Extremwetter und Krieg: Landwirtschaft unter Druck

Dieses Video wurde am 19.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein einziger Hagelschlag hat auf einem deutschen Betrieb rund zwei Drittel der diesjährigen Ernte vernichtet. Doch die Landwirtschaft steht nicht nur vor einer extremen Wetterlage – Extremwetter, globale Lieferkettenprobleme und der anhaltende Ukraine-Krieg treffen Bauernhöfe in Deutschland gleichzeitig und mit voller Wucht. Was auf einem einzelnen Feld sichtbar wird, spiegelt eine weltweite Krise der Lebensmittelversorgung wider.

Hagel als Extremereignis – und als Vorbote?

Ein erfahrener Landwirt, der seit 48 Jahren seinen Betrieb führt, beschreibt den jüngsten Hagelschaden als das Schlimmste, was er je erlebt hat. In kürzester Zeit wurde der Großteil der Ernte unbrauchbar. Ob es sich dabei um ein einmaliges Extremereignis handelt oder um einen wiederkehrenden Trend, ist noch unklar.

Klar ist jedoch: Solche Ereignisse häufen sich. Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit von Hagelstürmen und anderen extremen Wetterphänomenen in Mitteleuropa. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das eine fundamentale Planungsunsicherheit – sowohl für die laufende als auch für die kommende Saison.

Düngerknappheit durch gesperrte Handelsrouten

Selbst wer die Ernte rettet, sieht sich beim Blick auf die nächste Saison mit gravierenden Problemen konfrontiert. Dünger ist für die Aussaat im kommenden Jahr unerlässlich – doch die Rohstoffe dafür kommen überwiegend aus dem Nahen Osten und werden normalerweise durch die Straße von Hormuz verschifft.

Durch geopolitische Spannungen in dieser Region ist die Route derzeit faktisch blockiert. Die Folge: Auf dem deutschen Markt kommt kaum Dünger an. Landwirte können nicht zu den üblichen Zeitpunkten einkaufen, und die Preise steigen durch die Knappheit weiter an.

  • Rohstoffe für Dünger stammen hauptsächlich aus dem Nahen Osten
  • Die Straße von Hormuz ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt
  • Engpässe bei Dünger führen direkt zu niedrigeren Erntemengen
  • Kleinere Erntemengen treiben die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe

Getreidepreise: Entschieden in Paris und Chicago

Was ein Bauer für sein Getreide bekommt, entscheidet sich nicht auf seinem Feld – sondern an den großen Getreidebörsen in Paris und Chicago. Die internationalen Märkte reagieren sensibel auf globale Entwicklungen, und derzeit ist erhebliche Bewegung zu beobachten.

Besonders Gerste und Futterweizen verzeichnen Preisanstiege. Der Hauptgrund: der Ukraine-Krieg. Die Ukraine gehört zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt. Wenn dort Ernten nicht eingebracht werden können – sei es durch Kampfhandlungen, zerstörte Infrastruktur oder fehlende Arbeitskräfte – hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Weltmarktpreise.

Was an der Börse wie eine abstrakte Kursbewegung wirkt, spüren Bauern in Deutschland direkt: Als Preisnehmer sind sie den Marktbewegungen ausgeliefert, ohne großen eigenen Einfluss auf die Erlöse ihrer Ernte.

Globale Krisen, lokale Folgen – und ein ungewisser Ausblick

Was auf einem deutschen Feld sichtbar wird, ist das Ergebnis mehrerer sich überlagernder Krisen: Extremwetterereignisse reduzieren die Ernte direkt. Gestörte Handelsrouten verteuern die Betriebsmittel. Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten verzerren die globalen Agrarmärkte.

Was von der diesjährigen Ernte übrig bleibt, muss eingelagert werden – unter schwierigen Bedingungen und zu ungewissen Preisen. Die nächste Saison hängt von weit mehr ab, als nur vom Wetter auf einem einzelnen Feld. Experten und Landwirte sind sich einig: Resilienz in der Landwirtschaft wird künftig nicht mehr nur durch lokale Maßnahmen erreichbar sein – sie erfordert geopolitische Stabilität, funktionierende Lieferketten und eine konsequente Klimapolitik gleichermaßen.

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