Felssturz an der Zugspitze: Permafrost taut auf

Dieses Video wurde am 23.09.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein lauter Knall erschreckte am Dienstagmorgen Anwohner und Besucher auf der österreichischen Seite der Zugspitze: An Deutschlands höchstem Berg lösten sich rund 20 bis 30 Kubikmeter Kalkstein von der Nordwand. Der Felssturz hinterließ eine weithin sichtbare Staubwolke, die Bäume unterhalb des Abbruchs mit weißem Kalkstaub bedeckte. Seitdem löst sich immer wieder mit lautem Krachen weiteres Gestein. Experten sehen das Ereignis als deutliches Warnsignal für die Folgen des Klimawandels im Hochgebirge.

Einer der größten Felsstürze an der Zugspitze-Nordwand

An der Zugspitzer Nordwand ist Steinschlag ein bekanntes Phänomen. Jährlich gehen dort mehrere Hundert Kubikmeter Gestein ab. Das aktuelle Ereignis sticht jedoch deutlich heraus. Der Betriebsleiter der Tiroler Zugspitzbahn, der bereits zahlreiche Felsstürze erlebt hat, bezeichnete diesen als außergewöhnlich – vor allem wegen der massiven Staubwolke, die durch die anhaltende Trockenheit besonders groß ausfiel.

Fachleute erklären das Ausmaß mit einer einfachen Beobachtung: Je trockener das Gestein, desto mehr Staub entsteht beim Abgang. Die fehlenden Niederschläge der vergangenen Wochen hatten das Kalkgestein ausgetrocknet und machten den Sturz besonders spektakulär sichtbar.

Permafrost taut: Wissenschaftler schlagen Alarm

Der eigentliche Auslöser liegt tiefer – buchstäblich. Wissenschaftler beobachten im Kampfstollen unterhalb des Zugspitzgipfels, wie der Permafrost zunehmend auftaut. Dieser gefrorene Untergrund wirkt wie ein natürlicher Klebstoff, der das Gestein zusammenhält. Fehlt er, verlieren ganze Felswände ihren inneren Halt.

Besonders besorgniserregend ist die zeitliche Verzögerung des Prozesses: Der Wärmeimpuls eines außergewöhnlich heißen Sommers braucht etwa zwei Monate, bis er vollständig in den Fels eindringt. Das bedeutet: Die eigentlich kritische Phase beginnt erst jetzt – in den Herbstwochen nach einem extremen Sommer.

  • 20–30 Kubikmeter Kalkstein lösten sich beim aktuellen Ereignis
  • Mehrere Hundert Kubikmeter Gestein gehen an der Nordwand jährlich ab
  • Der Wärmeimpuls des Sommers erreicht den Fels mit etwa zweimonatiger Verzögerung
  • Permafrost-Schwund gilt als Hauptursache für zunehmende Felsstürze in den Alpen

Klimawandel beschleunigt das Risiko in den Alpen

Der Felssturz an der Zugspitze ist kein Einzelfall. Im gesamten Alpenraum registrieren Wissenschaftler eine Zunahme von Bergstürzen und Steinschlägen, die sie direkt mit dem Rückgang des Permafrosts in Verbindung bringen. Mit steigenden Durchschnittstemperaturen taut der gefrorene Boden in immer größeren Tiefen auf und destabilisiert zunehmend auch mächtigere Felspartien.

Für den Tourismus und die Infrastruktur am Berg bedeutet das eine wachsende Herausforderung. Wanderwege, Kletterrouten und Bergbahnanlagen müssen künftig noch stärker auf Steinschlagrisiken überwacht werden. Experten rechnen ausdrücklich mit weiteren Felsstürzen in der Region – auch an der Zugspitze selbst.

Ausblick: Weitere Abgänge zu erwarten

Auch in den kommenden Wochen bleibt die Lage an der Zugspitzer Nordwand angespannt. Solange der Wärmeimpuls des Sommers weiter in den Fels eindringt und der Permafrost taut, besteht erhöhte Gefahr für erneute Steinschläge. Bergwacht und Wissenschaftler beobachten das Geschehen intensiv.

Das Ereignis macht einmal mehr deutlich, wie unmittelbar der Klimawandel auch Deutschlands höchste Berggipfel verändert – nicht nur sichtbar in schmelzenden Gletschern, sondern auch hörbar im Krachen brechenden Gesteins. Die Alpen befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel, dessen Folgen erst am Anfang zu erahnen sind.

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