Gasspeicher halbvoll: Drohen höhere Gaspreise im Winter?

Dieses Video wurde am 21.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Deutschlands Gasspeicher sind in diesem Sommer nur zur Hälfte gefüllt – ein Niveau, das deutlich unter dem der Vorjahre liegt und deutlich unter dem liegt, was für diese Jahreszeit eigentlich erforderlich wäre. Verbraucherschützer warnen bereits jetzt vor spürbar höheren Gaspreisen im Winter. Gasmarkt-Experte Andreas Schröder vom Analysehaus ISIS sieht die Versorgungslage als angespannt und schließt ernste Engpässe bei einem kalten Winter nicht aus.

Irankonflikt und Straße von Hormus als zentrale Risikofaktoren

Ein wesentlicher Grund für den niedrigen Gasspeicher-Füllstand liegt in der geopolitischen Lage im Nahen Osten. Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Irankonflikts hat den globalen Flüssiggashandel empfindlich getroffen. Dem Weltmarkt fehlen dadurch erhebliche Mengen an Flüssiggas (LNG), was sich direkt auf die europäische Versorgungssituation auswirkt.

Schröder beschreibt die Meerenge als „kritisches Nadelöhr für den Welthandel“. Ob sich die Lage entspannt oder weiter verschärft, hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Konflikt andauert und ob die Straße wieder für den Schiffsverkehr freigegeben wird. Erst am Ende des Winters lasse sich beurteilen, ob die aktuelle Situation als fahrlässig einzustufen sei.

Flüssiggas-Terminals reichen an kalten Tagen nicht aus

Politische Vertreter verweisen auf die zahlreichen neuen LNG-Terminals an Nord- und Ostsee als Sicherheitspuffer. Doch Schröder relativiert dieses Argument deutlich: Flüssiggas deckt derzeit lediglich 10 bis 15 Prozent des deutschen Gasverbrauchs ab.

Besonders an den kältesten Wintertagen, wenn der Verbrauch am höchsten ist, reichen die Kapazitäten der Terminals schlicht nicht aus. In diesen kritischen Phasen sind gut gefüllte Gasspeicher unverzichtbar. Schröder fasst es klar zusammen:

  • Gasspeicher sind systemkritisch an besonders kalten Wintertagen.
  • LNG-Terminals können Speicher in Spitzenlastzeiten nicht ersetzen.
  • Gute Füllstände zu Winterbeginn sind Voraussetzung für eine sichere Versorgung.
  • Infrastrukturausfälle könnten die Lage zusätzlich verschärfen.

Gaspreise bereits jetzt deutlich über dem Normalwert

Die Preissituation am Gasmarkt gibt ebenfalls Anlass zur Sorge. Klassischerweise sind die Sommergaspreise niedrig – der günstigste Zeitpunkt zum Befüllen der Speicher. Dieser Zeitpunkt wurde nach Einschätzung von Schröder verpasst: Man habe darauf spekuliert, dass sich der Irankonflikt entschärft und die Weltmarktpreise sinken würden.

Stattdessen liegen die Gaspreise aktuell bereits bei über 60 Euro pro Megawattstunde, was rund 6 Cent pro Kilowattstunde entspricht. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein deutlich erhöhtes Niveau – und die Winterpreise dürften noch höher ausfallen, sollte der Irankonflikt andauern.

Staatlicher Eingriff als mögliche Option

Angesichts der angespannten Lage stellt sich die Frage nach politischen Gegenmaßnahmen. Die Bundesregierung hat zwar eine strategische Gasspeicherreserve angekündigt, doch diese greift erst ab dem nächsten Jahr und hilft für den kommenden Winter nicht mehr.

Als kurzfristige Maßnahme käme laut Schröder ein Eingreifen des Marktbetreibers Trading Hub Europe in Betracht, der die Speicher noch vor dem Winter aktiv befüllen könnte. Die Politik müsse jetzt entscheiden, ob sie weiter abwartet oder den Irankonflikt als Anlass nimmt, steuernd einzugreifen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der verpasste günstige Einspeicherzeitraum durch staatliche Maßnahmen noch teilweise kompensiert werden kann – oder ob Verbraucherinnen und Verbraucher im Winter mit deutlich höheren Heizkosten rechnen müssen.

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