Dieses Video wurde am 20.08.2026 von NTV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Deutschlands Gasspeicher sind Mitte August 2026 lediglich zu 50 Prozent gefüllt – ein deutlich niedrigerer Stand als in den Jahren vor dem Ukrainekrieg, als zu diesem Zeitpunkt bereits rund drei Viertel der Kapazitäten belegt waren. Die Lücke wächst die Sorge: Reicht das Gas für den kommenden Winter? Und wenn ja, zu welchem Preis? Verbraucher und Energieversorger stehen vor einer schwierigen Herbst- und Wintersaison.
Gasspeicher weit unter historischem Niveau
Der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt erheblich hinter dem zurück, was in der Vergangenheit als solide Ausgangslage für den Winter galt. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine waren die Speicher zur Jahresmitte typischerweise zu etwa 75 Prozent ausgelastet – ein Puffer, der Deutschland durch kalte Monate trug.
Heute fehlen rund 25 Prozentpunkte auf diesen Wert. Gesetzlich vorgeschrieben ist lediglich, dass die Speicher bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen. Bis dahin, so die Haltung von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, soll der Markt die Lösung finden. Eine staatliche Intervention ist vorerst nicht geplant.
Hohe Gaspreise bremsen das Einspeichern
Der zentrale Grund für den zögerlichen Aufbau der Speicherreserven liegt im Gaspreis. Seit Beginn des Irankrieges hat sich der Preis an den europäischen Märkten nahezu verdoppelt: von rund 3 Cent pro Kilowattstunde auf mittlerweile über 6 Cent pro Kilowattstunde.
Energieunternehmen halten sich deshalb mit dem Einkauf zurück. Die Hoffnung: Die Preise könnten bis zum entscheidenden Stichtag im Oktober wieder fallen. Ein klassisches Spekulationsrisiko – mit potenziell weitreichenden Folgen für die Versorgungssicherheit.
- Gaspreis vor dem Irankrieg: ca. 3 Cent/kWh
- Aktueller Gaspreis: über 6 Cent/kWh
- Gesetzliches Füllziel: 80 % bis 1. November
- Aktueller Füllstand: rund 50 % (Mitte August 2026)
- Historischer Vergleichswert: ca. 75 % zur selben Jahreszeit
Flüssiggas als Teilausweg – aber kein Allheilmittel
Ein Teil des Bedarfs lässt sich über LNG-Importe (Flüssigerdgas) decken. Deutschland hat seit 2022 seine Importinfrastruktur für Flüssiggas erheblich ausgebaut und verfügt über mehrere schwimmende Terminals. Doch auch LNG wird am Weltmarkt teurer gehandelt, wenn die globale Nachfrage steigt – und sie steigt regelmäßig, sobald der Winter auf der Nordhalbkugel naht.
Flüssiggas kann die Lücke also mildern, aber kaum vollständig schließen. Zudem konkurriert Deutschland auf dem LNG-Markt mit anderen europäischen Ländern und asiatischen Großabnehmern um begrenzte Liefermengen.
Zwei Szenarien für den Winter – beide unangenehm
Für Verbraucher zeichnen sich zwei mögliche Entwicklungen ab:
- Szenario 1 – Teurer Winter: Die Speicher werden rechtzeitig gefüllt, aber zu hohen Einkaufspreisen. Diese Kosten werden über steigende Tarife an Haushalte und Unternehmen weitergegeben.
- Szenario 2 – Kalter Winter: Viele Verbraucher reagieren auf hohe Preise mit starkem Energiesparen – mit spürbaren Einschränkungen beim Heizen.
Beide Szenarien bedeuten eine deutliche Belastung für private Haushalte, die ohnehin noch mit den Nachwirkungen der Energiepreiskrise der vergangenen Jahre zu kämpfen haben.
Ob die Bundesregierung angesichts weiter steigender Preise oder eines sich verschlechternden Füllstands doch noch eingreifen wird, bleibt abzuwarten. Bundeswirtschaftsministerin Reiche setzt vorerst auf die Selbstregulierung des Marktes – ein Ansatz, der Spielraum lässt, aber auch Risiken birgt. Der Herbst wird zeigen, ob diese Wette aufgeht.
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