Dieses Video wurde am 04.05.2026 von FOCUS online auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche ist zum neuen Feindbild in der deutschen Energiepolitik geworden. Innerhalb der Koalition und in der Opposition wird sie als „Gas-Kathi“ verspottet – weil sie den Bau neuer Gaskraftwerke fordert, um die Grundlastversorgung in Deutschland zu sichern. Was dabei gerne verschwiegen wird: Ihr Vorgänger Robert Habeck hatte einst exakt dasselbe vorgehabt – in noch größerem Maßstab.
Reiches Plan: 25 Gaskraftwerke für die Grundlast
Reiche hat die energiewirtschaftliche Realität offen angesprochen: Mit Sonne und Wind allein lasse sich eine entwickelte Volkswirtschaft nicht am Leben erhalten. Ihr Ziel ist der Bau von 25 Gaskraftwerken, die rund 12 Gigawatt Grundlast ins Netz einspeisen sollen. Diese Kapazität soll vor allem dann einspringen, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichen – etwa in Phasen der sogenannten Dunkelflaute im Winter, wenn weder Sonne scheint noch Wind weht.
Für diesen sachlich begründeten Ansatz wird sie öffentlich angegriffen. Ein junger Grünen-Abgeordneter kursierte zuletzt mit einem Video, in dem er mit einer Axt auf Solarpanele einzuschlagen schien – als Persiflage auf Reiche. Die Botschaft: Sie wolle die Energiewende sabotieren.
Habecks vergessener Plan: 50 Gaskraftwerke
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart eine bemerkenswerte Diskrepanz. Robert Habeck, der bis 2025 amtierende Bundeswirtschaftsminister und in Teilen der Öffentlichkeit nach wie vor als eine Art Ikone der Grünen verehrt, hatte gemeinsam mit seinem damaligen Staatssekretär Patrick Graichen – bekannt als Vater des umstrittenen Heizungsgesetzes – ursprünglich den Bau von 50 Gaskraftwerken mit einer Kapazität von rund 24 Gigawatt geplant.
Das ist das Doppelte dessen, was Reiche heute fordert. Auch Habeck und Graichen wussten: Ohne gesicherte Grundlast drohen Versorgungslücken. An der energiewirtschaftlichen Realität kamen auch sie nicht vorbei.
Doppelstandard in der öffentlichen Wahrnehmung
Dennoch wurde Habeck nie als „Gas-Robi“ verspottet. Im Gegenteil: Er gilt vielen weiterhin als „der heilige Robert“. Reiche hingegen, die eine kleinere Variante desselben Plans verfolgt, wird öffentlich diffamiert. Dieser Doppelstandard wirft grundlegende Fragen über die Ernsthaftigkeit der energiepolitischen Debatte in Deutschland auf.
- Habeck plante 50 Gaskraftwerke (24 GW) – Reiche plant 25 (12 GW)
- Beide Pläne reagieren auf dasselbe Problem: fehlende Grundlastversorgung
- Kritik an Reiche blieb aus bei Habeck – trotz identischer Logik
- Gaskraftwerke werden auch im Sommer benötigt, um Netzschwankungen auszugleichen
- Rechenzentren und Industrie benötigen stabilen Strom rund um die Uhr
Realitätspolitik statt Ideologie
Der eigentliche Kern der Debatte ist kein technischer, sondern ein politisch-kultureller. Wer innerhalb der Grünen oder ihrem Umfeld auf die Grenzen der erneuerbaren Energien hinweist, riskiert Anfeindungen – unabhängig davon, ob die Analyse sachlich korrekt ist. Reiche tut genau das: Sie schaut auf die Versorgungslage und zieht Schlüsse.
Dass ausgerechnet jene, die einst selbst Gaskraftwerke als notwendig erachteten, nun lautstark dagegen wettern, zeigt, wie stark energiepolitische Positionen von Parteizugehörigkeit und Sympathien abhängen – und wie wenig von Sachargumenten. Die Debatte um die Energiewende in Deutschland wird so zu einem Spiegel politischer Doppelmoral. Ob Reiche mit ihrem Kurs langfristig Recht behält, wird die Versorgungssicherheit der kommenden Winter zeigen.
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