Dieses Video wurde am 20.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die deutschen Gasspeicher sind Mitte August 2026 nur zu rund 50 Prozent gefüllt – und damit so leer wie selten zuvor zu dieser Jahreszeit. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Füllstand von 80 Prozent bis zum 1. November. Das aktuelle Niveau liegt exakt 17 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Während die Erinnerung an die Gaskrise 2022 noch präsent ist, wächst der Druck auf Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, die bislang auf Marktmechanismen setzt.
Gasspeicher: Füllstand weit unter Zielmarke
Laut aktuellen Daten der Bundesnetzagentur beläuft sich der Füllstand der deutschen Gasspeicher auf 50,1 Prozent. Die geltende Verordnung zur Anpassung der Füllstandsvorgaben – sie läuft bis März 2027 – schreibt vor, dass die Speicher zum 1. November zu 80 Prozent und zum 1. Februar noch zu 30 Prozent gefüllt sein müssen. Verantwortlich für die Befüllung sind Gashändler und Energieversorger.
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller räumte ein, dass das 80-Prozent-Ziel nur noch in einem sehr optimistischen Szenario erreichbar sei. Als realistisches Ziel nannte er einen Durchschnittsfüllstand von rund 70 Prozent – und selbst das sei „sehr ambitioniert“.
Hohe Gaspreise bremsen die Einspeisung
Ein zentrales Problem ist das aktuelle Preisniveau am Gasmarkt. Die angespannte Lage im Nahen Osten und Engpässe an wichtigen Seestraßen haben die Großhandelspreise in die Höhe getrieben – obwohl Deutschland seinen Gasbedarf überwiegend aus Norwegen deckt. Der Weltmarktpreis gilt dennoch als Referenz.
Für Gashändler lohnt es sich derzeit kaum, Gas zu teuer einzukaufen und einzuspeichern, um es im Winter mit Gewinn zu verkaufen. Experten sehen darin ein hausgemachtes Problem: Man habe auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, die hohen Sommerpreise seien absehbar gewesen. Die Konsequenz tragen am Ende die Verbraucher in Form höherer Gaspreise.
- Aktueller Füllstand: 50,1 Prozent (Stand Mitte August 2026)
- Vorjahresniveau: rund 67 Prozent – ein Minus von 17 Prozentpunkten
- Gesetzliches Ziel: 80 Prozent zum 1. November
- Mindestfüllstand zum 1. Februar: 30 Prozent
- Frühwarnstufe 1 ist offiziell ausgerufen
Ministerium zwischen Abwarten und Eingreifen
Das Bundeswirtschaftsministerium kommunizierte bislang nur schriftlich zur Gaslage: Man wolle weder vorschnelle Eingriffe, die Preise treiben, noch bloßes Abwarten. Kritiker – darunter die Grünen – werfen Ministerin Reiche vor, zu lange tatenlos zugeschaut zu haben, obwohl die niedrigen Füllstände frühzeitig erkennbar gewesen seien.
Auch Bundesländer melden sich zu Wort und fordern, dass die Bundesregierung aktiv zur Versorgungssicherheit beiträgt. Eine Gasmangellage besteht derzeit nicht, doch die Frühwarnstufe 1 signalisiert erhöhte Aufmerksamkeit. Sanktionsmechanismen gegen säumige Gashändler existieren bislang nicht.
Flüssiggas und Infrastrukturrisiken als weitere Faktoren
Als Ausweichoption stehen Flüssiggasterminals (LNG) an Nord- und Ostsee zur Verfügung. Der größte Lieferant ist derzeit die USA – dort gehören die Exportkapazitäten privaten Unternehmen mit starkem wirtschaftlichem Interesse an der Auslastung. Mittelfristig soll die Versorgung durch Kanada und weitere Länder diversifiziert werden.
Dennoch bleibt das Risiko: Sabotageakte an kritischer Infrastruktur – etwa an Unterwasserpipelines wie den norwegischen Leitungen – könnten die Versorgungslage kurzfristig und empfindlich verschlechtern. Müller betonte, dass der Schutz der Infrastruktur oberste Priorität habe. Für den Winter 2026/27 bleibt die Lage angespannt: Gas wird teurer, und die Befüllung der Speicher rückt in den Fokus der Öffentlichkeit wie zuletzt während der Krisenjahre 2022 und 2023.
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