Maßnahme. Es braucht Menschen mit tiefem sprachlichem Können, kulturellem Verständnis und der Bereitschaft, sich täglich neu auf das Unbekannte einzulassen. Wie sich das Angebot barrierefreier Nachrichtenformate in Zukunft weiterentwickeln wird, bleibt eine der zentralen medienpolitischen Fragen der kommenden Jahre.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (tagesschau). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

Latest news
Related news