Feuchtgebiete in Brand: Warum Moore brennen

Dieses Video wurde am 18.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein Moorbrand wütet erneut in einem belgischen Feuchtgebiet – an einem Ort, den die Menschen dort seit über hundert Jahren „Dantes Inferno“ nennen. Schon damals stand das Moor in Flammen, ausgelöst durch extreme Hitze und anhaltende Trockenheit. Das wirft eine naheliegende Frage auf: Müssten Feuchtgebiete nicht eigentlich gegen Feuer geschützt sein? Die Antwort ist komplizierter, als es scheint – und sie hat viel mit dem Klimawandel und den Rekordtemperaturen zu tun, die Westeuropa im Sommer 2026 erlebt hat.

Warum Feuchtgebiete eigentlich als feuerfest gelten

Feuchtgebiete – darunter Moore, Sümpfe und Marschen – sind von Natur aus wasserreich. Ihre hohe Feuchtigkeit macht sie unter normalen Bedingungen kaum entzündlich. Genau deshalb gelten sie seit Jahrzehnten als natürlicher Schutzwall gegen Flächenbrände. Viele Ökosysteme rund um Moore profitieren von dieser Eigenschaft, da die feuchten Böden das Übergreifen von Waldbränden hemmen können.

Doch dieser Schutz ist nicht bedingungslos. Er funktioniert nur so lange, wie ausreichend Wasser im System vorhanden ist. Geraten Feuchtgebiete durch anhaltende Dürren und Hitzewellen in einen trockenen Zustand, verlieren sie ihre feuerhemmende Wirkung – und werden selbst zur Brandgefahr.

Schwelen statt Flammen: Der Moorbrand im Detail

Das Besondere an Moorbränden liegt in der Art der Verbrennung. Anders als bei offenen Waldbränden handelt es sich häufig um sogenanntes Schwelen – eine Form der Verbrennung ohne offene Flamme. Dabei reagiert Sauerstoff direkt mit der Oberfläche fester organischer Brennstoffe, vor allem mit Torf.

Dieser Prozess hat besondere Eigenschaften, die die Bekämpfung solcher Brände extrem schwierig machen:

  • Schwelbrände entstehen bereits bei niedrigeren Temperaturen als offene Flammenbrände.
  • Das Feuer kann sich unterirdisch fortbewegen, ohne an der Oberfläche sichtbar zu sein.
  • Ein Moorbrand kann sich über Tage oder sogar Monate im Boden halten.
  • Die genaue Quelle des Brandes ist schwer zu lokalisieren, was die Löscharbeiten erschwert.
  • Selbst nach scheinbarem Erlöschen kann der Brand wieder aufflammen.

Diese Eigenschaften machen Torfbrände zu einer der hartnäckigsten und gefährlichsten Arten von Flächenbränden überhaupt.

Rekordwärme 2026 als Treiber der Brandgefahr

Der aktuelle Brand in Belgien reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Westeuropa verzeichnete im Juni und Juli 2026 die wärmsten jemals gemessenen Monate in diesen Zeiträumen. Anhaltende Hitze und ausbleibende Niederschläge haben Böden ausgetrocknet, die normalerweise dauerhaft wassergesättigt sind.

Die genaue Ursache des belgischen Moorbrands ist noch nicht bekannt. Klar ist jedoch: Der Klimawandel erhöht sowohl die Häufigkeit solcher Hitzewellen als auch die Intensität von Dürreperioden – und damit das Risiko für Moorbrände in ganz Europa. Was früher eine seltene Ausnahme war, droht zur wiederkehrenden Realität zu werden.

Einordnung und Ausblick

Der Moorbrand in Belgien ist mehr als ein lokales Ereignis. Er steht exemplarisch für eine wachsende Bedrohung, der viele europäische Feuchtgebiete ausgesetzt sind. Moore speichern enorme Mengen an Kohlenstoff – verbrennen sie, wird dieser als CO₂ freigesetzt und verstärkt den Klimawandel weiter. Es entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Mehr Wärme trocknet Moore aus, ausgetrocknete Moore brennen leichter, Moorbrände setzen Treibhausgase frei.

Für den Schutz dieser sensiblen Ökosysteme braucht es daher nicht nur bessere Löschstrategien, sondern vor allem konsequenten Klimaschutz und die Wiedervernässung degradierter Moorlandschaften. Der Spitzname „Dantes Inferno“ wirkt nach diesem Sommer leider aktueller denn je.

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